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Schulmobbing: Lehrer sind wichtigste Konfliktlöser

Mobbing, egal ob in der Schule oder anderswo, ist für Außenstehende nur selten leicht erkennbar. Archivfoto: up
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Mobbing, egal ob in der Schule oder anderswo, ist für Außenstehende nur selten leicht erkennbar. Archivfoto: up

Fachleute und Elternnetzwerke informieren über Ansprechpartner und Anlaufstellen

Von Julia Wodara

Solingen. Mobbing ist ein Systemkonflikt: Jeder kann Opfer werden – und alle anderen tragen zu Erhalt oder Zerfall bei; ob als aktive Täter oder als passive Beobachter. Das betont Anja Bischof, Psychologin des Coppelstifts. Sie ist eine von drei Fachleuten, die dem Problem bei der Veranstaltung „Mobbing – analog und digital“ des Elternnetzwerkes entgegenwirken wollte.

Darin ging es speziell um Mobbing in der Schule, und dabei lautet das klare Statement: „Mobbing als schulisches Phänomen muss auch in der Schule gelöst werden.“ Dennoch klärten Bischof, die Sozialarbeiterin der Beratungseinrichtung „Clearingstelle“ Christina Prosch und Ralf Weidner, Hauptkommissar der Wuppertaler Dienststelle zu Kriminalprävention und Opferschutz, die rund 150 Teilnehmer darüber auf, wie sie als Erziehungsberechtigte dennoch eine positive Veränderung schaffen können – und wie nicht.

Ein gewisses Konfliktpotenzial sei gerade nach den Schulschließungen ein Teil der Wiedereingewöhnung: „Da kann das schon mal sechs Wochen dauern, bis eine Klasse sich wieder in ihr Gleichgewicht gebracht hat“, sagt die Psychologin. Von Mobbing wird erst gesprochen, wenn sich ein schädigendes Verhalten über längere Zeit gegen eine einzelne Person richtet, die ihren Mobbern zudem irgendwie unterlegen ist.

„Direktes Mobbing ist häufiger in den unteren Stufen, indirektes Mobbing in höheren.“

Anja Bischof, Psychologin des Coppelstifts Solingen

„Der Unterschied von der Grundschule zur weiterführenden Schule ist, dass der Mobber in der weiterführenden Schule härter wird“, führt Weidner aus. Während er damit zwar vor allem die Intensität der körperlichen Gewalt anspricht, ergänzt Bischof: „Direktes Mobbing ist häufiger in den unteren Klassenstufen, indirektes Mobbing in höheren“; von verbreiteten Gerüchten bis hin zur Ausschließung aus sozialen Gruppen.

Und im Subtilen liegt oft eine besondere Gefahr. Denn was von außen schwer zu erkennen ist, ist für die Betroffenen meist auch schwer mitzuteilen, erklärt Bischof. „Dadurch entsteht ein langer Leidensdruck, der eben auch schwer zu benennen ist.“

Das erschwert ebenso die ohnehin schon schwierige Kommunikation zwischen Lehrern und ihren Schülern: Obwohl es die zentrale Rolle in der Lösung von Schulmobbing spielt, ist das Lehrpersonal nach dem Freundeskreis und den Eltern die letzte Instanz, der die Opfer sich anvertrauen; und während sich zwar rund 80 Prozent aller Mobbingfälle auf dem Schulgelände zutragen, geschieht das meiste nicht vor den Augen der Lehrer.

Für die Schulen bedeutet das an erster Stelle: „Wichtig wäre, dass Themen wie Mobbing öfter im Schulalltag Raum finden“, meint Prosch. Die Dienste der Clearingstelle und des Coppelstifts stehen als Hilfestellung zur Verfügung. „Es müsste eigentlich im Lehrplan sein“, führt die Sozialarbeiterin aus. „Es ist wichtig, dass ein gutes soziales Miteinander wachsen kann. Das ist auch die beste Vorbeugung für schwierige Konflikte.“

An dieser Stelle sind jedoch auch die Eltern nicht hilflos: Auf Druck und Beschämung verzichten, stattdessen uneingeschränkte Anerkennung praktizieren. „Der Mobber macht das, weil er nach Anerkennung sucht“, erklärt Bischof. „Wenn er die Anerkennung schon vorher bekommt, nimmt die Wahrscheinlichkeit vom Mobbing direkt ab.“

Worauf Erziehungsberechtigte hingegen verzichten sollten, ist Selbstjustiz – und dazu gehört bereits ein gut gemeintes Gespräch unter Eltern, das die Probleme ihrer betroffenen Kinder zu lösen versucht.

Hier gibt es Hilfe bei Mobbing

Clearingstelle:

Tel. (02 12) 3 83 47 24

clearingstelle@ kja-wuppertal.de

kja-wuppertal.de

clearingstelle-solingen.de

Psychologische Dienste des Coppelstifts:

Tel. (02 12) 23 13 48-11

coppelstift@solingen.de

Infos zu Mobbing im Internet:

klicksafe.de

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