Ausgangssperre wurde beachtet

Silvesterabend in Solingen verläuft bunt und eher ruhig

An vereinzelten Stellen brannten auch in dieser Silvesternacht Feuerwerke ab, so an der Hermannstraße in Höhscheid (Foto oben). In der Südstadt haben Nicole Jansing und Dennis Marro auf Wunderkerzen zurückgegriffen. Schon früh war die Stadt wieder leer. Auch auf der Konrad-Adenauer-Straße war nach der Ausgangssperre kein Autoverkehr mehr zu beobachten. Fotos: Tim Oelbermann
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An vereinzelten Stellen brannten auch in dieser Silvesternacht Feuerwerke ab, so an der Hermannstraße in Höhscheid.

Solinger hatten sich trotz Verkaufsverbot für Böller offenbar gut eingedeckt.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Eine „Stille Nacht“, wie im Vorhinein von vielen orakelt, war die Silvesternacht in Solingen nicht. Ab etwa 0.10 Uhr – also erst nach dem obligatorischen „Prost“ mit Freunden oder Verwandten zum Jahreswechsel – wurde der Himmel über der Klingenstadt zunehmend bunt vom Funkenregen der Raketen. Auf den Straßen krachten die Heuler und Knallfrösche, dazu wurden Sonnenräder gezündet.

In der Südstadt haben Nicole Jansing und Dennis Marro auf Wunderkerzen zurückgegriffen. Schon früh war die Stadt wieder leer.

Das Ganze hielt allerdings Maß: Hatte man in der jüngeren Vergangenheit zunehmend das Gefühl, zum Jahreswechsel Teil einer Endlos-Outdoor-Party mit immer neuen pyrotechnischen Raffinessen zu sein, so brach sich diesmal Bescheidenheit in Menge und Länge der Sache Bahn.

Korbinian Lenz, Unfallchirurg am Städtischen Klinikum, vermeldete daher einen ruhigen Dienst in der Silvesternacht. Es sei niemand mit Brandverletzungen oder Schnittwunden, etwa durch Stürze in zerbrochene Flaschen aufgeschlagen. „Man merkte, dass deutlich weniger Feuerwerk gezündet wurde und dass die großen Partys mit viel Alkohol nicht gefeiert wurden“, lautete sein Fazit.

Regelrechte Menschen-Ansammlungen, die nach der geltenden Coronaschutzverordnung ein Eingreifen notwendig gemacht hätten, vermeldete die Polizei schon in der Nacht aber von keiner Stelle des Stadtgebiets. Zwei telefonischen Hinweisen seien sie nachgegangen, hieß es aus der Leitstelle der Polizei, aber auf den bezeichneten Verkehrskreuzungen sei es bei ihrem Eintreffen ruhig gewesen.

Solingen: Wunderkerzen, Raketen aus Sektflaschen, keine Ansammlungen

So erlebte das Tageblatt die Nacht an verschiedenen Orten: Drei Kinder im Grundschulalter staunten zum Beispiel auf der Höhscheider Hermelinstraße in eine Feuer-Fontäne, die ihr Papa für seinen Nachwuchs entzündet hatte und freuten sich danach über die Wunderkerzen, die sie nahezu andächtig abbrannten. Am Haltepunkt Mitte ging es etwas lauter und turbulenter zu.

Auch auf der Konrad-Adenauer-Straße war nach der Ausgangssperre kein Autoverkehr mehr zu beobachten.

Jugendliche hatten sich dort mit leeren Sektflaschen als eine Art Station fürs Abfeuern der Raketen zusammengestellt und ließen die Geschosse nacheinander in den Himmel hochsteigen.

Wie in den Jahren zuvor hatten ab dem frühen Abend in allen Wohngebieten vereinzelte „Probeböller“ gekracht und ab etwa 23 Uhr stieg auch die eine oder andere Rakete verfrüht in den Nachthimmel. Beispielsweise in der Aufderhöher Siedlung Badstraße hatten ein paar Jugendliche, nur als graue Schatten erkennbar, offensichtlich Spaß daran ihre Feuerwerksvorräte im Wettstreit zu zünden – minutenlang rumste es ordentlich in den ansonsten leeren und ruhigen Straßen. Die waren flächendeckend am Silvesterabend still geblieben: Nur ein paar Hundebesitzer waren auf dem vom Nieselregen nassen Asphalt unterwegs, der die in den Vorgärten weihnachtlich leuchtenden Lichterketten als Girlande, Kranz oder in Bäumen montiert spiegelte.

Solingen: Taxen hatten nur kurz zu tun, ab 2 Uhr herrschte Ruhe

Um Mitternacht hatte der Sprühregen aufgehört. Gute Wetterbedingungen für ein moderates Feuerwerk, um das neue Jahr zu begrüßen. Fast mit dem Gongschlag der Kirchenglocken um Mitternacht starten schon die ersten Taxen von ihren Standplätzen – offenbar zuvor für geplante Heimfahrten bestellt. Zu ihnen gesellten sich nach und nach immer mehr Privat-Pkws: Die Sperrstunde ab 1 Uhr rief diejenigen, die bei Freuden gefeiert hatten frühzeitig zum Aufbruch. Um 0.30 Uhr war der zuvor geradezu „tote“ Schlagbaum regelrecht belebt durch viel Verkehrsaufkommen. Genauso schnell aber war wieder Ebbe auf den Straßen. Schon um 2 Uhr lag die Stadt dann in ihrem Neujahrsschlaf.

Feiern unter Corona-Bedingungen

In diesem Jahr musste am Silvesterabend die geltende Corona-Schutzverordnung NRW beachtet werden, inklusive der geltenden Solinger Ausgangssperre von 1 bis 5 Uhr. Ein prinzipielles Böllerverbot bestand nur an öffentlichen Orten, wo die Maskenpflicht gilt, sowie im Südpark und im Bärenloch. Feuerwerk durfte an Privatleute nicht verkauft werden – Inhaber eines entsprechenden Gewerbescheins aber konnten sich bei Großhändlern eindecken. Die Polizei hatte zuvor erklärt, verstärkt kontrollieren zu wollen.

Standpunkt: Silvester mit Verstand

Von Philipp Müller

Die überwiegende Zahl der Solinger feierte Silvester mit Verstand. Große Partys gab es offenbar nicht. Das Feuerwerk war auch deutlich kleiner als in den Vorjahren.

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Dass die Ausgangssperre eingehalten wurde, zeigt, die Solinger haben verstanden, eine geringe Zahl der Kontakte untereinander ist die Währung, mit der die Corona-Pandemie bekämpft wird. Zugleich darf die Zahl des RKI zur 7-Tageinzidenz mit 77 nicht trügen. Es wird seit Weihnachten weniger getestet. Das bedeutet nicht, dass es weniger Virusträger gibt, die andere anstecken. 

Das ist daher eine trügerische Sicherheit. Weniger Kontakte helfen daher. Doch das wird im kommenden Monat nicht alles sein. Schüler, Eltern und Lehrer warten darauf, dass sie erfahren, wie es in den Schulen weitergeht. Zugleich scheint es Unklarheiten um die Verteilung und den Einsatz des Impfstoffs zu geben. Das Jahr startet daher auch holprig. 

Polizei spricht von „etwas entspannterer Nacht“ in Solingen

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