Kommunikation

So nutzen Senioren im Heim das Internet

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Im Malteserstift St. Antonius gibt es im Eingangsbereich einen Raum, der zur Internetnutzung einlädt.

Ältere Solinger sind zunehmend online – in Senioreneinrichtungen vor allem, um mit Angehörigen zu kommunizieren.

Von Andreas Römer

Solingen. Für junge Menschen sind Smartphone und Internet fester Bestandteil ihres täglichen Lebens. Doch wie sieht das bei älteren aus. In Solingen schreibt rund die Hälfte der über 55-Jährigen täglich E-Mails oder nimmt mit Skype oder Whatsapp Kontakt zu den Lieben auf, wie die Bürgerbefragung „Älter werden in Solingen“ im Jahr 2020 ergab. Senioren sind also zunehmend auch online. Können Sie das auch in den Senioreneinrichtungen der Stadt bleiben?

Grundsätzlich können sich alle Älteren über ihren privaten Telefonanschluss in den Einrichtungen auch Internet bestellen. Wer das tut und ob das dann wie genutzt wird, darüber gibt es nur wenig Zahlenmaterial.

2019 hatte sich der Seniorenbeirat von der Stadt den Stand bei der Digitalisierung oder dem Zugang zum Internet in den Senioreneinrichtungen der Stadt erläutern lassen. „Da hieß es, man komme gut voran“, sagt Herbert Gerbig, Vorsitzender des Seniorenbeirats. Wie das aktuell sei, könne er nur vermuten. Denn auch die Tagungen seines Gremiums sind deutlich eingeschränkt durch die Pandemie. Online-Meetings sind längst nicht bei allen Mitgliedern umzusetzen. „Neben technischen Einschränkungen haben wir auch Menschen, die das einfach nicht wollen, die den anderen lieber direkt in die Augen sehen.“ Deshalb gibt es jetzt sogenannte Hybrid-Sitzungen. Einige sitzen zusammen, andere sind per Computer zugeschaltet.

Auch ältere Solinger sind zunehmend online.

Für Gerbig ist die Digitalisierung Segen und Fluch zugleich. Er beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema, weil es auf der einen Seite wichtig sei, Senioren in dieser Zeit zu begleiten, sie fit zu machen für die Digitalisierung, es auf der anderen Seite aber ebenso gilt, die älteren Menschen nicht zu überfordern, ihre Ängste ernst zu nehmen. Ihm selbst ist auch schon mal sein E-Mail-Konto von dubiosen Betrügern gehackt worden. Eigentlich hatte der Seniorenbeirat in Zusammenarbeit mit der Sparkasse vor zwei Jahren geplant, Seniorinnen und Senioren das Online-Banking nahezubringen. Azubis der Sparkasse sollten den Älteren in Kursen die Angst vor Tan, Iban oder Zwei-Faktor-Authentifizierung nehmen. „Durch die Pandemie ist das alles nicht zustande gekommen. Schade“, so Gerbig.

Und wie nutzen die Seniorinnen und Senioren die Möglichkeiten tatsächlich? Wlanund Internet werden zum Beispiel in der Seniorenresidenz am Theater nur vereinzelt genutzt. Aktuell seien es sechs von 100 Bewohnern, die sehr aktiv online unterwegs sind, wie Leiterin Daniela Thielke berichtet.

„Wenn viele Dinge im normalen Alltag nicht mehr funktionieren, ist auch häufig das Internet nicht mehr zu schaffen.“

Marion Huss, Leiterin des Maltesterstifts St. Antonius

Das Malteserstift St. Antonius verfügt über ein eigenes Internetcafé, das aber „nicht viel genutzt wird“, berichtet Leiterin Marion Huss. Und auch das kostenfreie Wlan in der Cafeteria des Elisabeth-Roock-Hauses wird nach Beobachtung von Peter Knoch, Geschäftsführer der Altenzentren der Stadt Solingen, eher von den besuchenden Angehörigen genutzt. „Heute haben auch Senioren häufig ein Smartphone. Ob sie damit in unseren anderen Häusern das vorhandene Wlan nutzen, haben wir bislang nicht statistisch erfasst.“

„Wir nutzen unser Wlan auch für die Mitarbeiter“, erklärt Bastian Pallmeier, Geschäftsführer im evangelischen Altenzentrum in Ohligs. Von Interesse seien im Haus darüber hinaus eher so etwas wie die Alexa-Steuerung für die Fernbedienung von TV, Radio oder Licht. Er hat wie auch die Verantwortlichen in den anderen Häusern festgestellt, dass es bei Gesprächen mit potenziellen Neuzugängen in seine Senioreneinrichtung „eher selten ein Gesprächsthema“ sei, ob man über gutes Wlan oder kostenfreies Internet im Haus verfügt.

Viel genutzt wird aber in allen Einrichtungen die Online-Kommunikation. Häufig mit Unterstützung durch soziale Dienste wird den Senioren, die über keinen eigenen Online-Zugang verfügen, mittels Tablets ein Videoanruf mit der Familie ermöglicht. In den Pflegeeinrichtungen ist es schon jetzt technisch möglich, den Anschluss an die digitale Welt zu finden, aber „wenn viele Dinge im normalen Alltag nicht mehr funktionieren, ist auch häufig das Internet nicht mehr zu schaffen“ sagt Marion Huss.

Grundsätzlich kommt es aber vor allem auf die Fitness der Senioren an. Da gibt es durchaus die 85-Jährige, die selbst alles online abwickelt – auch Banking ist kein Problem. „Viele Seniorinnen und Senioren fühlen sich aber überfordert,“ stellt Angelika Nowotka fest. Die Vorsitzende des Vereins Wohnen in Gemeinschaft beklagt, dass es vielfach ohne Online-Zugang im normalen Leben schwierig wird. „Wie soll denn jemand, der keinen Computer und kein Smartphone besitzt, etwa den Stadtwerken ein Foto mit dem Zählerstand schicken?“, fragt sie. Es gehe also nicht allein um die technische Verfügbarkeit eines Internetzugangs. Vielmehr müsse es deutlich mehr Angebote für ältere Menschen geben, damit sie die digitale Welt kennenlernen können, ihnen ihre Ängste genommen und sie angeleitet werden, wie man die Vorteile nutzen kann. In ihrem Verein klappe das schon gut, so Nowotka. Hier verabredeten sich die Senioren per Whatsapp. Und sie plant in ihren Räumen am Böckerhof, Kurse für ältere Menschen, auch Nicht-Vereinsmitglieder, anzubieten.

Veranstaltung

Herbert Gerbig, Vorsitzender des Seniorenbeirats, kündigt eine Veranstaltung für das kommende Jahr an. Der Zusammenschluss der bergischen Seniorenbeiräte plant einen Tag der offenen Tür zum Thema „Digitalisierung im Alter“ mit zahlreichen Vorführungen und Vorträgen.

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