Wirtschaft

Große Solinger Unternehmen bleiben wichtiger Messe in Frankfurt fern

Im Februar 2020 fand die Ambiente zuletzt in gewohnter Form statt – seinerzeit noch mit Zwilling.
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Im Februar 2020 fand die Ambiente zuletzt in gewohnter Form statt – seinerzeit noch mit Zwilling.

Weniger Solinger Unternehmen stellen bei der wichtigen Konsumgütermesse in Frankfurt aus.

Von Manuel Böhnke

Solingen. Am 3. Februar beginnt die Ambiente. Nach zwei Jahren Corona-Pause will die Konsumgütermesse durchstarten. Doch das Interesse der Solinger Schneidwarenhersteller am wichtigen Branchentreffen scheint begrenzt. Waren vor der Pandemie stets rund 30 Unternehmen aus der Klingenstadt am Main vertreten, sind es 2023 keine 20. Schwergewichte wie Zwilling und Wüsthof verzichten auf einen Stand.

Auch Firmen wie WMF, Fissler, Schulte-Ufer und Rösle bleiben der diesjährigen Ambiente in Frankfurt fern. Das möchte Jens-Heinrich Beckmann nicht abschließend bewerten. Eine vollständige Abkehr von der Messe würde der Geschäftsführer des Industrieverbands Schneid- und Haushaltwaren (IVSH) jedoch nicht begrüßen. Seiner Einschätzung nach gibt es mehrere Gründe dafür, dass die Ambiente für einige Hersteller an Attraktivität eingebüßt hat. Während der Corona-Krise konnten viele ihre Umsätze im Internet steigern, vertrieben direkt an die Kunden – ohne zwischengeschaltete Händler.

Gleichzeitig sei die Messe angeschlagen. Sie findet erstmals zeitgleich mit Christmasworld und Creativeworld statt. Wegen des Krieges in der Ukraine und der angespannten Corona-Situation in China befürchtet Beckmann, dass die Zahl ausländischer Besucher zurückgehen könnte. Genau die seien für viele Unternehmen ein Argument gewesen, Geld in Messeauftritte zu investieren.

Industrieverband: Messen seien auch weiterhin wichtig für Unternehmen

Dennoch hätte sich Beckmann gewünscht, dass die großen Aussteller der Ambiente nicht fernbleiben, sondern lediglich ihre Stände reduzieren. Denn: „Die Messe wird auf Dauer gebraucht. Wir sollten den Vorteil, dass sie vor unserer Haustüre stattfindet, nicht aus der Hand geben.“ Das Online-Geschäft werde den Fachhandel nicht obsolet machen. „Unsere Produkte müssen sicht- und fassbar sein.“

Ihn bestärkt, dass kleinere Veranstaltungen wie die Trendset in München und die Cadeaux in Leipzig 2022 erfolgreich waren. Nun ist die Ambiente dran: „Wenn sie nicht ähnlich gut läuft, kommen die Großen nicht wieder und die Kleineren bleiben fern.“ Beckmann mahnt: „Auch große Messen können untergehen.“

Messe in Frankfurt: Deshalb stellen diese Solinger Unternehmen nicht auf der Ambiente aus

Die Hersteller beobachten die Entwicklung genau. „Wir werden als Besucher zur Ambiente reisen und prüfen, ob das Konzept sich weiterentwickelt hat“, erklärt Zwilling. Alternativ setze man auf Kundenevents an eigenen Standorten, etwa in Solingen, Köln und Frankreich. Viel Kommunikation zwischen Herstellern und Händlern habe sich zudem ins Digitale verlagert.

Virtuelle Kanäle nutzt Zwilling ebenfalls bei der Ansprache der Endkunden. Diese Entwicklung erfordere modernisierte Messe-Konzepte. „Wir sind dazu in Gesprächen mit der Messe Frankfurt, denn auf diese Trends sollten auch die Messen reagieren und sich weltweit für das Publikum öffnen“, skizziert Zwilling.

