ST vor Ort - die große Stadtteilserie

Seilbahnbetrieb in Burg ruht bis Ferienende

Stefan Irlenbusch musste die Sommersaison der Seilbahn wegen des Hochwassers überraschend unterbrechen. Foto: Michael Schütz
+
Stefan Irlenbusch musste die Sommersaison der Seilbahn wegen des Hochwassers überraschend unterbrechen.

Hochwasser: Betreiber Stefan Irlenbusch half als Feuerwehrmann erst anderen, dann kümmerte er sich um die Seilbahn bei Schloss Burg. Die Talstation wurde durch das Hochwasser schwer beschädigt. Das ST war zu Besuch vor Ort.

Von Kristin Dowe

Burg. Dieses Erlebnis dürfte vielen Solingern liebevoll vertraut sein: Der Moment, wenn sie an der Talstation der Seilbahn in Unterburg auf den aufgemalten Fußspuren stehen, bis sie auf dem heranfahrenden Sessel Platz nehmen können, der sich sodann in luftige Höhen erhebt.

Oder umgekehrt, wenn es von der Bergstation wieder hinabgeht ins Tal. Seilbahngästen bietet sich dann ein atemberaubender Blick über die Naturkulisse der Bergischen Wälder, wenn die Seilbahn sie im gemächlichen Tempo über die Wupper trägt.

Doch für eine Fahrt müssen sich Ausflügler aktuell noch mindestens bis zum Ende der Sommerferien gedulden – Grund sind die gravierenden Hochwasserschäden an der Talstation, in deren Folge Betreiber Stefan Irlenbusch den Betrieb vorerst einstellen musste.

Hochwasser: Betreiber Stefan Irlenbusch half als Feuerwehrmann erst anderen, dann kümmerte er sich um die Seilbahn

„Ich habe die Wassermassen vom Berg ins Tal laufen sehen. Ein solches Hochwasser hat die Seilbahn in ihrer Geschichte noch nicht erlebt“, erinnert sich Irlenbusch an den schicksalhaften Tag des 14. Juli, als neben vielen anderen Städten in NRW auch Solingen und dort speziell Unterburg von dem Unwetter heimgesucht wurde.

„Eine knapp zwei Meter hohe Bruchsteinmauer am Ufer stand komplett unter Wasser“, schildert der Solinger, der selbst mit der Freiwilligen Feuerwehr im Einsatz war, als das Wasser kam und sich deshalb erst später um die Seilbahn kümmern konnte.

„Der Juli zog noch ganz gut an. Und dann kam das Hochwasser.“

Stefan Irlenbusch, Seilbahn Burg

An den Ufermauern habe es Auswaschungen gegeben, die jetzt instandgesetzt werden müssen. Zudem mussten die Fundamente der Seilbahn von Statikern neu auf ihre Tragfähigkeit hin überprüft werden. Auch der Blitzableiter sei inzwischen kontrolliert worden.

Schutzzaun hat wohl noch Schlimmeres verhindert

Die jährliche TÜV-Prüfung, die eigentlich deutlich später im Jahr anstünde, habe das Team aufgrund der Umstände vorgezogen, obwohl man sich eigentlich mitten in der Saison befinde, berichtet Irlenbusch. Allein die Kosten für einen mehr als 30 Meter langen, ramponierten Zaun, der die Wupperinsel umgab und komplett weggespült wurde, beliefen sich auf bis zu 7000 Euro. „Der Schutzzaun hat seine Funktion zumindest erfüllt. Sonst wären die Schäden wohl noch schlimmer ausgefallen.“

Der herbe Einschnitt in den regulären Sommerbetrieb trifft das Unternehmen dennoch hart, zumal es nach der langen Zeit der Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie gerade erst wieder losgegangen war. „Der Juli zog noch ganz gut an. Und dann kam das Hochwasser“, blickt Irlenbusch zurück.

