Mein Leben als Papa

Selbstständig? Aber selbstverständlich! Und immer schneller...

Entspannt im Zahnarztstuhl: Das hat Hannes nicht vom Papa. Foto: gf
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Entspannt im Zahnarztstuhl: Das hat Hannes nicht vom Papa.

ST-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (6) und Michel (3).

Kinder haben einen natürlichen Drang, selbstständig zu werden. Wie schnell das geht, überfordert mich bisweilen. „Na, habt ihr mich vermisst?“, fragte ich Hannes und Michel jüngst nach einem Arbeitstag, den ich in der Redaktion und nicht im Homeoffice verbracht hatte. „Nein, Papa“, erwiderte Michel mit freundlichem Ton. „Wir haben dich vergessen.“ War gar nicht böse gemeint und nach einem schönen Nachmittag mit Hannes und dessen bestem Freund Julian auch einfach Michels Wahrheit – schlucken musste ich trotzdem. Eine Woche später stellte ich meinen Jungs dieselbe Frage erneut. Diesmal antwortete Hannes. Diplomatisch, souverän und ein bisschen altklug. „Ach Papa, seinen Vater vergisst man doch nie so ganz.“

Es gibt in meinem Leben als Papa Phasen, da kommt es mir so vor, als könnte ich Hannes und Michel beim Größerwerden zugucken. Und das ist gerade nicht nur wörtlich der Fall. Im Moment nehmen beide mehrere Entwicklungsstufen auf einmal.

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Bei Michel zeigt sich sein Weg in die Selbstständigkeit am deutlichsten im Kindergarten. Unterbrochen von Urlaub und kurzer Krankheitspause brauchte er seine Zeit, um dort anzukommen und zumindest etwas von dem Michel zu zeigen, der in den eigenen vier Wänden zur Höchstform aufläuft. Mittlerweile ist seine Laune morgens nicht mehr schlecht. Auf Mamas oder Papas Arm muss er beim Bringen auch nicht mehr. Er gibt uns noch einen Kuss, dann schmeißt er uns raus und rennt in seine Gruppe. „Voll cool“ war es im Kindergarten, wenn ich ihn jetzt frage. Sein selbst auferlegtes Schweigegelübde und sein Hungerstreik am Mittagstisch gelten im Kindergarten nicht mehr. Er tobt, puzzelt und singt im Stuhlkreis mit. „Ich hab heute mit den Erzieherinnen gesprochen. Ganz laut“, erzählte er mir neulich stolz. Auf die Frage, ob er denn schon Freunde im Kindergarten gefunden habe, schmeißt er jetzt mit vielen Namen um sich. Als seinen besten Freund bezeichnet er allerdings nach wie vor „Hannes“.

Der strebt als Vorschulkind längst nach Höherem. „Ab wann bekomme ich eigentlich Taschengeld?“, trat er mit seinen Eltern eines Abends plötzlich in Verhandlungen. Keine Ahnung, wie er auf das Thema kam. Künftig darf er sich jedenfalls über 1 Euro pro Woche für sein Sparschwein freuen. Und weiß schon, dass es dann vier Wochen dauern wird, bis er sich eine Zeitschrift von Playmobil oder Lego leisten kann. „Wann darf ich denn mal alleine in die Stadt gehen und mir was kaufen?“, fragte er ein paar Tage später. Die Verhandlungen mit uns laufen noch. Macht er weiter so große Sprünge, könnte er die Zeitschrift in vier Wochen vielleicht nicht nur selbst bezahlen, sondern auch selbst besorgen.

Wie selbstständig er schon ist, bewies er uns auch beim Zahnarzt. Ob er sich alleine ins Behandlungszimmer traue, wollten die Zahnarzthelferinnen wissen. Aber sicher doch! Als ich zum Abholen ins Behandlungszimmer trat, saß dort ein völlig entspannter Hannes im Zahnarztstuhl und lächelte mich mit seiner großen Zahnlücke an, als habe er gerade drei Kugeln Eis am Strand verzehrt. Solche Bilder kann ich mir aus meiner Kindheit nicht in Erinnerung rufen. Da sehe ich mich höchstens ängstlich bei der Kieferorthopädin sitzen. Mit 14. Und mit meinem Vater hinter mir.

Ich bin gespannt, wie rasant Hannes’ und Michels Entwicklung in den nächsten Wochen fortschreitet. Ein bisschen langsamer könnte es für meinen Geschmack manchmal schon gehen.

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