Auch Güde spart sich die 30 000 Euro, die die Präsenz auf der Ambiente kosten würde. Ursprünglich hatte Dr. Karl-Peter Born andere Pläne. Doch seinem Unternehmen wurde ein ungewohnter Platz zugeteilt. Es hätte einen neuen Stand gebraucht, zudem waren ihm die zugeteilten Nachbarn kein Begriff. „Wer soll da hinkommen?“, fragt der Chef der Messer-Manufaktur. „Es sind viele eher unbekannte Hersteller dabei“, bestätigt Jens-Heinrich Beckmann.

Dass er nun nicht als Aussteller den Weg nach Frankfurt antritt, kann Born verschmerzen. Er rechnet mit weniger Besuchern, vor allem aus Osteuropa und Asien. Stattdessen will Güde den Kontakt zu Handelspartnern auf direktem Weg pflegen.

Anders schätzt Stefan Schmitz die Lage ein. „Wir haben 60 Exportländer – da können wir nicht alle Ansprechpartner einzeln besuchen“, sagt der Geschäftsführer der Küchenprofi GmbH. Er habe deshalb nicht gezögert, an der Ambiente teilzunehmen. Mit rund 500 Quadratmetern zählen die Solinger zu den größeren Ausstellern vor Ort. Küchenprofi habe sich in Zusammenarbeit mit dem nationalen und internationalen Handel gut entwickelt. Die Ambiente als Leitmesse sei dabei eine große Hilfe gewesen.

Schmitz geht nicht von weniger Besuchern aus. Seine Kunden hätten sich allesamt angekündigt, der Zuspruch bei kleineren Messen sei zuletzt gut gewesen. „Die Menschen wollen sich wieder persönlich treffen.“ Die Anmeldung bereut er trotz der Absagen anderer Firmen nicht: „Vielleicht profitieren wir davon, gegen den Strom zu schwimmen.“

Karl-Peter Born wäre es am liebsten, wenn ihn seine Handelspartner und Kunden in Solingen besuchen würden. Seine Idee: Die Hersteller in der Klingenstadt schließen sich zusammen, gewähren zeitgleich Einblick in ihre Unternehmen. „Wir haben genug Potenzial hier.“

Aussteller

Trotz der Absagen von Zwilling, Wüsthof und Güde sind 2023 namhafte Solinger Firmen auf der Ambiente vertreten. Dazu zählen neben Küchenprofi unter anderem Felix, Picard & Wielpütz, Gehring, Robert Herder und Dovo. Die Fachmesse findet vom 3. bis zum 7. Februar in Frankfurt statt.

Standpunkt von Manuel Böhnke: Im selben Boot

manuel.boehnke@solinger-tageblatt.de

Das Miteinander der Solinger Schneidwarenfirmen ist nicht immer einfach. Auswärtigen ist etwa kaum zu erklären, wieso es in der Klingenstadt kein großes gemeinsames Geschäft hiesiger Unternehmen gibt. Für Touristen wäre das neben dem Klingenmuseum und der Gesenkschmiede Hendrichs eine gute Möglichkeit, um mit der traditionsreichen Industrie in Berührung zu kommen.

Stattdessen setzen viele Betriebe auf eigene Werksverkäufe. Sei es drum. Nichtsdestotrotz verdient Dr. Karl-Peter Borns Vorstoß Beachtung. Der Güde-Chef bringt die Idee ins Spiel, dass die Solinger Hersteller an einem oder mehreren Tagen zeitgleich ihre Türen öffnen, um Kunden und Händler in die Stadt zu locken. Diese Idee würde das Profil der Klingenstadt schärfen. Den Unternehmen käme das zugute: Vielfach sind sie heute nicht mehr erbitterte Konkurrenten, sondern sitzen im selben Boot, nutzen die gleiche Infrastruktur, kooperieren mit identischen Zulieferern. Damit dieser Unterbau langfristig erhalten bleibt, braucht es einen starken Standort – und kein Kirchturmdenken. 

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