Kette der helfenden Hände

Seit zwölf Jahren kann er nicht mehr sprechen

Frank Mertens, der auf den Rollstuhl angewiesen ist, wird jeden Sonntag von seinem Bruder Peter besucht. Foto: Michael Schütz
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Frank Mertens, der auf den Rollstuhl angewiesen ist, wird jeden Sonntag von seinem Bruder Peter besucht.

Kette der helfenden Hände unterstützt Frank Mertens, der im Gerhard-Berting-Haus lebt – heute feiert er seinen 70. Geburtstag.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Heute wird Frank Mertens 70 Jahre alt – herzlichen Glückwunsch! Die Glückwünsche per ST-Artikel werden ihn sicherlich erreichen. Denn das Tageblatt jeden Morgen zu lesen, ist eines der wenigen Dinge, die Frank Mertens noch machen kann. Er ist einer von vielen Fällen, in denen die Kette der helfenden Hände, die Wohltätigkeitsaktion des Solinger Tageblatts, zumindest finanziell etwas helfen kann.

Seit zwölf Jahren ist er an den Rollstuhl gefesselt, seit zwölf Jahren lebt er als Pflegefall im Gerhard-Berting-Haus, und seit zwölf Jahren kann er nicht mehr sprechen. Seit jenem schicksalhaften Tag 2008, als der heute 70-Jährige einen Schlaganfall erlitt.

Seine Geschichte kann Frank Mertens nicht mehr selbst erzählen. Das übernimmt sein Bruder für ihn. Der drei Jahre jüngere Peter Mertens besucht ihn jede Woche. Jeden Sonntagvormittag kommt er aus Langenfeld nach Wald, um seinem älteren Bruder etwas Gesellschaft zu leisten.

„Nicht mehr sprechen zu können, ist sicherlich das schlimmste für ihn“, erzählt Peter Mertens. Denn sein Bruder sei sehr sprachbegabt gewesen, sprach neben Deutsch auch Englisch, Französisch und Italienisch fließend. In einem großen Solinger Traditionsunternehmen war er die rechte Hand des Chefs. Während der Arbeit erlitt der damals 58-jährige Frank Mertens dann vor zwölf Jahren einen schweren Schlaganfall. „Er wurde nicht sofort gefunden, wertvolle Zeit verstrich“, erinnert sich Peter Mertens. Auch in der Stroke Unit der St. Lukas Klinik, wohin er gebracht wurde, und in der anschließenden Reha konnten das Laufen und Sprechen nicht mehr reaktiviert werden. Seitdem ist das Gerhard-Berting-Haus zu seinem neuen Zuhause geworden. Sein Haus musste verkauft werden, auch sein Erspartes ist mittlerweile aufgebraucht.

Im vergangenen Jahr erlitt Frank Mertens erneut einen gesundheitlichen Tiefschlag. „Er musste ins Krankenhaus, nachts erhielt ich dann einen Anruf aus der Klinik, dass er einen Herzinfarkt hatte und ich überlegen sollte, ob die Geräte abgeschaltet werden können“, erinnert sich der Bruder an die schwere Entscheidung. Er entschied sich dagegen, Frank Mertens überlebte, der Herzinfarkt entpuppte sich als schwere Lungenentzündung. „Aber zu alledem infizierte er sich noch mit einem Krankenhauskeim. Weil der hoch ansteckend war, konnte ich meinen Bruder lange nicht besuchen. Da ich selbst herzkrank bin und eine künstliche Herzklappe habe, wäre das zu gefährlich gewesen“, so Peter Mertens.

Dann kam Corona. Über Wochen konnten sich die Brüder im Besucherzimmer des Gerhard-Berting-Hauses nur durch eine Glasscheibe getrennt unterhalten. „Das war sehr schwer für uns beide, zumal die Verständigung über das Babyfone nicht einfach war“, erinnert sich Peter Mertens. Der regelmäßige Kontakt zu seinem Bruder, der sonst keine Angehörigen hat, ist ihm wichtig, „Wenn ich ihm etwas erzähle, kann ich ihn an meinem Leben etwas teilhaben lassen.“ Ansonsten ist die ST-Lektüre Frank Mertens’ einzige Verbindung zur Außenwelt.

Der Fall von Frank Mertens ist stellvertretend für über 800 Schicksale in Solingen, bei denen die Kette dieses Jahr zu Weihnachten zumindest etwas helfen kann.

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