Vorbeugen

Sexuelle Gewalt: Theaterstück klärt Kinder spielerisch auf

Tina (l.) lässt sich von ihrem Schutzengel Teugel den Unterschied zwischen „Petzen“ und Hilfe holen erklären.
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Tina (l.) lässt sich von ihrem Schutzengel Teugel den Unterschied zwischen „Petzen“ und Hilfe holen erklären.

Verein zeigte „Ganz schön blöd!“ in der Cobra.

Von Jonathan Hamm

Solingen. Wer an Aufklärung über sexualisierte Gewalt und Übergriffe denkt, dem kommt vielleicht nicht als erstes ein Theaterstück in den Sinn. Aber mit Kindern über dieses Thema zu reden ist schwierig. Daher hat der Verein Zartbitter das Präventionstheaterstück „Ganz schön blöd!“ entwickelt. Er will auf kindgerechte Art und Weise sexuellen Missbrauch benennen, ohne Angst zu machen. Am Dienstag war der Verein in der Cobra zu Gast.

„Ich bin dein Schutzengel“, erklärt Teugel der überraschten Tine, als er mitten in einem Karton in ihrem Zimmer auftaucht und ihren Umzug stört. Das ist ein wenig geschummelt, denn genau genommen befindet er sich noch in der Ausbildung und ist nur dort, um seine Schutzengel-Prüfung zu absolvieren. Gemeinsam sprechen sie über schwierige Themen.

Tine erzählt, dass sie in ihrer alten Schule immer wieder von anderen Schülern schikaniert worden sei. „Warum hast du es deinen Eltern nicht erzählt?“, fragt Teugel schockiert, als er hört, was Tine widerfahren ist. „Ich bin doch keine Petze“, antwortet sie. Doch wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen „Petzen“ und Hilfe holen? Das Publikum wird in ein kleines Spiel miteinbezogen und soll sich in verschiedene Situationen hineindenken. Ist es „Petzen“ oder Hilfe holen, sich an jemanden zu wenden, wenn man im Schwimmbad angefasst wird?

Es wird aber noch ernster: Der Bruder ihrer besten Freundin hat heimlich Fotos von ihr und Tine im Badezimmer gemacht und will diese an andere weiterschicken. Teugel ruft die Polizei und das Jugendamt an und besteht dadurch nicht nur seine Prüfung, sondern bewies, dass man in solchen Situationen Hilfe holen sollte.

Nach dem Theaterstück legten die beiden Schauspieler ihre Kostüme ab und setzten sich zum Publikum, um mit den Kindern über die Geschichte zu sprechen und Fragen zu beantworten und zeigten: Schutzengel sind Fiktion und verschwinden, nachdem der Vorhang sich geschlossen hat, sexualisierte Gewalt ist leider Realität und bleibt.

Hilfe finden Betroffene und Angehörige: www.hilfe-portal-missbrauch.de

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