Hochwasser in Solingen: Die Lage am Donnerstag

Unterburg am Morgen nach der Katastrophe.
Unterburg am Morgen nach der Katastrophe. © Philipp Müller
Unterburg am Morgen nach der Katastrophe.
Unterburg am Morgen nach der Katastrophe. © Michael Schütz
Unterburg am Morgen nach der Katastrophe.
Unterburg am Morgen nach der Katastrophe. © Michael Schütz
Unterburg am Morgen nach der Katastrophe.
Unterburg am Morgen nach der Katastrophe. © Michael Schütz
Unterburg am Morgen nach der Katastrophe.
Unterburg am Morgen nach der Katastrophe. © Michael Schütz
Auch der Obenrüdener Kotten ist überschwemmt worden.
Auch der Obenrüdener Kotten ist überschwemmt worden. © Liane Rapp
Das Café Hubraum in der Kohlfurth steht ebenfalls komplett unter Wasser.
Das Café Hubraum in der Kohlfurth steht ebenfalls komplett unter Wasser. © Manuel Böhnke
Der Balkhauser Kotten steht unter Wasser. So sieht es am Donnerstag gegen 8.30 Uhr dort aus.
Der Balkhauser Kotten steht unter Wasser. So sieht es am Donnerstag gegen 8.30 Uhr dort aus. © Michael Schütz
Der Balkhauser Kotten steht unter Wasser. So sieht es am Donnerstag gegen 8.30 Uhr dort aus.
Der Balkhauser Kotten steht unter Wasser. So sieht es am Donnerstag gegen 8.30 Uhr dort aus. © Michael Schütz
Der Balkhauser Kotten steht unter Wasser. So sieht es am Donnerstag gegen 8.30 Uhr dort aus.
Der Balkhauser Kotten steht unter Wasser. So sieht es am Donnerstag gegen 8.30 Uhr dort aus. © Michael Schütz
Freibad Ittertal: Mit dem Wasser kam der Schlamm.
Freibad Ittertal: Mit dem Wasser kam der Schlamm. © Manuel Böhnke
Freibad Ittertal: Mit dem Wasser kam der Schlamm.
Freibad Ittertal: Mit dem Wasser kam der Schlamm. © Manuel Böhnke

Ein Hindernis sei zuletzt gewesen, dass der Gesetzgeber nicht vorsah, den Seilbahnbetrieb bei einer entsprechend sinkenden Inzidenz auch in einer niedrigeren Inzidenzstufe einzugruppieren und die damit verbundenen Einschränkungen für das Unternehmen aufzuheben. „Wir sind ja so ein Nischenprodukt, das in keine Schublade passt. Formal wurden wir unter Skiliften und Minigolfanlagen eingruppiert, was ja an sich schon ein Witz ist“, erläutert Irlenbusch schmunzelnd.

Gut zwei Wochen habe für die Seilbahn noch die 3-G-Regel (genesen, getestet oder geimpft) bestand, als diese Auflagen bei vielen vergleichbaren Angeboten bereits aufgehoben waren. „Man muss sagen, dass wir da sehr gut mit dem Ordnungsamt zusammengearbeitet haben.“ Hilfreich sei zudem gewesen, dass wochenlang ein Testwagen eines Solinger Unternehmens in der Nähe der Seilbahn vor Ort gewesen sei.

2022 wird die Seilbahn 70 Jahre alt - Feier zum Jubiläum kann hoffentlich stattfinden

Irlenbusch hofft, mit dem Betrieb so bald wie möglich wieder starten zu können. Zumal das kommende Jahr für das Team etwas Besonderes sein wird: „Dann wird die Seilbahn 70 Jahre alt“, verrät der Betreiber. „Und wir können hoffentlich ein bisschen feiern.“

Hintergrund: Die Seilbahn zwischen Unter- und Oberburg

Die Seilbahn zwischen den Ortsteilen Unter- und Oberburg wurde 1951 von der Remscheider Fabrikantenfamilie Backhaus erbaut. Ein Jahr später startete der Betrieb als erste Personenseilbahn in Nordrhein-Westfalen. www.seilbahn-burg.de

Serie ST vor Ort - das sind die nächsten Themen

Diese weiteren Themen beschäftigen uns in der Burg-Woche in unserer Stadtteilserie: Zukunft der Gastronomie in Burg, das Hochwasser und seine Folgen, Verschönerung der Wupperinsel und Stand des landschaftsplanerischen Ideenwettbewerbs, Sanierung von Schloss Burg mit Erneuerung des Museums sowie die Rückkehrbestrebungen des Ortsteils Höhrath nach Wermelskirchen. Alle Folgen unserer großen Stadtteilserie finden Sie hier.

Lesertelefon: Kristin Dowe ist erreichbar

kristin.dowe@solinger-tageblatt.de

Über Anregungen für weitere Burg-Themen freut sich ST-Redakteur Kristin Dowe. Sie ist heute zwischen 15 und 16 Uhr unter Tel. 2 99-1 34 für Sie am Lesertelefon erreichbar. Uhrzeitunabhängig können Sie auch gerne eine E-Mail schreiben: kristin.dowe @solinger-tageblatt.de

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Woolworth öffnet in Ohligs und im Hofgarten
Woolworth öffnet in Ohligs und im Hofgarten
Woolworth öffnet in Ohligs und im Hofgarten
Schule soll in ehemalige Jugendherberge einziehen
Schule soll in ehemalige Jugendherberge einziehen
Schule soll in ehemalige Jugendherberge einziehen
Riskantes Spiel der CDU im Kleingartenstreit
Riskantes Spiel der CDU im Kleingartenstreit
Riskantes Spiel der CDU im Kleingartenstreit
Fünffache Kindstötung in der Hasseldelle: Staatsanwalt hält an Mutter als Täterin fest
Fünffache Kindstötung in der Hasseldelle: Staatsanwalt hält an Mutter als Täterin fest
Fünffache Kindstötung in der Hasseldelle: Staatsanwalt hält an Mutter als Täterin fest

Kommentare