Sie haben im Corona-Jahr den Abschluss gemacht

„Die Bedingungen für uns waren im Vergleich zu früheren Abitur-Jahrgängen nicht gleich“: Abiturient Noé Weindl ist mit seinem Ergebnis trotzdem zufrieden. Foto: Tim Oelbermann
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„Die Bedingungen für uns waren im Vergleich zu früheren Abitur-Jahrgängen nicht gleich“: Abiturient Noé Weindl ist mit seinem Ergebnis trotzdem zufrieden.

Das ST hat vier Abiturienten und Zehner-Absolventen nach ihren Erfahrungen befragt

Von Anja Kriskofski

Sie haben ihren Abschluss unter Corona-Bedingungen gemacht: Die Abiturienten und Absolventen der Klasse 10 haben ihre Prüfungen unter erschwerten Bedingungen abgelegt: nach langen Phasen des Homeschoolings. Wie ist es ihnen ergangen? Und welche Pläne haben sie für die kommenden Monate? Das ST hat mit vier jungen Solingerinnen und Solingern gesprochen.

Noé Weindl hat gerade sein Abitur an der Friedrich-Albert-Lange-Schule abgelegt. „Es ist ganz gut gelaufen.“ Der 18-Jährige hadert nicht mit der besonderen Situation des Corona-Jahrgangs, sagt aber auch: „Die Bedingungen für uns waren im Vergleich zu früheren Jahrgängen nicht gleich.“ Viele Lehrer hätten sich in der Zeit der Schulschließungen zwar viel Mühe gegeben mit Lehrmaterial und Videokonferenzen. „Aber vor dem Computer lernt man nicht ansatzweise soviel wie im Präsenzunterricht. Zudem musste man sich viel selbst erarbeiten. Ich konnte mich schlechter motivieren.“ Dennoch habe er sich vor den Prüfungen keine Sorgen gemacht: „Es sind eben andere Umstände. Ich habe mich so vorbereitet, wie ich wollte.“ Unter anderem die Englisch-Abiturprüfung sei sehr anspruchsvoll gewesen. „Man hat dem nicht Rechnung getragen, dass wir eine schwerere Vorbereitung hatten.“

Noé bedauert, dass wegen Corona viele Fahrten ausfallen mussten und auch kein Abiball stattfindet. Er hofft, dass er bald mit seiner Freundin nach New York fliegen kann. Seine Pläne? Wirtschaft studieren, zum Beispiel Internationales Management.

Auch Celia Matthaei sagt, dass die diesjährigen Abiturienten viel mehr selbst am Ball hätten bleiben müssen. Die 18-Jährige hat ihr Abitur an der August-Dicke-Schule gemacht. Vor allem der Aufruhr davor habe sie nervös gemacht: „Als wir bereits im Lernmodus waren, war plötzlich im Gespräch, die Abiturprüfungen ganz abzusagen.“

Hinzu kam die Anspannung, dass eine Quarantäne dazwischen kommen könnte. Bei den Klausuren sei ihnen nichts geschenkt worden: „Das diesjährige Abi war nicht einfacher. Dabei hatten wir den Nachteil, dass wir nicht die ganze Zeit in Präsenz unterrichtet wurden. Und im Schuljahr davor ist wegen Corona auch einiges verlorengegangen.“ Doch für sie selbst sei das Abitur sehr gut gelaufen: „Ich bin super zufrieden.“

Jetzt freut sie sich riesig, dass kurzfristig doch noch eine Abiparty möglich ist. „Die organisieren wir jetzt.“ Bei ihren Zukunftsplänen muss die junge Solingerin Abstriche machen. „Ich wollte eigentlich einen Freiwilligendienst in Südafrika machen.“ Am geplanten Gap-Year, der Auszeit zwischen Abi und Studium, will sie aber festhalten. Celia plant, Ende des Jahres auf der griechischen Insel Lesbos in der Flüchtlingsarbeit zu helfen. Später will sie dann in Berlin Amerikanistik studieren.

„Uns wurde nichts geschenkt.“

Celia Matthaei Abiturientin

Auch für Lisa Boos (17) und Louisa Schmitz (16) fanden die Prüfungen unter Corona-Bedingungen statt. Sie haben an der Theodor-Heuss-Schule ihren Abschluss nach Klasse 10 abgelegt. „Für die Abschlussklassen im vergangenen Jahr gab es Prüfungen, die die Lehrer gestellt haben“, sagt Louisa. „Für uns nicht. Das fanden wir sehr unfair, denn wir konnten längere Zeit nicht in die Schule gehen.“ Sie habe sich dadurch unter Druck gefühlt, erzählt die 16-Jährige.

Als die Schulen auch für die Abschlussklassen geschlossen waren, habe es in manchen Fächern zwar Videokonferenzen gegeben, in denen sie Fragen stellen konnten, erzählt Lisa. Sonst hätten sie aber vor allem Aufgaben allein bearbeitet. „Die Situation war für alle neu und ich kann verstehen, dass nicht alles glatt lief“, ergänzt Louisa. „Aber viele von uns haben sich verloren gefühlt.“

Die beiden bedauern zudem, dass vieles nicht stattfinden konnte und kann. Zum Glück sei jedoch die Abschlussfahrt nach Weimar im September 2020 möglich gewesen. Eine große Abschlussfeier in einer besonderen Location werde es leider nicht geben. Louisa: „Wir haben eine Zeugnisvergabe nur mit der eigenen Klasse, aber nicht mit den anderen Zehnern.“ Das sei schade, „auch wenn wir die Situation verstehen“. Nach den Sommerferien wechseln Lisa und Louisa an ein Berufskolleg in Wuppertal, um dort das Fachabitur zu machen. „Wir hoffen auf einen guten Neuanfang.“

Zahlen

Nach Angaben der Stadtverwaltung haben rund 700 Schülerinnen und Schüler in diesem Schuljahr ihr Abitur an den Solinger Gymnasien, Gesamtschulen und Berufskollegs gemacht. Rund 670 Schülerinnen und Schüler haben die Zentrale Abschlussprüfung nach Klasse 10 abgelegt.

Lisa Boos (l.) und Louisa Schmitz haben ihren Abschluss nach Klasse 10 gemacht.
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