Preisexplosion

So rüstet sich die Stadt Solingen für hohe Energiepreise

Das Müllheizkraftwerk spielt in der städtischen Energieversorgung, unter anderem für das Klinikum eine wichtige Rolle.
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Das Müllheizkraftwerk spielt in der städtischen Energieversorgung, unter anderem für das Klinikum eine wichtige Rolle.

Um Mehrkosten durch die Preisexplosion am Energiemarkt zu vermeiden, setzt das Rathaus auf die Einkaufspolitik und das Müllheizkraftwerk.

Von Andreas Tews

Solingen. Kaltes Duschwasser in den Sporthallen oder weniger beheizte Klassen- oder Büroräume soll es im Zuständigkeitsbereich der Stadt Solingen nicht geben. Eine Reduzierung der Raumtemperaturen oder ähnlich Einsparungen werde es in Folge der Energiekrise und der steigenden Preise nicht geben, kündigte Rathaussprecher Daniel Hadrys auf ST-Anfrage an. Preislich sieht sich die Stadt bis in das Jahr 2024 relativ gut abgesichert.

Andere Kommunen: Mit der Absage an drastische Einsparungen hebt sich Solingen von einigen anderen Kommunen ab. Der Lahn-Dill-Kreis (Hessen) hatte zuletzt auf sich aufmerksam gemacht, weil dort für Schüler und Sportler in kommunalen Hallen das Warmwasser in den Durschen abgestellt werden soll. In anderen Städten wird darüber nachgedacht, die Raumtemperatur in den Büros abzusenken. Manche Kommunen senken zudem die Wassertemperatur in den Bädern oder sparen bei der Straßenbeleuchtung. Dies wird einerseits mit drohenden Engpässen bei der Gasversorgung, andererseits aber auch mit den hohen Energiekosten begründet.

„Eine Reduzierung der Raumtemperaturen erfolgt zur Zeit nicht.“

Daniel Hadrys, Sprecher der Stadtverwaltung

Raumtemperaturen: In Solingen denke man beim städtischen Gebäudemanagement aktuell nicht über Einschränkungen nach, berichtet Hadrys. Er erklärt: „Die Beheizung wird auf Grundlage der Temperaturvorgaben zum Beispiel in Klassenräumen oder Gruppenräumen von Kitas vorgenommen.“ Eine Reduzierung der Raumtemperaturen erfolge demnach zur Zeit nicht.

Mehrausgaben: Für das laufende Jahr erwartet die Stadtverwaltung für sich eine Energiepreissteigerung um 40 Prozent. Dies sei im Haushaltsplan 2022 bereits berücksichtigt. Weitere Preissteigerungen erwartet das Rathaus für 2023.

Müllheizkraftwerk: Aktuelle profitiere die Stadt besonders davon, dass sie ihre Energiebeschaffung vor Jahren neu strukturiert habe. Eine große Rolle spiele dabei die Eigenversorgung durch das Müllheizkraftwerk der Technischen Betriebe mit elektrischer Energie. Dadurch bleibe ein großer Teil des Geldes, das für Strom ausgegeben werde, im Konzern Stadt Solingen.

Im Müllheizkraftwerk werden Hausmüll und hausmüllähnliche Gewerbeabfälle entsorgt. Bei der Müllverbrennung wird Energie gewonnen, die in elektrischen Strom umgewandelt wird. Viele städtische Gebäude – darunter das Klinikum – versorgt das Müllheizkraftwerk zudem mit Fernwärme.

Einkaufspolitik: Wesentlich sei aber auch, dass die Stadtverwaltung Gas an der Börse einkaufe. Auf diesem Weg seien noch vor der Preisexplosion große Kontingente beschafft worden, die die Stadt Solingen bis in das Jahr 2024 beziehe. Hadrys: „Dadurch liegt die Preissteigerung für die Stadt Solingen deutlich unter den marktüblichen Preissteigerungen.“

So soll Solingen bis 2030 klimaneutral werden

Energiekrise

Nach der drastischen Verringerung der Gaslieferungen durch Russland hat die Bundesregierung die Alarmstufe im Notfallplan Gas ausgerufen. Gasverbraucher müssen aber zumindest im Moment nicht fürchten, dass ihre Versorger die Lieferverträge kündigen und höhere Preise verlangen. Dazu wäre ein weiterer Schritt nötig: das Ausrufen der Notfallstufe.

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