Die Woche von Stefan M. Kob

Signal der Hoffnung ausgerechnet aus früherem Kaufhof

+
stefan.kob@solinger-tageblatt.de

Rein theoretisch könnten in nicht mal zehn Wochen alle 163.000 Solinger durchgeimpft werden.

Merkwürdig, aber viele Solinger können sich noch genau erinnern, was sie als letztes im Kaufhof gekauft haben, bevor das Traditionskaufhaus am 16. März vergangenen Jahres nach fast 90 Jahren für immer seine Tore schloss. Wer hätte damals gedacht, dass ausgerechnet von diesem Ort einmal die Hoffnung ausstrahlen würde, den Kampf gegen die größte Herausforderung seit dem Ende des Weltkriegs aufzunehmen.

Solcherlei nostalgische Erwägungen spielten bei der Entscheidung sicher keine Rolle, auf den leerstehenden Ladenflächen Solingens Corona-Impfzentrum einzurichten. Gründe waren eher schlicht genug Platz, intakte Gebäude-Infrastruktur und gute Erreichbarkeit im Herzen der City, um eine beeindruckende medizinische Logistik innerhalb weniger Tage aufbauen zu können. Rein theoretisch könnten in nicht mal zehn Wochen alle 163 000 Solinger durchgeimpft werden.

Wenn denn alles so funktioniert, wie es sich die Planer das ausgedacht haben! Aber man muss den Verantwortlichen der Stadt erst einmal attestieren, dass sie einen richtig guten Job gemacht haben. Und dass die Stadt entschlossen vorangeht, während sich Länder und Bund noch darüber streiten, wer denn die Impfparty am Ende bezahlen soll. Hoffentlich wird die Vorleistung diesmal vom Land honoriert und die Städte bleiben nicht wieder einmal auf dem Großteil der Kosten sitzen.

Wer sich wundert, dass die chronisch klamme Stadt trotzdem noch mit einem leichten Plus im Haushalt wirtschaften kann, der verkennt die kreative Finanzpolitik der Landesregierung. Während andere Bundesländer der kommunalen Familie mit zusätzlichem Geld unter die Arme greifen, bietet NRW die „Bilanzierungshilfe“ an. Heißt: Die Coronaschulden von bis zu 60 Millionen Euro werden wie bei einer Bad Bank zum großen Teil einfach ausgegliedert und in die weite Zukunft verschoben. Den Berg abbezahlen darf ab 2025 die Stadt selbst – 55 Jahre lang. Von dem zehnmal höheren Altschuldenberg aus Zeiten vor Corona ist schon gar keine Rede mehr.

Doch das Rathaus hat offenbar seine Strategie, wie man mit dem Land verhandelt, überdacht. Statt sich wie Don Quichotte im Alleingang mit den Düsseldorfer Mühlen über den Schulunterricht zu verkämpfen, sucht Solingen nun im Verbund mit fünf anderen Hotspot-Städten das Gespräch mit der Landesregierung. Denn nach dem Bund-Länder-Beschluss letzte Woche Mittwoch soll es an Orten mit Inzidenzwerten über 200 schärfere Corona-Maßnahmen geben. Welche das sind, hält das Land noch geheim – trotz Versprechens eines raschen Erörterungstermins. Zu oft haben die Kommunen darunter gelitten, dass das Land Verordnungen sozusagen am Vorabend ihrer Gültigkeit verkündet hat - mit dem Erfolg, dass die Rathäuser gezwungen waren, in wilder Hast die Weisungen aus Düsseldorf umzusetzen. Mit dem koordinierten Vorgehen steigt die Chance, dass man die schwarz-gelbe Landesregierung für die Probleme sensibilisieren kann– auch wenn die Gemeinschaft der Sechs bis auf Wuppertal nur aus SPD-Oberbürgermeistern besteht.

TOP Gläserne Werkstatt im Appelrath-Cüpper-Haus ein Signal des Aufbruchs für die City.

FLOP Nach Wahldesaster: SPD muss sich neuen Chef suchen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Viele Freizeitanlagen in Solingen bleiben geschlossen
Viele Freizeitanlagen in Solingen bleiben geschlossen
Viele Freizeitanlagen in Solingen bleiben geschlossen
Explosion in Leverkusen: Drei Mitarbeiter werden noch vermisst - Entwarnung für Solingen
Explosion in Leverkusen: Drei Mitarbeiter werden noch vermisst - Entwarnung für Solingen
Explosion in Leverkusen: Drei Mitarbeiter werden noch vermisst - Entwarnung für Solingen
Verordnung: Es gilt für Solingen wieder die Inzidenzstufe 2
Verordnung: Es gilt für Solingen wieder die Inzidenzstufe 2
Verordnung: Es gilt für Solingen wieder die Inzidenzstufe 2
Corona: 7-Tage-Inzidenz sinkt weiter - Zweithöchster Wert im Bund
Corona: 7-Tage-Inzidenz sinkt weiter - Zweithöchster Wert im Bund
Corona: 7-Tage-Inzidenz sinkt weiter - Zweithöchster Wert im Bund

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare