Montagsinterview

Schuljahr 2022/23: Planung mit vielen Unbekannten

Oliver Vogt ist seit knapp zwei Jahren Leiter des Stadtdienstes Schule.
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Oliver Vogt ist seit knapp zwei Jahren Leiter des Stadtdienstes Schule.

Alle i-Dötzchen sind für den Schulstart in drei Wochen in den Grundschulen untergebracht. Oliver Vogt, Leiter des Stadtdienstes Schule spricht im Interview über die Auswirkungen von Corona, dem Ukraine-Krieg und die hohe Schülerzahl.

Das Gespräch führte Simone Theyßen-Speich

1767 i-Dötzchen kommen in drei Wochen in die ersten Klassen, so viele wie nie zuvor. Konnte die Schulverwaltung alle Kinder unterbringen?
Oliver Vogt: Wir haben alle Kinder an den Grundschulen untergebracht. Dazu haben wir die Grundschule Klauberg einmalig von fünf auf sechs Züge erweitert. Wie angekündigt haben wir die Klassenfrequenz in einigen Klassen auf 29 oder 30 Kinder erhöht. Zum Glück mussten wir aber keine Klassen mit 31 oder mehr Kindern bilden.
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In wie vielen Schulen ist eine Erweiterung von 25 auf 29 oder 30 Kinder als Klassenobergrenze nötig?
Vogt: Die Klassenfrequenz haben wir in sieben Grundschulen erweitert, in den Schulen Am Rosenkamp, Gerberstraße, Aufderhöhe, Bünkenberg-Widdert, Kreuzweg, Erholungstraße und Stübchen. Ob das dort tatsächlich in allen Klassen genutzt werden muss, wird sich jetzt herausstellen, wenn beispielsweise die letzten Förderschul-Verfahren für einzelne Kinder abgeschlossen sind.
Wie groß ist die Zahl der Kinder, die die Schuleingangsphase von drei Jahren ausnutzen und nochmals das erste Schuljahr absolvieren werden?
Vogt: Das werden im kommenden Schuljahr leider etwa 130 Kinder sein. Diese Zahl ist aber jetzt schon in den Anmeldungen eingepflegt, auch diese Kinder sind untergebracht. Aber es ist tatsächlich in diesem Jahr eine nicht unerhebliche Zahl.
Ist hier Corona der einzige Grund oder spielen sprachliche Defizite eine große Rolle?
Vogt: Wir sind dabei, die Gründe zu eruieren. Mir ist es zu einfach, alles auf Corona zu schieben. Natürlich gibt es viele Rückmeldungen aus den Schulen, dass die Pandemie für Defizite bei den Kindern gesorgt hat. Wir haben es aber auch vielfach mit Kindern zu tun, die andere sprachliche Defizite haben und deshalb intensiv gefördert werden müssen. Wir haben in diesem Jahr erstmals begonnen, diese Rückstellungen systematisch zu erheben, von der Gesamtzahl bis zu den Ursachen. Falls die hohe Zahl kein einmaliger Ausreißer ist, sondern andere Gründe hat, muss man gemeinsame Anstrengungen mit den Schulen und allen städtischen Diensten treffen und gegensteuern. Vor pandemiebedingten Schließungen in den Kitas, wie sie die i-Dötzchen erlebt haben, sind wir auch zukünftig nicht sicher.

Mit Blick auf Corona brauchen wir in den Schulen mehr Flexibilität.

