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So stellt sich die Sparkasse in Solingen künftig auf

Der Neubau der Stadt-Sparkasse in der Innenstadt: Weil der Untergrund entgegen erster Untersuchungen weniger Fels und mehr Lehm enthält, muss zusätzlicher Boden abgetragen werden. Die Verantwortlichen hoffen, den Zeitverlust im Verlauf des Bauprojekts aufholen zu können. Bis Ende 2023 soll die neue Hauptgeschäftsstelle fertiggestellt sein, Anfang 2024 sollen die Mitarbeiter umziehen. Foto: Christian Beier
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Der Neubau der Stadt-Sparkasse in der Innenstadt: Weil der Untergrund entgegen erster Untersuchungen weniger Fels und mehr Lehm enthält, muss zusätzlicher Boden abgetragen werden. Die Verantwortlichen hoffen, den Zeitverlust im Verlauf des Bauprojekts aufholen zu können. Bis Ende 2023 soll die neue Hauptgeschäftsstelle fertiggestellt sein, Anfang 2024 sollen die Mitarbeiter umziehen.

Die Zahl der Mitarbeiter wird weiter sinken. Die Gebühren für Girokonten werden „überprüft“.

Von Björn Boch

Solingen. Die Stadt-Sparkasse stellt sich seit 2016 mit einer Zukunftsstrategie neu auf. Dazu gehört, wie am Dienstag bekanntwurde, die Schließung zweier Filialen und die Eröffnung eines digitalen Beratungscenters (das ST berichtete). Während die Standorte Gräfrath und Krahenhöhe in SB–Stationen umgewandelt werden, startet ein digitales Team in Ohligs, das Kunden per Videochat oder geteiltem Bildschirm beraten wird. Das sei eine Reaktion auf verändertes Kundenverhalten, so die Verantwortlichen. Das ST hat zur Sparkasse einige Zahlen zusammengetragen.

Sebastian Greif, Vorstandsmitglied der Solinger Stadt-Sparkasse, erklärt die Neuausrichtung im Filialgeschäft der Sparkasse. Video: Björn Boch

83 474 So viele private Girokonten gibt es bei der Solinger Stadt-Sparkasse. Die Gebühren dafür seien rund drei Jahre lang nicht erhöht worden, betont der Vorstandsvorsitzende Stefan Grunwald. „Das werden wir dieses Jahr aber überprüfen müssen.“ Gründe dafür seien neben den dauerhaft niedrigen Zinsen auch „nennenswerte Verbesserungen im Leistungsumfang, etwa bei den Services in der Sparkassen-App“.

5,7 Millionen Besuche hat es in der Internetfiliale der Stadt-Sparkasse gegeben. Das ist ein Zuwachs von 64 Prozent gegenüber dem Jahr 2016. Die Zahl der regelmäßigen Nutzer der Sparkassen-App habe sich im gleichen Zeitraum sogar mehr als verdoppelt. „Der Kunde ist im Omnikanal angekommen“, erklärt Grunwald. Heißt: Verschiedene Kanäle zur Sparkasse – Filialen, Online-Banking, App, Telefonie und SB-Services – werden alle genutzt, je nach Anliegen. Fast ausschließlich online funktioniert das alltägliche Geschäft.

85 Prozent der Beratungsgespräche und Abschlüsse finden dagegen in Filialen statt, betont Vorstandsmitglied Sebastian Greif. Ein weiterer Abbau von Filialen sei in den kommenden Jahren nicht geplant.

Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Stefan Grunwald (M.), Vorstandsmitglied Sebastian Greif (l.) und Andreas Tangemann, stellvertretendes Vorstandsmitglied, präsentierten die Pläne in der neuen Filiale in Ohligs.

541 Mitarbeitende hat die Solinger Stadt-Sparkasse, davon sind 43 in der Ausbildung. Vor einigen Jahren hatte das Kreditinstitut den „sozialverträglichen Abbau von rund 100 Stellen angekündigt“, der vor allem durch ein umfassendes Altersteilzeitprogramm erreicht werden soll. Grunwald geht davon aus, dass die Mitarbeiterzahl in den nächsten Jahren auf rund 500 sinken wird.

2024 Bis dahin sollen die meisten Änderungen vollzogen sein – größte Veränderung wird der Umzug zu Beginn des Jahres 2024 in die neue Hauptgeschäftsstelle am Neumarkt. Auch die Walder Filiale soll 2024 saniert werden. Bereits zum 1. Mai 2022 werden Gräfrath und Krahenhöhe umgewandelt – ebenfalls bis dann soll der Umzug in Höhscheid in das frühere Lokal des „Anderen Ladens“ abgeschlossen sein. Burg soll zeitnah wieder SB-Standort werden, laut stellvertretendem Vorstandsmitglied Andreas Tangemann sind dort vor allem noch Sicherheitsaspekte zu klären.

125 000 Ab dieser Eurosumme auf dem Konto müssen Sparkassenkunden ein „Verwahrentgelt“ zahlen – auch bekannt als Negativzinsen. Für Eheleute gilt die doppelte Höhe, Neukunden sind ab 50 000 Euro betroffen. Da die Einlagen der Solinger bei der Sparkasse voriges Jahr erneut um 10 Prozent gewachsen sind, „können wir das Geld gar nicht so schnell anlegen, wie es uns erreicht“, so Stefan Grunwald. Für Geld, das deshalb bei der Europäischen Zentralbank geparkt werden muss, zahlt die Sparkasse selbst Negativzinsen.

253 Millionen Euro haben die Solinger allein 2021 in Aktien und andere Wertpapiere bei der Sparkasse investiert. Der Wertpapierabsatz stieg um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eine Rendite könne angesichts der niedrigen Zinsen nur mit einer Mischung aus Sachwerten – etwa Immobilien – und Aktien erzielt werden, sagt Grunwald. „Ein Realwerterhalt mit Geld, das nur auf den Konten liegt, ist nicht mehr möglich.“

45 Stunden in der Woche haben die Geschäftsstellen in Mitte und Ohligs jeweils geöffnet – montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr. Ab 1. Mai werden die Zeiten in Aufderhöhe, Wald und Höhscheid sowie am Central erweitert – auf je 36 Stunden (montags bis freitags, 9 bis 13 und 14 bis 18 Uhr, mittwochs nur vormittags). Der S-Point Hofgarten ist montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, das Kundenservicecenter von 9 bis 19 Uhr erreichbar. Der SB-Service kann zwischen 6 und 23 Uhr von Montag bis Sonntag genutzt werden – aus Sicherheitsgründen ist nachts geschlossen.

Kritik

Die Bürgergemeinschaft für Solingen (BfS) nimmt die Entscheidung, zwei Filialen zu schließen, mit „großer Enttäuschung“ zur Kenntnis. Finanzpolitiker Patrick Hinck und Martin Bender, BfS-Vorsitzender, forderten die im Verwaltungsrat der Stadt-Sparkasse vertretenen Fraktionen auf, stärker auf das zu achten, was eine kommunale Sparkasse ausmache: kurze Wege, Kundenfreundlichkeit, Kundennähe.

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