Bärenloch

So wird in Solingen aus Gartenabfällen feiner Kompost

Beim Rotteprozess entstehen Temperaturen von rund 70 Grad. Michael Leeser kontrolliert regelmäßig, ob die nötige Wärme erreicht wird.
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Nach rund zwölf Wochen ist aus den Gartenabfällen der Solinger hochwertige Komposterde geworden.

Rund zwölf Wochen dauert die Rotte im Entsorgungszentrum Bärenloch.

Solingen. Rund 13 500 Tonnen Grünschnitt landen pro Jahr im Entsorgungszentrum Bärenloch. Die Anlage ist jedoch nicht die Endstation für die Gartenabfälle. Im Gegenteil. „Wir recyceln zu 100 Prozent. Hier bleibt nichts übrig“, erzählt Michael Leeser. Er ist als Teamleiter der Technischen Betriebe Solingen (TBS) für den Wertstoffhof an der Cronenberger Straße verantwortlich. Innerhalb von zwölf Wochen entsteht dort aus Laub, abgeschnittenen Sträuchern und gemähtem Rasen feiner Kompost.

Ein Häcksler zerkleinert den Grünschnitt. Anschließend wird das Material zu fast drei Meter hohen Haufen aufgeschichtet.

Das Herzstück dieses Prozesses ist die Kompostieranlage. Sie befindet sich im hinteren Teil des Entsorgungszentrums, unterhalb des früheren Rasspe-Areals. Städtische und gewerbliche Anlieferer laden dort Grünschnitt in größeren Mengen ab. Er landet auf einem Haufen mit dem Inhalt der Container, die im Bärenloch für Privatpersonen zur Verfügung stehen.

„Wir recyceln zu 100 Prozent. Hier bleibt nichts übrig.“

Michael Leeser, Teamleiter Entsorgungszentrum

Der erste Schritt im Kompostierungsprozess: Blumen, Blätter und Co. müssen vermischt werden. „Je besser das Mischungsverhältnis ist, desto mehr Nährstoffe enthält der Kompost später“, erklärt Leeser. Sehr holzige Stücke werden vorab aussortiert. Sie würden den Rotteprozess verzögern. Das Holz wird zur Energiegewinnung verkauft.

Beim Rotteprozess entstehen Temperaturen von rund 70 Grad. Michael Leeser kontrolliert regelmäßig, ob die nötige Wärme erreicht wird.

Den gehäckselten Grünschnitt schichtet dagegen ein Radler zu fast drei Meter hohen Haufen auf, den sogenannten Mieten. Sie stehen auf Lochplatten, darunter befindet sich ein Hohlraum. „Die höhere Sauerstoffzufuhr beschleunigt den Rotteprozess“, erläutert Leeser. Zugleich ermöglichen die Belüftungsfelder, die Geruchsbelastung zu minimieren. Insbesondere in den ersten Wochen des Prozesses entstehen unangenehme Gerüche. Eine Biofilteranlage neutralisiert diese.

Es dauert nur wenige Tage, bis die biochemischen Reaktionen in der Rotte für Temperaturen von rund 70 Grad sorgen. Die Wärme sei wichtig, betont Michael Leeser, um Keime im Grünschnitt abzutöten. Regelmäßig kontrollieren der Teamleiter und seine Kollegen mittels Sonden, ob die Temperatur hoch genug ist. Außerdem setzen sie die Mieten während der zwölf Wochen immer wieder um. Das lockert den Kompostrohstoff. Im Sommer ist es nötig, das Material zu bewässern. „Hat der Kompost die Umgebungstemperatur angenommen, ist die Rotte abgeschlossen“, sagt der Teamleiter. Dann wird das Produkt in verschiedenen Korngrößen abgesiebt.

Um das Material aufzulockern, wird der dampfende Kompostrohstoff immer wieder umgeschichtet.

Abnehmer gibt es viele. Für Privathaushalte steht im Bärenloch unverpackte Komposterde (0 bis 20 Millimeter) kostenlos zur Abholung bereit. „Schließlich liefern die Solinger mit ihrem Grünschnitt den Rohstoff an“, sagt Michael Leeser. Viele schätzen die Vorzüge des nährstoffreichen Materials in ihren heimischen Beeten. Doch es kommt auch an anderer Stelle zum Einsatz: „Kompost als Einstreu in Pferdeboxen wird immer beliebter.“

Große Mengen des Stoffes nehmen die Landwirte in der Region ab, vor allem grobere Siebungen. „Die Komposterde speichert das Fünffache ihres Gewichts an Wasser“, erklärt der Fachmann. Deshalb habe sich der Einsatz in trockenen Sommern bewährt.

Weitere Abnehmer sind professionelle Erdenwerke. Sie mischen den Solinger Kompost ihrer Blumenerde bei. „Bei ihnen ist unser Produkt beliebt, weil wir ausschließlich Grünschnitt verarbeiten“, erklärt Michael Leeser. Werden beispielsweise Küchenabfälle kompostiert, können dabei unverträgliche Störstoffe entstehen. Doch die sind im Bärenloch nicht zu finden.

Produkte

Im Entsorgungszentrum Bärenloch steht unverpackter Kompost (0 bis 20 Millimeter) kostenfrei zur Abholung bereit. Der Kompost aus dem Bärenloch dient außerdem als Grundlage für Blumenerde der Entsorgung Solingen GmbH. Sie wird in Säcken im Bärenloch und am Müllheizkraftwerk an der Sandstraße verkauft. Auch Pinienrinde und Rindenmulch gehören zum Angebot. Eine Preisliste und weitere Informationen gibt es im Internet.

www.solingen.de/tbs/

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