ARD-Korrespondent

Sein Tokio ist zehn Quadratmeter groß

Für dieses Foto hat sich Thorsten Iffland zum ersten Mal seit Beginn der Quarantäne wieder Jeans und Hemd angezogen. Foto: Thorsten Iffland
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Für dieses Foto hat sich Thorsten Iffland zum ersten Mal seit Beginn der Quarantäne wieder Jeans und Hemd angezogen.

Der Journalist und ehemalige ST-Praktikant Thorsten Iffland berichtet bald von den Olympischen Spielen.

Von Anna Lauterjung

Es ist nicht viel Platz in dem kleinen Zimmer im staatlichen Quarantäne-Hotel in Tokio. Auf zehn Quadratmeter quetschen sich ein Doppelbett, ein Schreibtisch und ein Kühlschrank. Zur Unterhaltung hängt an der Wand ein Fernseher und neben dem Bett befindet sich ein Fenster, aus dem sich die langsam erwachende Millionenstadt von oben beobachten lässt.

Mittendrin sitzt der Solinger Journalist und ARD-Korrespondent Thorsten Iffland. Seit seiner Einreise vor knapp zwei Wochen verbringt er nun seine Zeit gezwungenermaßen in dem kleinen Zimmer. „Ich würde es als besseres Gefängnis beschreiben“, berichtet Thorsten Iffland im Gespräch über Facetime. Er habe in seiner Karriere als Journalist schon vieles erlebt, doch der Aufenthalt im staatlichen Quarantäne-Hotel ist auch für ihn eine neue Erfahrung.

„Wir dürfen keinen Fuß auf den Flur setzen oder Luft schnappen gehen“, erklärt er. Das Fenster könne man auch nur einen Spalt breit öffnen. Allerdings sei er schon froh, überhaupt ein Fenster und Tageslicht in seinem Zimmer zu haben, denn erst habe er eins ohne Fenster und Tageslicht gehabt. Er wusste sofort, dass er dort die zwei Wochen Quarantäne nicht aushalten würde, und konnte glücklicherweise das Zimmer wechseln.

„Langsam fällt mir die Decke auf den Kopf.“

Thorsten Iffland, Journalist

Thorsten Iffland ist aus beruflichen Gründen nach Japan eingereist. Bei den Olympischen Spielen wird der ehemalige Tageblatt-Praktikant das Team des ARD-Studios in Tokio unterstützen und über das Land, die Kultur und die Menschen berichten.

Eigentlich sei sein Auslandseinsatz bereits für vergangenes Jahr geplant gewesen, doch Japan hatte am Anfang der Corona-Pandemie die Grenzen geschlossen.

Trotz zweimaliger Impfung und eines negativen Tests vor dem Abflug in Deutschland so-wie bei der Ankunft in Japan war es für Thorsten Iffland nicht einfach, einzureisen. Nach einem aufwendigen Akkreditierungsprozess musste er sich in die 14-tägige Quarantäne begeben. „Wir sind vom Flughafen quasi abgeführt worden“, erinnert er sich.

Erst wenn drei Tests am dritten, achten und letzten Tag der Quarantäne negativ sind, darf er diese verlassen. Die Quarantäne zermürbe ihn richtig, berichtet der Journalist. Der Antrieb, zu duschen und sich anständig anzuziehen und zu rasieren, verschwinde mit der Zeit. Morgens schlafe er aus, erzählt Thorsten Iffland. Dann arbeitet er fürs Radio und vertritt die Leiterin des ARD-Studios in Tokio. Ansonsten versucht er, mit Freunden per Video zu chatten, was wegen der Zeitverschiebung nicht so einfach ist. Oder er macht ein bisschen Sport, liest, verfolgt die Fußball-EM mit einem eingeschmuggelten Kölsch in der Hand oder surft auf Instagram oder Facebook.

„Das Highlight meines Tages ist die Essensbestellung“, betont er. Das Quarantäne-Hotel selbst bietet seinen Gästen keine Mahlzeiten an. Über eine App bestellt er sich sein Essen – manchmal gesund, manchmal ungesund. Wenn das Essen da sei, klopfe es an der Tür, beschreibt Thorsten Iffland. Für ein EM-Spiel habe er sich sogar mal eine Pizza gegönnt. Der Journalist freut sich, am morgigen Samstag die Quarantäne verlassen zu dürfen. „Haftentlassung“ nennt es Thorsten Iffland. „Langsam fällt mir die Decke auf den Kopf“, berichtet er.

Nach der Quarantäne hat er ein paar Tage Urlaub, um die Stadt erkunden zu können und in seine Unterkunft für die nächsten Monate umzuziehen. Dann gehe es weiter mit der Berichterstattung zu den Olympischen Spielen und danach wieder zurück nach Deutschland. Dort müsse er nach aktuellem Stand nicht noch einmal in Quarantäne.

Hintergrund

Seit Beginn der Pandemie sind touristische Reisen nach Japan nicht mehr möglich. In Ausnahmefällen kann ein Visum beantragt werden. Nach der Einreise muss eine 14-tägige Quarantäne absolviert werden. Diese kann seit dem 1. Juli auch in einer privaten Unterkunft verbracht werden.

www.auswaertiges-amt.de

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