Rat

Sein Wunsch: Ein gutes Ende fürs Klinikum

Dr. Hans-Joachim Müller-Stöver scheidet nach 18 Jahren aus dem Stadtrat aus. Politisch ist der Sozialdemokrat an diversen entscheidenden Stellen seit 1978 aktiv. Foto: Michael Schütz
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Dr. Hans-Joachim Müller-Stöver scheidet nach 18 Jahren aus dem Stadtrat aus. Politisch ist der Sozialdemokrat an diversen entscheidenden Stellen seit 1978 aktiv.

Nach 42 Jahren in verschiedenen Gremien zieht sich Dr. Hans-Joachim Müller-Stöver (SPD) allmählich zurück.

Von Andreas Tews

Solingen. Nach 42 Jahren in der Walder Stadtteil-, in der Schulpolitik und im Aufsichtsrat des Städtischen Klinikums gilt Dr. Hans-Joachim Müller-Stöver als eines der Urgesteine der Solinger SPD. Ende des Monats scheidet der 78-Jährige aus dem Stadtrat aus. Der Politik bleibt er zunächst aber noch erhalten – als Vorsitzender des Walder SPD-Ortsvereins.

Müller-Stöver ist eines von 34 Ratsmitgliedern, die das 52-köpfige Gremium zum Ende der Wahlperiode verlassen. Unter denen, die Anfang des Monats ihre letzte Ratssitzung hatten, sind auch etliche Politiker, die das Geschehen in Solingen über Jahrzehnte mitbestimmt haben.

Müller-Stövers Wort hatte jahrelang in der Solinger SPD ein großes Gewicht. Dabei war er nie ein Mann der großen Töne. „Ich bin kein guter Redner“, gesteht er. „Mein Ding ist es, Leute zu integrieren.“ Die eigentliche Ratsarbeit sieht er nicht im Plenum, sondern in der Fraktion und in Gesprächen mit anderen Parteien, um Mehrheiten zu organisieren.

Dennoch begab sich Müller-Stöver zweimal im Wahlkampf an die Spitze seiner Partei. Doch beide Male – 2004 und 2009 – unterlag er als Oberbürgermeister-Kandidat den CDU-Bewerbern (Franz Haug und Norbert Feith).

Positiver blickt er auf die Zeit als Bezirksvorsteher „seines“ Stadtteils Wald zurück. Als besonderen Höhepunkt sieht er die Sanierung des alten Ortskerns, die Ende der 1990er Jahre auf den Weg gebracht wurde. Dass er dies nicht alleine geschafft hat, ist ihm bewusst. Bei den Entscheidungen habe er sich zum Beispiel auf den – inzwischen verstorbenen – CDU-Mann Hans-Werner Gabriel verlassen können. So seien stabile Mehrheiten zustande gekommen. Wichtig sei es auch gewesen, die Bürgerinitiativen einzubinden – auch, wenn dies nicht immer einfach gewesen sei.

In Bezug auf die Entwicklung des Stadtteils richtet Müller-Stöver – wie bei allen Themen, die ihn bewegen – den Blick nach vorne. Als große Chance begreift er das entstehende Integrierte Stadtteilentwicklungskonzept und die geplante neue Nutzung des Grossmann-Geländes. Das müsse im ersten Anlauf gelingen, eine zweite Chance werde es nicht geben, warnt er und kündigt an, dass er diese Themen weiter verfolgen werde.

Als Ratsmitglied widmete sich Müller-Stöver seit 2002 vor allem der Schul- und der Gesundheitspolitik. Stark gemacht hat er sich seinerzeit für die Einführung der Offenen Ganztags-Grundschulen. Er nimmt für sich in Anspruch, dass er die Kritik daran ernst nahm und nimmt. Ihm ist bewusst: „Eine Weiterentwicklung ist nötig und möglich.“

Als Aufsichtsratsvorsitzender war er besonders intensiv mit den Vorgängen rund um das Städtische Klinikum befasst. Er räumt ein, dass dort in der Vergangenheit auch Fehler gemacht wurden. Lange Zeit habe man zu hohe Ansprüche gehabt und sich darauf verlassen, operative Verluste durch Zinserträge aus den Rücklagen ausgleichen zu können.

„Solingen darf nicht im Pepitaklein kaputtgeredet werden.“
Dr. Hans-Joachim Müller-Stöver

Jetzt blickt er aber zuversichtlich in die Zukunft. Der Sozialdemokrat ist davon überzeugt, dass der neue Kaufmännische Geschäftsführer Dr. Martin Eversmeyer der richtige Mann ist, um das Haus wirtschaftlich wieder in ruhigere Fahrwasser zu führen. Der angekündigte Masterplan soll im November präsentiert werden, wenn der jetzige Aufsichtsrat noch im Amt ist. „Das wäre doch ein schöner Abschluss“, erklärt Müller-Stöver.

Aus dem Rat scheidet er einige Wochen früher aus. Von seinen Nachfolgern wünscht er sich, dass wichtige Entscheidungen auch künftig mit breiter Mehrheit fallen. „Solingen darf nicht im Pepitaklein kaputtgeredet werden“, mahnt er. Im Walder SPD-Ortsverein bestimmt er das Geschehen vorerst noch mit. Er hofft aber, dass sich nächstes Jahr ein Nachfolger findet. Müller-Stöver: „Ich hoffe, dass wir das über die Bühne bekommen.“

Anfänge in Wald

Bezirksvertretung: Dr. Hans-Joachim Müller-Stöver (78) ist seit 42 Jahren an entscheidenden Stellen politisch aktiv. 1978 zog er für die SPD in die damalige Bezirksvertretung Wald/Gräfrath ein. Von 1984 bis 1999 war er Walder Bezirksvorsteher.

Rat: Im Rat der Stadt ist Müller-Stöver seit 2002.

Partei: Jahrelang war er Solinger SPD-Vorsitzender. 2004 und 2009 trat er als Oberbürgermeisterkandidat an – und unterlag jeweils den CDU-Bewerbern Franz Haug und Norbert Feith.

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