Anklage

Sexueller Missbrauch: Gericht verhängt kein Berufsverbot

Ein Mediziner aus Solingen steht ab heute vor dem Wuppertaler Landgericht.
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Ein Mediziner aus Solingen steht ab heute vor dem Wuppertaler Landgericht.

Mediziner muss Patientinnen insgesamt 14.500 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Solingen. In einem Strafprozess um mehrfachen sexuellen Missbrauch von Patientinnen in einer Solinger Arztpraxis zahlt der angeklagte frühere Arzt insgesamt 14.500 Euro Schmerzensgeld an vier Geschädigte. Zahlung und Geständnis gehörten zu einer Absprache mit Staatsanwaltschaft, Opferanwältinnen und dem Landgericht Wuppertal, das ihn am Mittwoch verurteilte. Der Mann erhält eine Bewährungsstrafe und braucht ein Jahr Haft nicht zu verbüßen. Im Gegenzug bleibt den Frauen eine belastende Befragung im Gericht erspart.

Der Vorsitzende Richter stellte klar: „Die hier berücksichtigten Taten lagen sämtlich nach einem Gespräch der Ärztekammer mit dem Angeklagten, mit klaren Vorgaben, wie er sich bei Untersuchungen zum Schutz aller zu verhalten hat. Er hat ernsthafte Warnungen in den Wind geschlagen.“

Die Anklage ging von Übergriffen zwischen 2012 und 2017 aus, in der ehemaligen Hausarztpraxis des Angeklagten. Hintergrund sei jeweils eine Untersuchungssituation gewesen, die er ausgenutzt habe. Er habe sich mit dem Unterkörper bei Patientinnen am Gesäß gerieben und sie an die Brust gefasst. Teilweise soll er die Frauen festgehalten haben.

Das Geschehen machte im Herbst 2017 eine der Geschädigten im Internet öffentlich, Medien griffen ihren Bericht auf. 2018 meldeten sich mehr als 20 weitere Opfer bei der Polizei, die Ähnliches erlitten hatten. Dem Angeklagten wurde vorläufig die Zulassung als Arzt entzogen.

Angeklagter bat die Geschädigten um Entschuldigung

Das Landgericht beschränkte das Verfahren auf die Punkte, bei denen sich Geschädigte durch Anwältinnen vertreten ließen. Die übrigen Vorwürfe würden die Strafe nicht wesentlich erhöhen. Deren Höhe bemisst sich an dem Ausmaß der Übergriffe. Zusätzlich muss der Angeklagte mit dauerhaftem Verlust seiner Zulassung rechnen. Der 55-Jährige machte seine Angaben unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Er befindet sich in Behandlung wegen Depressionen. Die Geschädigten bat er um Entschuldigung.

Nach der Urteilsverkündung äußerten sich die Opferanwältinnen gegenüber unserer Zeitung. Rechtsanwältin Nicole Kovarik erläuterte: „Es ist ungewöhnlich, dass ein finanzieller Täter-Opfer-Ausgleich in dieser Form vor Gericht stattfindet, aber es ist eine Möglichkeit für die Geschädigten, mit der Sache abzuschließen. So kann schnell eine finanzielle Regelung erreicht werden, für die sonst ein Zivilprozess nötig wäre.“

Anwältin Julia Rasemann fügte hinzu: „Für meine Mandantin ist das Wichtigste, mit einem Vorfall abzuschließen, der belastet. Dass man nicht als Lügnerin dargestellt wird, dass sich der Anklagepunkt als wahr erwiesen hat.“ Rechtsanwältin Juliane Hilbricht zog als Fazit: „Für meine Mandantin geht mit dem heutigen Prozess ein siebenjähriges Leiden zu Ende.“

Das Gericht verhängte kein Berufsverbot, wies aber darauf hin, dass der 55-Jährige es sehr schwer haben werde, seine Approbation zurückzubekommen. dilo, dpa

Unser Artikel vom 1. Dezember, 11.30 Uhr

Solingen. Ab heute steht der Mediziner vor dem Wuppertaler Landgericht. Laut Anklage hat der 55-Jährige als Arzt in seiner Praxis das Behandlungsverhältnis ausgenutzt, um sich den Frauen in sexueller Absicht zu nähern.

Die Vorwürfe reichen in die Jahre 2012 bis 2017 zurück. Dann hatte eine Frau Anzeige erstattet und ihre Vorwürfe öffentlich gemacht. Danach meldeten sich weitere Frauen und erstatteten ebenfalls Anzeige. Laut Anklage wurden 21 Frauen Opfer des Arztes, einige von ihnen mehrfach. Die Anklage listet 28 Taten auf. dpa

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