Oliver Vogt
Gibt es Zahlen, wie viele Kinder aus der Ukraine eingeschult werden?
Vogt: Der Zuzug aus der Ukraine ist etwas reduziert und stabilisiert sich. Derzeit haben wir 400 Kinder in Regelklassen oder Willkommensklassen integriert. Es wurden an 16 Schulen Willkommensklassen eingerichtet – von der Grundschule bis zu den Berufskollegs. Diese Willkommensklassen kann man allerdings nicht unendlich lange fahren, sie sind auf zwei Jahre befristet. Wenn die Kinder dann noch hier bleiben, müssen wir schauen, wie diese 400 Kinder auch in das Regelschulsystem integriert werden. Bei weiter volllaufenden Klassen wird das eine große Herausforderung. In den ersten Klassen haben wir jetzt versucht, so viele Kinder wie möglich in den Regelklassen zu integrieren, je nach Sprachkenntnissen aber auch in Willkommensklassen.
Die Stadt wollte prüfen, zusätzliche Helfer oder Bufdis in den ersten Klassen einzusetzen. Ist das möglich?
Vogt: Zusätzliche Helfer sind notwendig und wir sind momentan in den Klärungen mit den Schulen. Es gibt noch keine endgültigen Umfänge. Die Schulen signalisieren aber, dass sie Unterstützung brauchen, und die werden wir auch leisten, beispielsweise durch Aufstockungen in den Schulsekretariaten. Es gibt auch schon erste Ergebnisse, um einige Schulen räumlich zu entlasten, so konnten wir beispielsweise der Grundschule Gerberstraße Ausweichräume für den Offenen Ganztag an der Schulstraße anbieten.
Auch bei den Plätzen im Offenen Ganztag ist es eng. Gibt es noch Chancen für Eltern, die noch keinen Platz gefunden haben?
Vogt: Wir haben für das kommende Schuljahr drei OGS-Gruppen zusätzlich eingerichtet. Derzeit wird bei der Stadt gesichtet, welche Eltern ihre Verträge zurückgeschickt haben. Das Verfahren läuft noch und es ist klar, dass es eine Warteliste geben wird. Aber die Situation ist nicht so dramatisch, wie im Frühjahr zu befürchten war. Die genauen Zahlen gibt es aber noch nicht.
Es gibt Anfragen von Eltern, die jetzt mit ihrem Kind die Schule gewechselt haben, um einen Betreuungsplatz zu bekommen, weil es für die Zweitklässlerin keinen Platz gab, Viertklässler hingegen genommen wurden. Entscheidet die Schule über die OGS-Plätze alleine?
Vogt: Die Aufnahme im Offenen Ganztag ist Schulsache, sie orientiert sich aber an Kriterien wie Berufstätigkeit der Eltern oder Geschwisterkinder. Die Entscheidung liegt dann in der Verantwortung der Schulen, wir als Stadt machen aber dann die Verträge mit den Eltern.
Die neue NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) hat das Thema Corona oben auf ihre Agenda gesetzt. Wie sind Solinger Schulen auf den kommenden Herbst und Winter vorbereitet?
Vogt: Zu ahnen, wie die Corona-Situation im Herbst sein wird, ist Lesen in der Glaskugel. Man wird auch dann wieder situationsbedingt entscheiden müssen. Wir haben im vergangenen Winter das getan, was notwendig war. Wir haben jetzt allerdings dem Städtetag und dem Schulministerium zurückgemeldet, dass wir mehr Flexibilität brauchen. Wir müssen, wenn beispielsweise an einer Schule ein größerer Ausbruch ist, flexibel reagieren können. Ich würde mir wünschen, dass wir für einzelne Klassen oder Schulen spontane Entscheidungen treffen können, etwa mit Blick auf Wechsel- oder Distanzunterricht. Das könnte das Ministerium leicht herstellen, bisher war das aber nicht gewollt. Diese Eigenverantwortung der Städte bräuchten wir aber als Vorbereitung auf das, was möglicherweise passieren kann.
Gibt es auch noch Kapazitäten, um die Schulentwicklungsplanung mittelfristig zu planen?
Vogt: 2026 kommen die i-Dötzchen, die jetzt eingeschult werden, in die weiterführenden Schulen. Da laufen natürlich jetzt schon Arbeitsgruppen, um zu klären, wie die hohen Schülerzahlen dann in der Sekundarstufe I untergebracht werden können

Persönlich

Oliver Vogt (52) ist seit Oktober 2020 Leiter des Stadtdienstes Schule. Der studierte Sozialarbeiter und Betriebswirt hat seine ersten beruflichen Schritte als Leiter des katholischen Jugendamtes in Solingen gemacht. Danach war er in verschiedenen Aufgaben im Erzbistums Köln tätig.

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