Irreführende Zahlen

Sicherheit: Polizei bemüht sich um Klärung

Claudia Schepanski, Leiterin der Polizeiinspektion Solingen (hier im Gespräch mit Hans Hillebrand, Leiter des Schwerpunktdienstes), will in der Innenstadt das Sicherheitsgefühl der Bürger durch mehr Polizeipräsenz verbessern. Foto: Christian Beier
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Claudia Schepanski, Leiterin der Polizeiinspektion Solingen (hier im Gespräch mit Hans Hillebrand, Leiter des Schwerpunktdienstes), will in der Innenstadt das Sicherheitsgefühl der Bürger durch mehr Polizeipräsenz verbessern.

Sie stuft frühere Zahlen in Bezug auf die Kriminalität in der Innenstadt als nicht aussagekräftig ein.

Von Kristin Dowe

Die gute Nachricht vorweg: Insgesamt ist die Sicherheitslage in der Klingenstadt stabil. Dies wurde bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) am Montag deutlich. Dennoch hatte es in den sozialen Netzwerken nach der Berichterstattung des Tageblatts viel Kritik zu einem Aspekt gegeben: Denn noch Anfang Februar hatte die Polizei Solingen bei einem Pressegespräch Zahlen veröffentlicht, aus denen hervorging, dass die Kriminalität in der Innenstadt viereinhalb Mal so groß sei wie in den übrigen Stadtteilen und dass die Zahl der Straftaten dort um 20 Prozent gestiegen sei. Von dieser Darstellung hatte sich Polizeipräsident Markus Röhrl ausdrücklich distanziert. Doch wie kam es zu den anfangs veröffentlichten Solinger Zahlen? Alexander Kresta, Sprecher der Polizei Solingen, bemühte sich gestern auf ST-Nachfrage um Klärung.

Hat die Polizei Solingen Anfang Februar in Bezug auf die Situation in der Innenstadt falsche Zahlen veröffentlicht?

Nach Krestas Darstellung sind die vor der PKS veröffentlichten Zahlen zumindest irreführend und nicht repräsentativ für die Situation in der City. „Die verwendeten Daten basierten ausschließlich auf einer Eingangsstatistik, die sich mit Abschluss der jeweiligen Strafverfahren sehr häufig relativieren. Die von der Polizeiinspektion Solingen angelegten Rechercheparameter waren hierfür unzureichend“, räumt der Polizeisprecher ein. „Bei einer Nachbetrachtung im Polizeipräsidium Wuppertal ergab sich ein anderes Bild, das mit der veröffentlichten PKS übereinstimmte.“ Die Zahlen von Februar seien „unterjährig aus den polizeilichen Verarbeitungssystemen generiert worden“.

Wie schätzt die Polizei die Sicherheit in der Innenstadt ein?

Die objektive Sicherheitslage in Solingen sei gemäß der PKS gut und habe sich im Vergleich zum Vorjahr sogar verbessert, betont Kresta in Bezug auf das gesamte Stadtgebiet und ergänzt: „Natürlich werden Straftaten der klassischen Straßenkriminalität im engeren Stadtkern und nicht in den Außenbezirken begangen. Das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung stimmt hier nicht mit der in den letzten Jahren kontinuierlich verbesserten Sicherheitslage überein.“ Letzteres habe für die Polizei einen hohen Stellenwert: „Das Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger ist für uns eine relevante Steuerungsgröße. Um dieses im Innenstadtbereich zu verbessern, ist die sichtbare polizeiliche Präsenz gegenüber der Vergangenheit deutlich erhöht worden“, so Kresta. Deshalb unterstütze Polizeipräsident Markus Röhrl ausdrücklich das Präsenzkonzept der Polizei Solingen. Neben einer intensiveren Bestreifung der City gehört dazu etwa die Mobile Wache – ein mit Polizeibeamten besetzter VW Bus, der sporadisch in Solingen unterwegs ist. Dort können Bürger unter anderem auch Straftaten anzeigen.

Wird es künftig Angaben der Polizei über die Kriminalitätsentwicklung in den einzelnen Stadtteilen geben?

Dies zumindest ließen die im Februar veröffentlichten Daten zunächst hoffen. In Bezug auf die PKS sei dies aber noch Zukunftsmusik, macht Kresta deutlich. Diese Zahlen habe die PKS auch in der Vergangenheit nicht geboten, doch das Landeskriminalamt (LKA) NRW wolle eine solche Auswertung in Zukunft ermöglichen. Bis dahin müsse die interne Kriminalitätsanalyse weiterhin auf der Basis der im System hinterlegten Vorgänge erstellt werden“, erläutert der Polizeisprecher. „Die Abfrageparameter wurden nunmehr vereinheitlicht und der PKS weitgehend angeglichen.“

STRAFTATEN

ZAHL In Solingen wurden im vergangenen Jahr 9935 Straftaten gemeldet. In unserem Artikel von gestern hatten wir im Haupttext irrtümlich eine falsche Zahl veröffentlicht. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Auch interessant: Politik in Solingen streitet über Videoüberwachung

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