Unterburg

So lebt eine Familie aus der Ukraine jetzt bei ihren Gastgebern in Solingen

Silke und Michael Wagner (r.) haben Tetjana und ihre Tochter Tamila aus der Ukraine in ihrem Haus in Unterburg aufgenommen. Foto: Tim Oelbermann
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Silke und Michael Wagner (r.) haben Tetjana und ihre Tochter Tamila aus der Ukraine in ihrem Haus in Unterburg aufgenommen.

Familie Wagner aus Unterburg beherbergt Geflüchtete aus der Ukraine. Über 800 Schutzsuchende sind mittlerweile in Solingen untergebracht.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Scheinbar unbeschwert spielt die kleine Tamila mit den Hunden Lotta und Elrond. Bilder, auf denen die Siebenjährige die beiden Hunde gemalt hat, zieren das gemütliche Wohnzimmer in Unterburg. Und einige Kommandos verstehen die beiden Familienhunde auch schon auf Ukrainisch.

Tamila ist mit ihrer Mutter Tetjana (34) vor einem Monat aus der Ukraine geflohen – aus Angst vor dem Krieg, aus Angst um ihr Leben. Bei Silke und Michael Wagner haben sie seitdem ein neues Zuhause gefunden. Den Flüchtlingen zu helfen – das war für die Wagners selbstverständlich. „Seit dem Hochwasser im vergangenen Sommer hier in Unterburg hatten wir ja unsere Whats-App-Gruppe ,Burger helfen Burgern‘, und direkt nach Beginn der Flüchtlingswelle haben wir bei der Stadt und der Caritas hinterlegt, dass wir eine Familie mit Kindern aufnehmen könnten“, erzählt Silke Wagner.

Fünf Familien aus der Ukraine leben in Burg

Das Netzwerk in Burg funktioniere sehr gut. Fünf Familien aus der Ukraine sind mittlerweile im Grafenstädtchen untergebracht. Bei Familie Wagner können Tetjana und ihre kleine Tochter im oberen Stockwerk drei kleine Zimmer mit Toilette bewohnen – die Zimmer der mittlerweile erwachsenen Kinder stehen frei. Küche und Dusche können sie bei den Wagners mitbenutzen. „Und von unseren drei Enkelkindern ist auch reichlich Spielzeug vorhanden“, erzählt die Gastmutter.

Die Unterbringung sei aber nur der erste Schritt gewesen, skizziert Michael Wagner, wie viel Eigeninitiative notwendig ist, um alles für die Geflüchteten zu organisieren. Registrierung, medizinische Untersuchungen, Krankenversicherung, Sozialhilfeantrag, Kontoeröffnung und das Anerkennungsschreiben, damit Tetjana einen Sprachkurs besuchen kann – „von der Stadt fühlten wir uns da zunächst alleine gelassen“, so Wagner.

Solingen: Gebürtige Ukrainerin hilft als Dolmetscherin

Eine große Hilfe bei all diesen Aufgaben und der Kommunikation war Alexandra Dinger. Die fünffache Mutter, die seit über 20 Jahren in Solingen lebt, stammt gebürtig aus der Ukraine. Ihre Hilfe wird derzeit rund um die Uhr und überall gebraucht. „Das ist wunderbar, dass Alexandra uns bei der Übersetzung hilft, oft persönlich, manchmal auch über das Handy“, beschreibt Silke Wagner die sonstige Verständigung „mit Händen und Füßen“ und dem Übersetzungsprogramm aus dem Internet.

Mit Alexandra Dingers Hilfe konnten Mutter und Tochter auch von ihrer Flucht aus Ternopil im Westen der Ukraine erzählen. Sieben Tage waren sie insgesamt unterwegs – zuerst mit dem Auto bis Lwiw, dann mit einem kleinen Bus bis zur polnischen Grenze. „Über die Grenze mussten wir dann zu Fuß gehen“, erzählt Tetjana. In Polen ging es dann zunächst mit dem Bus, später mit dem Zug weiter nach Berlin. „Der Kontakt nach Solingen ist dann über einen meiner Cousins entstanden“, erzählt Alexandra Dinger. Während sie spricht, schaut sie immer wieder sorgenvoll auf ihr Handy. Eine Nichte aus Kiew soll noch unterwegs sein. „Ich hoffe, sie kommt wohlbehalten an.“ Auch bei den Gästen aus der Ukraine ist die Sorge groß, um den Papa, Großeltern und Geschwister, die in der Armee helfen – und um Tamilas Hasen, den sie zurücklassen musste. In der Nachbarschaft der Wagners ist eine Wohnung frei. „Gerade laufen noch Handwerksarbeiten, wir hoffen, dass Tetjana und Tamila dort im Mai einziehen können“, skizziert Michael Wagner eine Bleibeperspektive.

Auch in die Schule geht die Siebenjährige. Schon wenige Tage nach ihrer Ankunft konnte sie die Montessori-Grundschule besuchen. Auch diesen Kontakt hat Alexandra Dinger hergestellt, deren neunjähriger Sohn die gleiche altersgemischte Klasse besucht. „Da unsere Kinder zweisprachig sind, ist er natürlich stolz, in der Klasse ukrainisch-deutsch übersetzen zu können“, beschreibt sie die funktionierende Kommunikation unter den Kindern. Auch Tetjana, die in der Ukraine als technische Verkäuferin gearbeitet hat, hofft, schnell Deutsch zu lernen. Tamila und Silke Wagner haben schon einen Weg gefunden – gegenseitig übersetzen sie sich die Wörter aus dem Kinder-Lexikon.

Hilfe

Kontakt: Infos rund um Flüchtlingsfragen bei der Stadt unter Tel. 290-50 20 oder per Mail: fluechtlinge@solingen.de
Persönlich: Für persönliche Besuche im Rathaus einen Termin absprechen, montags, dienstags, donnerstags und freitags von 8 bis 12 Uhr.

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