Der Terroranschlag jährt sich zum 20. Mal

9/11: Trauer und Entsetzen beherrschten das Leben

Programmwechsel auf allen Kanälen: Auf den Monitoren bei Saturn in der Innenstadt verfolgten Solinger am 11. September 2001 das grausame Geschehen. Archivfoto: Christian Beier
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Programmwechsel auf allen Kanälen: Auf den Monitoren bei Saturn in der Innenstadt verfolgten Solinger am 11. September 2001 das grausame Geschehen.

20 Jahre 9/11 – wie Solinger damals auf die Anschläge reagierten.

Von Andreas Erdmann

Solingen. Heute vor 20 Jahren, am 11. September 2001 bei den verheerenden Terroranschlägen in New York und Washington, stand die Welt unter Schock. Am Tag nach „9/11“ titelte das Solinger Tageblatt großflächig: „Terrorflugzeuge attackieren USA – Machtzentren in hellen Flammen“. Ein Foto zeigte die beiden kollabierenden Türme des New Yorker World Trade Centers (WTC), und im Untertitel des Berichts war zu lesen: „Tausende von Toten befürchtet. . . Entsetzen über unfassbare Blutspur des Terrorismus lähmt die ganze Welt.“

Entsetzen prägte auch die Berichterstattung im Lokalteil. „Ich bin wirklich geschockt“, sagte die damals 16-jährige Janika Rahn, und ihre Großmutter Edith Stolz (75) befürchtete: „Ob das nicht noch zum Krieg kommt? Die Amerikaner lassen sich das doch nicht gefallen.“ Während Dr. Matthias Leder, der Vorsitzende der Bergischen Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft, die „Attentate wie ein zweites Pearl Harbour“ empfand, sah Carol Bender darin „einen Act of War“. Die bei den Bergischen Symphonikern musizierende gebürtige New Yorkerin befürchtete: „Es wird Konsequenzen geben. . . Die Attentäter wollten Amerika richtig ins Herz treffen.“ Erleichtert war sie darüber, dass keine Verwandten verletzt wurden: „Meine Familie ist okay. Mein Schwager arbeitet in der Wall Street. Dort herrschte heute Chaos. Aber in Krisensituationen halten die New Yorker zusammen.“

Die als Hotelangestellte in Washington beschäftige Stephanie Pleiss (26) berichtete damals: „Ich hatte Spätdienst, wusste zuerst gar nicht, was los ist. Ich schaltete das Fernsehen an und folgte geschockt den Bildern aus New York, als meine Wohnung nahe dem Pentagon von einem Knall erschüttert wurde. Bei uns wackelten die Wände, und auf dem Bildschirm sah ich, wie das World Trade Center einstürzte.“

Solingen trauerte um die Terror-Opfer

In den Folgetagen und -Wochen beherrschte das Thema die Schlagzeilen. „Auch Solingen trauert um die Terror-Opfer“ titelte das ST am 13. September. Für 10 Uhr, so war zu lesen, ist „in Betrieben, Büros, Läden und Bussen zum Schweigegedenken“ aufgerufen. Schulen und Krankenhäuser schlossen sich an. In der Stadtkirche am Fronhof versammelte man sich zum Friedensgebet. Die Stadt flaggte halbmast. Und Oberbürgermeister Franz Haug, der sich in eine der ausliegenden Kondolenzlisten eintrug, bekannte: „Seit gestern hat sich die Welt für mich geändert. Wir sind mit den Gedanken bei den Opfern. Es ist eine Zeit der Trauer und Einkehr“.

Aus Middletown in New Jersey berichtete der 17-jährige Gräfrather Austauschschüler Nils Beese von seinem „schrecklichen Tag in der Schule. Fast jeder meiner Mitschüler kennt jemanden, der um oder im World Trade Center arbeitet.“ In seiner Gastfamilie schlugen die Emotionen hohe Wellen: „Mein Gastbruder will sich für den Kriegsdienst melden und nach Afghanistan oder wohin auch immer fliegen.“ Höchst besorgt waren seine Eltern in der Heimat: „Am Nachmittag des 11. Septembers war telefonisch kein Durchkommen.“ Den in New York tätigen Solinger Architekten Frank Uellendahl (50) hatte die Nachricht auf seiner Baustelle in Long Island erreicht: „Wir stehen alle noch unter Schock. Die vielen solidarischen E-Mails und Anrufe aus aller Welt, die mich erreichten, taten mir gut.“

„Die Welt hat sich für mich geändert.“

Oberbürgermeister Franz Haug

Die Walder Theatertage am 15. September änderten ihr Programm. Die für den 16. geplante Fete am Denkmal in Höhscheid fiel aus; stattdessen versammelten sich Hunderte auf dem Peter-Höfer-Platz zu einem Gedenkgottesdienst. Tags drauf zogen 1000 Schüler, Lehrer und Eltern der Gesamtschule Wupperstraße in einem Trauermarsch zum Fronhof.

Als Reaktion auf den Terror eröffnete US-Präsident George W. Bush am 7. Oktober mit der Militäroperation Enduring Freedom den Krieg in Afghanistan. Ziel war die Bekämpfung der dortigen Taliban-Regierung und der al-Qaida. Der Krieg währte 20 Jahre.

Terrornetzwerk

Al-Qaida, auch al-Kaida, ist ein loses, weltweit operierendes Terrornetzwerk meist sunnitisch-islamistischer Organisationen. Es verübte seit 1993 zahlreiche Terroranschläge in mehreren Staaten, oft vor weltpolitischem Hintergrund. Am 2. Mai 2011 wurde der Gründer und Anführer Osama bin Laden nahe der pakistanischen Hauptstadt Islamabad durch amerikanische Einsatzkräfte getötet.

Im letzten Jahr bewegte der Tod von fünf Kindern die Solinger: Rund 400 Solinger gedenken der fünf toten Kinder.

Historischer Ticker: Heute vor 82 Jahren brannte die Synagoge.

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