Viele Haus- und Wildtiere haben Angst vor Böllern und Raketen

Silvester: So schützen Sie Tiere vor Lärm

Wenn an Silvester geböllert wird, haben auch Hunde Angst. Zu viel Mitleid kann das Problem aber verstärken.
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Wenn an Silvester geböllert wird, haben auch Hunde Angst. Zu viel Mitleid kann das Problem aber verstärken.

Eierlikör sei für Hunde und Katzen keine Lösung, meinen Experten – sie empfehlen stattdessen Entspannungsmusik.

Von Jonathan Hamm

Solingen. Lärm, Rauch und blitzende Lichter – viele Haustierhalter blicken dem 31. Dezember sorgenvoll entgegen. Denn für ihre Lieblinge bedeutet das Feuerwerk meist Stress und Schrecken. „Das ist für die Tiere schon extrem“, stellt Rita von Itter, Vorsitzende des Vereins Tiere in Not Solingen, fest. „Die hören das stärker als wir, und die Blitze bringen die Tiere ganz durcheinander.“

Daher sei es als Haustierbesitzer wichtig, sich im Vorhinein darüber Gedanken zu machen, wie man seine Tiere am besten schützen kann. Sie appelliert, auch wenn es für die Tiere ungewohnt sei: „Freigänger-Katzen bitte drinnen halten.“ In der Wohnung könne beispielsweise ein geöffneter Schrank einen Rückzugsort bieten.

Jalousien sollten heruntergelassen werden

Die letzte Runde mit dem Hund sollte gegen Mittag gedreht werden, denn „es gibt sehr viele Leute, die es sich nicht nehmen lassen, vorher zu böllern“, erklärt René Nitsch, Tierpfleger im Tierheim Solingen. Danach solle man die Tiere nicht mehr rauslassen – zu groß sei die Gefahr, dass sie sich in einer Schrecksituation losreißen und weglaufen.

„Der wichtigste Tipp ist Abschottung.“ Fenster sollten geschlossen und Jalousien heruntergelassen werden. Sind keine vorhanden, könne auch etwas vor die Fenster geklebt werden. Wenn es nicht möglich sei, die Tiere ausreichend zu schützen, dann könne man sie auch in Pension geben – zum Beispiel im Tierheim Solingen.

„Entspannungsmusik wirkt Wunder“, berichtet René Nitsch aus eigener Erfahrung. Im Internet gebe es Musik – „Relax My Cat“ und „Relax My Dog“ – zur Beruhigung. „Das würde ich einfach ein bisschen lauter drehen, so dass es eine Atmosphäre schafft.“

Der Deutsche Tierschutzbund weist zudem darauf hin, dass die Tiere gekennzeichnet und registriert sein sollten, um im Fall der Fälle eine schnelle Rückführung zu ermöglichen. Beruhigungsmittel sollten nur in Ausnahmefällen und nach ärztlicher Absprache verabreicht werden.

Vom Haushaltsmittel Eierlikör für den Hund rät Rita von Itter ab, und auch René Nitsch ist skeptisch und findet es „ein wenig obskur“. Auch wenn es für viele Besitzer herzzerreißend ist zu beobachten, wie ihre Lieblinge Angst haben, sollten sie nicht übermäßig bemitleidet werden. „Man soll die Tiere einfach in Ruhe lassen“, stellt von Itter klar. Das betont auch Nitsch. Zu viel trösten sei nicht gut und „verstärkt das Ganze noch“.

Eine Grundregel, wie man sich verhalten solle, gebe es aber nicht. Und auch nicht jedes Mittel helfe immer. „Das kommt auch auf den Charakter des Tieres an“, erklärt Rita von Itter. Diesen Aspekt hebt auch René Nitsch besonders hervor: „Das sind alles kleine Persönlichkeiten – und da hilft es, wenn man sein Tier gut kennt.“

Unerfahrenen oder unsicheren Haustierbesitzern rät sie, sich zu erkundigen und externe Hilfe einzuholen. „Man kann eine Tierschutzorganisation, einen Tierarzt oder ein Tierheim fragen, wie man sich am besten verhält.“

Doch nicht alle Tiere können an Silvester ohne weiteres in die sichere Wohnung gebracht werden. Martin Dahlmann, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Mettmann, kennt die schwierige Situation, in der sich Pferde und andere Weidetiere befinden. „Die haben Angst, die erschrecken sich, die verletzen sich“, fasst er zusammen und berichtet: „Ich weiß von Pferdehaltern, die Silvester im Stall verbringen, um die Tiere zu beruhigen. Ich kann nur appellieren, so wenig wie möglich in der Nähe von Ställen zu böllern.“ Auch Rita von Itter kritisiert das übermäßige Zünden von Feuerwerkskörpern. „Die wenigsten Leute denken daran, was man den Tieren antut.“

Oft haben die Tiere lange mit den Nachwirkungen zu kämpfen. „Es kann Tage dauern, bis die sich wieder beruhigen“, weiß René Nitsch. Übrigens nicht nur die Haustiere, sondern auch Wildtiere, die dem Ganzen noch ungeschützter ausgeliefert sind. Er verstehe zwar, dass das Feuerwerk für viele zum Jahreswechsel dazugehört - auf das Geböllere drumherum könne er aber gut verzichten. „Wenn wir alle nur rausgehen würden um ein paar Raketen zu zünden, wären wir nach ein paar Minuten idealerweise auch alle damit fertig und hätten trotzdem ne gute Zeit gehabt.“

Es werde zwar immer Angstquellen für Tiere geben, wie etwa Staubsaugen. Silvester hebe sich aber insofern ab, als dass da mit einem Mal in allen Richtungen tausend Sachen passieren. Abschottung und gute Miene zum bösen Spiel seien unter den aktuellen Gegebenheiten wohl am ehesten das Mittel der Wahl.

Anmerkung der Redaktion: Die letzten beiden Absätze des Textes wurden verändert, um die Aussage von René Nitsch korrekt einzuordnen.

Weitere Informationen für Halter gibt es unter:
Tierheim, Tel. (02 12) 4 20 66
tierheim-solingen.de

Tiere in Not,
Tel. (02 12) 20 94 52

tiere-in-not-solingen.de

tierschutzbund.de

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