Gräfrath

Skulptur „Ruhender Verkehr“ prangert den Autoverkehr an

Dirk Balke (rechts) zeigt in Gräfrath Thomas Baumgärtels Version der Skandal-Skulptur „Ruhender Verkehr“ auf dem Marktplatz. Foto: Christian Beier
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Dirk Balke (rechts) zeigt in Gräfrath Thomas Baumgärtels Version der Skandal-Skulptur „Ruhender Verkehr“ auf dem Marktplatz.

Der Nachbau einer Beton-Skulptur von Wolf Vostell steht in Gräfrath.

Von Philipp Müller

Am Gräfrather Marktplatz steht seit Donnerstag die Skulptur „Ruhender Verkehr“. Der als Bananensprayer bekannte Kölner Künstler Thomas Baumgärtel hat sie als Replik des Originals des Fluxus-Künstlers Wolf Vostell geschaffen. Zugleich stellt Baumgärtel ab Samstag in der Galerie Art-Ecke bei Dirk Balke am Marktplatz aus.

Ein Kranwagen hatte die aus einer Holzkonstruktion bestehende Plastik bei Baumgärtel abgeholt und neben das Kaffeehaus gewuchtet. Während dies passierte, erzählte der Bananensprayer, wie es zu „Ruhender Verkehr“ gekommen war. 1969 hatte sie der Künstler Wolf Vostell als Protest gegen den zunehmenden Pkw-Betrieb in Köln auf dem Hohenzollernring unerlaubt aufgestellt. 1993 nahm sich Baumgärtel die Freiheit, in einer öffentlichen „Street-Art-Guerilla-Aktion“ die 15 Tonnen schwere Betonskulptur mit seinen gelben Bananen aus der Spraydose zu verzieren. Sogar die Polizei habe er überzeugen können, dass er natürlich erlaubter Weise Kunst schaffe. „Die haben mit Blaulicht die Straße gesperrt, damit ich arbeiten konnte“, freut er sich heute noch diebisch.

Baumgärtel hat sich der „German Urban Pop Art“ verschrieben

Doch der Bananensprayer hatte die Rechnung ohne Wolf Vostell gemacht. Obwohl dieser ebenfalls wie Baumgärtel zur Gilde der politischen Protest-Künstler gehört, verlangte er die Reinigung des „Ruhenden Verkehrs“. Baumgärtel erhielt über einige Kanäle Unterstützung, damit er die mehr als 10 000 Mark Kosten dafür nicht alleine tragen musste.

Im vergangenen Jahr hatte er in Köln-Dellbrück in einer alten Werkshalle eine Ausstellung mit 300 seiner Werke. „German Urban Pop Art“ nannte sich das, das steht auch für sein Schaffens-Motto. Dafür schuf er eine Replik von „Ruhender Verkehr“, besprühte sie mit seiner Bananenkunst und erinnerte so an seine wilde Aktion mit der Skulptur 1993.

Inzwischen ist in ihm aber der Wunsch gereift, Vostells Autokritik aufzunehmen. Es könne nicht sein, dass der Gräfrather Marktplatz mit Autos verschandelt werde, dafür stehe sein „Ruhender Verkehr“. In der Galerie von Balke zeigt er 35 Schablonen für seine Bananenkunst.

Bananensprayer, Eröffnung, Samstag, 29. Februar, 17.30 Uhr, Laufzeit bis 19. April

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