Albert-Schweitzer-Schule

Brave Schulhunde sorgen für Ruhe und Konzentration im Klassenzimmer

Die Albert-Schweitzer-Schule hat zwei „Hundeklassen“. Lehrer Nicklas Leu (v.l.), Lennox und seine Mitschüler aus der 5d, Lehrerin Vanessa Deselaers und Hundetrainerin Carina Pawlak haben dabei mit den Hunden Leo (links) und Susi gearbeitet.
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Die Albert-Schweitzer-Schule hat zwei „Hundeklassen“. Lehrer Nicklas Leu (v.l.), Lennox und seine Mitschüler aus der 5d, Lehrerin Vanessa Deselaers und Hundetrainerin Carina Pawlak haben dabei mit den Hunden Leo (links) und Susi gearbeitet.

Susi und Leo unterstützten den Lernalltag in der Albert-Schweitzer-Schule. Leistungen der Kinder sind gestiegen.

Von Simone Theyßen-Speich und Jutta Schreiber-Lenz

Freundlich schwanzwedelnd kommt „Leo“ den Gästen in der Klasse 5d der Albert-Schweitzer-Realschule entgegen. Aus seinen großen braunen Augen blickt der Bordercolli-Mischling die Besucher interessiert an. Leo ist einer von zwei Schulhunden an der Walder Realschule. So wie der dreijährige Leo gehört auch die knapp dreijährige Susi, ein Labrador-Schäferhund-Mischling, seit einem halben Jahr zum festen Stamm der Schule.

„Die beiden Lehrer, die die Hunde aus einem Tierschutzprogramm zu sich genommen haben, sind mit der Idee zu mir gekommen, sie zu Schul-Begleithunden ausbilden zu lassen“, erzählt Schulleiter Hans-Martin Rahe. Jetzt gehört Leo bei seinem Herrchen Nicklas Leu und Susi bei Vanessa Deselaers zum festen Klassen-Team.

In der Albert-Schweitzer-Schule haben die Lehrer feste Lehrer-Klassenräume. „Wir haben die beiden Hundeklassen im Erdgeschoss untergebracht, weil die Hunde ja nicht so viele Treppen laufen sollen“, erklärt Hans-Martin Rahe. In ihren Räumen haben die Tiere mit zwei Hundeboxen feste Rückzugsmöglichkeiten. „Vor der Box ist eine rote Linie, die dürfen wir nicht übertreten“, beschreibt Alessia aus der 5d die Schutzzone von Leo.

„Wenn wir mal nervös sind, dürfen wir den Hund streicheln“, erzählt sie weiter. „Wir sind in der Klasse aber auch sehr leise, damit der Hund nicht gestört wird“, skizziert Schülerin Cosma einen positiven Effekt der Schulhunde. „Zudem sollen wir nicht im Raum essen oder pfeifen und die Hunde auch nicht locken“, kennt Lennox weitere Regeln für das Miteinander von Tier und Mensch.

Schüler kamen freiwillig samstags zum Hundetraining

Carina Pawlak von der Hundeschule „Solinger Jagdnasen“ hat die beiden Hunde ein Jahr lang ausgebildet. „Sie mussten stressresistent werden, bei Lärm oder Menschengewühl ruhig bleiben und auch als Impulskontrolle Schreien oder runtergefallenes Essen ignorieren lernen“, so Pawlak. Für das Hundetraining samstagsvormittags seien viele Schüler sogar freiwillig in die Schule gekommen, erinnert sich der Schulleiter.

„An ein bis zwei Tagen pro Woche haben die Hunde auch Pause. Sollte es Kurse geben, in denen Kinder mit einer Tierhaarallergie sind, legen wir diese auf die Pausentage der Hunde“, erklärt Vanessa Deselaers. Das Arbeitsklima in den Klassen habe sich deutlich gebessert. „Auch die Leistungen der Kinder in den Hundeklassen haben sich gesteigert, alleine schon, weil meist ruhiger und damit konzentrierter gearbeitet wird“, so Hans-Martin Rahe.

Im vergangenen Frühjahr beschloss auch die Schulkonferenz der Sekundarschule das Konzept eines Schulhundes – und das zeigt Erfolge. Freundlich empfängt „Schnuppe“ den Besucher im Büro der Schulleiterin, freut sich über die Antwort in Form von Kraul-Einheiten – und legt sich dann gemütlich wieder auf seine Decke. Die zweieinhalbjährige Mischlingshündin mit Genen von Golden Retriever und Rhodesian Richback gehört seit einem guten halben Jahr zum Team der Sekundarschule.

Ihr Herrchen, Mathe-, Chemie- und Sportlehrer Ralf Thoms, hat sie als zehnwöchigen Welpen bekommen und mit seiner Familie aufgezogen. Dann erfolgte die Ausbildung zum schultauglichen Begleithund. In der Hundeschule hat Schnuppe zu Beispiel gelernt, sich durch Geschrei und Getobe nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Nicht ängstlich zuzuschnappen, wenn ihn plötzlich jemand von hinten anfasst.

„Der Beschluss der Schulkonferenz, uns mit einem Schulhund konzeptionell zu erweitern, war eindeutig“, erzählt Schulleiterin Alexandra Ohlsen. Die Idee dahinter war, die Schüler quer durch alle Jahrgangsstufen „en Passant“ zu sensibilisieren: Dafür, sich selbst zurückzunehmen, nicht rumzuschreien, wenn zum Beispiel der Hund schläft. Oder unbewusst zu spüren, wie wichtig Regeln in einem Miteinander sind. Der Hund befolge Anweisungen gleich beim ersten Mal, das habe durchaus Vorbild-Charakter.

Ralf Thoms nimmt Schnuppe mit in alle Klassen, in denen er unterrichtet. Außerdem laufe gerade in allen fünften Klassen das Thema „Haustier“. „Da sind Besuche von Schnuppe natürlich besonders klasse.“ Damit sie sich zwischen den Einsätzen im Unterricht nicht langweilt, darf sich der junge Hund in der Hundetagesstätte von Stefan Denig in Schulnähe austoben.

VBE UNTERSTÜTZT SCHULHUNDE-PROJEKTE

VBE Der Verband Bildung und Erziehung hat aktuell auch das Thema Schulhunde auf der Agenda. „Nach dem erfolgreichen Auftakt stehen jetzt zwei Workshop-Tage in Solingen an“, erklärt Jens Merten, Vorsitzender des Solinger VBE. Zum Thema „Der Schulhund im Klassenzimmer“ gibt es praxisorientierte und motivierende Übungen mit den Hunden, es werden bei den Workshops Erfahrungen ausgetauscht und Netzwerke rund um das Thema geknüpft.

TERMINE 4. März und 25. März, jeweils 15 bis 18 Uhr in der Grundschule Böckerhof, Bismarckstraße 131, mit Isis Mengel, Lehrerin, Coach und Autorin von „Ideenkiste Schulhund“. VBE-Mitglieder zahlen 50 Euro, Nicht-Mitglieder 80 Euro. „Die Workshops haben noch Nachrückerplätze. Da der Bedarf riesig ist, werden wir sicherlich ein weiteres Angebot machen“, so Jens Merten. Interessierte können sich beim VBE auf die Liste setzen lassen.

j.merten@vbe-solingen.de

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