Virtuelle Realität

Senioren erleben Konzerte mit der VR-Brille

Im Haus Ahorn im Seniorenzentrum Bethanien probiert Bewohnerin Charlotte Wester die VR-Brille aus.
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Im Haus Ahorn im Seniorenzentrum Bethanien probiert Bewohnerin Charlotte Wester die VR-Brille aus.

Projekt soll Menschen, die nicht mehr mobil sind, Kulturerlebnisse möglich machen.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. Ein bisschen Überwindung kostete es Charlotte Wester durchaus, die VR-Brille aufzusetzen. Aber schnell hatte sich die Heimbewohnerin, sie lebt im Haus Ahorn des Seniorenzentrums Bethanien, in der darin für sie dann sichtbaren 3-D-Welt zurechtgefunden: Vier Bläser der Bergischen Symphoniker hatten sich für die Feuertaufe des 360-Grad-Projekts im Konzertsaal eingefunden, um ihre Musik in Ton und Bild über die VR-Brille abrufbar zu machen. Initiiert worden war das Projekt in Zusammenarbeit des Kulturmanagements mit dem Verein „Lebensherbst.

Passend dazu: Besucher verfolgen auf 360-Grad-Stühlen tänzerisches Können

In Haus Ahorn wird als erster Pflegeeinrichtung in Solingen künftig angeboten, Konzerte der Bergischen Symphoniker auf diese Weise zu verfolgen. „Wir haben uns auf den Weg gemacht, alte und nicht mehr mobile Musikfreunde wieder in den Konzertsaal zurückzuholen und neue Fans zu gewinnen, die über diese Brillen vielleicht Spaß an den Konzerten bekommen“, erläuterte Sonja Baumhauer, Leiterin des Kulturmanagements die Intention dieses umfangreichen Digitalprojekts. Werner Koch und sein Unternehmen Excit 3D sind die Kooperationspartner. Langfristig sei das Ganze auch nicht auf Senioren beschränkt, betont sie. „Auch Kinder und Jugendliche stehen im Fokus unserer Bemühungen, Kultur zu vermitteln. Gut möglich, dass über das technische Interesse und die Faszination der virtuellen Welt ein niedrigschwelliger Zugang klappt.“

Man könnte die Bergischen Symphoniker und später Theaterstücke auf diese Weise einfach in den Schulunterricht holen, ergänzend zu den Schulkonzert-Einladungen ins Theater. Auch andere Kinder- und Jugendeinrichtungen könnten profitieren.

Für Petra Krötzsch, Geschäftsführerin des Vereins Lebensherbst, der Senioren und Seniorinnen im Alter Freude, Geselligkeit und Teilhabe ermöglichen möchte, ist diese Technologie eine „tolle Sache“. Via 360-Grad-Modus mitten im Geschehen sein zu können, sei noch mal eine ganz andere und viel intensivere Art, Kultur zu erleben als der Blick ins Fernsehen, sagte sie. Die VR-Brille vermittele tatsächlich das Gefühl, dabei zu sein, bestätigte Werner Koch. „Drei runde Kameras nehmen Bilder auf, die von Rechnern zusammengefügt werden. Dazu addiert sich der Ton und somit entsteht ein unmittelbares und echtes Erlebnis.

Auch Natalie Schaffert, Leiterin des Seniorenzentrums Bethanien, ist von dem Mehrwert überzeugt, den die Heimbewohner haben werden. „Natürlich muss man erst einmal damit warm werden und das Ganze angeleitet ein paarmal ausprobieren“, sagt sie. „Aber je öfter man das macht. So schneller wird es vertraut“, ist sie sich sicher.“

Charlotte Wester tastete sich derweil langsam an ihre Brille heran. Lernte zum Beispiel, dass Kopfdrehungen andere Perspektiven eröffnet und dass man manchmal den Akteuren richtig nahekommt.

Dass die Technik bei der Feuertaufe am Montag noch ein wenig holperte, war nicht schlimm. „Bis zum Konzert am 20. Dezember läuft alles reibungslos“, versprach Werner Koch, der bereits bei anderen Projekten mit Lebensherbst zusammengearbeitet hat.

Für Sonja Baumhauer ist diese technische Innovation die Zukunft für das Theater- und Konzertleben. „Nicht nur die Chance, neue Zielgruppen und Besucher, die nicht mehr persönlich kommen können, zu erreichen, sondern auch Kombinationen von analogem Theater mit VR-Technik sei denkbar, sagte sie. „Sehr aufwendig auf der Bühne zu bauende Handlungsorte von Inszenierungen könnten zum Beispiel in die virtuelle Welt verlagert werden“, sagte sie.

Das Projekt

Gefördert wird das Projekt in erster Linie über ein Budget des Landschaftsverbands Rheinland. Aber auch die Altenstiftung der Stadt-Sparkasse gibt Geld, ebenso der Freundeskreis der Bergischen Symphoniker. Für 2023 gibt es eine Absichtserklärung des LVR zur Umsetzung.

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