Interview der Woche

Schulrätin: Kinder können Konzentration lernen

Schulrätin Daniela Körber: „ Wir wollen schauen, wie man sowohl die Lehrergesundheit unterstützen als auch die Konzentrationsleistung bei Schülern verbessern kann.“ Foto: Christian Beier
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Schulrätin Daniela Körber: „ Wir wollen schauen, wie man sowohl die Lehrergesundheit unterstützen als auch die Konzentrationsleistung bei Schülern verbessern kann.“

Stadt und Uni Duisburg gehen neue Wege: Daniela Körber über das Projekt an Grundschulen zum Thema Achtsamkeit.

Das Gespräch führte Simone Theyßen-Speich

Die Stadt Solingen ist Vorreiter, wenn es um die Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern und Lehrern an Grundschulen geht. Dafür hat Schulrätin Daniela Körber gemeinsam mit der Uni Duisburg-Essen ein Pilotprojekt auf die Beine gestellt.

Sie haben das Achtsamkeitstraining zur Stressbewältigung als Pilotprojekt nach Solingen geholt. Was hat es damit auf sich?

Daniela Körber: Es geht um das Thema Gesundheit, Integration und Konzentration. Wir wollen schauen, wie man sowohl die Lehrergesundheit unterstützen als auch die Konzentrationsleistung bei Schülern verbessern kann. Dabei geht es auch um Integration und Gesundheit der Schüler. Wir wollen das Potenzial nutzen, damit alle Schüler und Kollegen gesünder und konzentrierter arbeiten können. Das Pilotprojekt ist eine Kooperation mit der Uni Duisburg-Essen. Dort arbeitet Professor Dr. Gustav Dobos an einer Studie, mit der er herausfinden möchte, ob Achtsamkeit und Entspannungsübungen auf das Wohlbefinden Einfluss nehmen können. Mit der Studie soll diese These wissenschaftlich nachgewiesen werden.

Wie viele Solinger Grundschulen nehmen daran teil?

Körber: Alle 21 Grundschulen nehmen teil. Es war freiwillig, aber alle haben sich bereiterklärt, mitzumachen.

Schulleiter und Lehrer haben das Projekt im Herbst bereits kennengelernt. Wie war die erste Reaktion?

Körber: Begonnen haben wir mit einer Schulung im MBSR-Kurs (Mindfulness-Based-Stress-Reduction), also ein wissenschaftlich bestätigter Stress-Reduktions-Kurs. Alle Schulleiter und je ein freiwilliges Lehrer haben den 20-stündigen Kurs durchlaufen, um das Projekt kennenzulernen. Die ersten Reaktionen waren sehr positiv. Jetzt geht das Projekt so weiter, dass pro Schulhalbjahr die anderen Lehrer in zwei Gruppen geschult werden. In einer ersten Pilotgruppe starten fünf Schulen. Diese werden von der Stadt finanziell unterstützt. Die Studie erfasst dann, welchen Effekt die Anwendung des Gelernten bei den Lehrern selbst und auf die Schüler hat. Bei der MBSR geht es um Entspannungstechniken, es gibt aber auch Anteile von Yoga, Tai Chi, Meditation und Fantasiereisen. Faustregel ist, dass Übungen so lange dauern, wie das Kind alt ist, bei Achtjährigen also Blöcke von je acht Minuten.

Wie sehen Eltern das Projekt?

Körber: Die Eltern sind informiert worden. Konkrete Reaktionen gibt es natürlich noch nicht.

Warum brauchen Schüler und Lehrer ein Training zur Stressbewältigung?

Körber: In unserer modernen Gesellschaft hat die Reizüberflutung extrem zugenommen, etwa durch die ständige Präsenz von Smartphones. Davon sind auch Schüler und Lehrer betroffen. Wie kann man damit umgehen? Wie findet man wieder zu sich selbst? Ernährung, Schlaf, Bewegung und Achtsamkeit sind immer die vier Bausteine, die im Bereich Gesundheit wichtig sind. Schüler müssen lernen, mit den wachsenden Anforderungen umzugehen.

Was macht Stress in der Grundschule?

Körber: Da sind die Anforderungen, die die Inklusion mit sich bringt, da sind die Seiteneinsteigerklassen mit zum Teil traumatisieren Flüchtlingskindern. Dazu braucht es andere Kompetenzen, die man früher so nicht gesehen hat. Und für die Schüler wird nicht nur die Schule, sondern das ganze Leben stressiger. Bei so vielen Außenreizen ist es schwer, sich zu konzentrieren. Das müssen Schüler wieder lernen.

Ist geplant, die Studie auch auf weiterführende Schulen auszuweiten?

Körber: Derzeit beschränkt sie sich auf die Grundschulen. Wir wollen sehen, welche Effekte daraus erwachsen.

Warum setzen Sie als Schulaufsicht sich für die Studie ein?

Körber: Die Studie, die gemeinsam von der Uni Duisburg-Essen und der Stadt Solingen auf den Weg gebracht wurde, ist deutschlandweit die erste dieser Art. Ich sehe es durchaus als Aufgabe der Schulaufsicht, dieses Thema als Teil der Schulentwicklung voranzutreiben.

Wie lange läuft die Studie?

Körber: Das Projekt hat im Januar 2016 begonnen und ist für drei Jahre angesetzt. Am Ende steht natürlich die Datenauswertung an der Uni.

Was geschieht mit den Ergebnissen?

Körber: Die Studie wird vom Gesundheits- und Schulministerium unterstützt. Die Ergebnisse werden da präsentiert. Auf Schulamtsebene ist eine Fachgruppe gegründet, die dann schaut, wie sich die Ergebnisse auf die Schulprogramme auswirken.

PERSÖNLICH

PRIVAT Daniela Körber (49) ist verheiratet und hat als Patchwork-Familie zwei Kinder. BERUFLICH Seit 2013 ist sie Schulrätin in Solingen, zuvor hatte sie diese Aufgabe in Mettmann und arbeitete davor als Schulleiterin in Düsseldorf. HOBBY: In ihrer Freizeit betreibt sie Sport, gerne Mountainbiking, Touren, Fitness und Meditation.

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