Weitere Jahrgänge folgen

An den Schulen wird es bald eng

Andrea Schaumlöffel, Leiterin des Gymnasiums Vogelsang, zeigt einen der Gänge der Schule, der nun mit Richtungspfeilen versehen ist. Foto: Christian Beier

Weitere Schüler sollen ab 4. Mai in den Unterricht zurückkehren.

  • Weitere Jahrgänge kehren in die Schulen zurück.
  • Viertklässler sollen in der kommenden Woche wieder zur Grundschule gehen.
  • Schulen bieten Unterricht per Videostream an.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Die ersten Schüler sind in der vergangenen Woche an die Schulen zurückgekehrt. Für Zehntklässler vor dem Abschluss ist der Unterricht verpflichtend, für Abiturienten freiwillig. Ab 4. Mai sollen weitere Jahrgänge folgen. Die Kultusminister der Länder haben sich gestern darauf geeinigt, dass vor den Sommerferien alle Schüler zumindest tageweise die Schule besuchen sollen. Der Zeitplan für NRW fehlt aber noch. Eines ist jedoch klar: Die weitere Öffnung stellt die Schulen vor Probleme.

An der Alexander-Coppel-Gesamtschule werden derzeit rund 300 von 1350 Schülern im Schichtsystem auf ihre Prüfungen vorbereitet. Dabei müssen Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden. „Bei zwei Jahrgängen bekommen wir das gerade hin“, sagt Schulleiter Andreas Tempel. Mehr Jahrgänge zu beschulen, werde schwierig.

Weil Lehrer aus Risikogruppen und solche über 60 Jahren nicht unterrichten dürfen beziehungsweise müssen, könnten in der Schule derzeit nur 65 von 120 Kollegen eingesetzt werden, schildert Tempel. Deshalb habe er selbst am Donnerstag drei Deutschstunden gegeben. „Das ist eng auf Kante genäht.“ Neben dem Unterricht binde auch die Aufsicht viele Kapazitäten. „Wir sorgen dafür, dass die Schüler keine Minute ohne Aufsicht sind, damit die Abstandsregeln auch eingehalten werden“, berichtet Tempel. Die Schüler benähmen sich gut. „Aber je mehr Jüngere kommen, desto schwieriger wird es.“

„In Schichten können wir zwei Jahrgänge unterrichten.“

Andrea Schaumlöffel, Schulleiterin

Die Friedrich-Albert-Lange-Schule unterrichtet Zehntklässler und Abiturienten derzeit in zwei getrennten Gebäuden, damit sich diese nicht begegnen. „Wenn weitere Klassen dazukommen, funktioniert das so nicht mehr“, sagt Schulleiter Peter Wirtz. „Dann können wir nur im Wochen- oder Tageswechsel unterrichten.“ Der kritische Bereich seien die Flure, wo sich im normalen Betrieb viele Schüler begegnen.

Das Gymnasium Vogelsang rechnet bereits seit Tagen verschiedene Szenarien zur weiteren Öffnung durch, berichtet Schulleiterin Andrea Schaumlöffel. „Um die Abstände zu sichern, können wir mit maximal rund 100 Schülern im Gebäude sein“, erklärt sie. Das sei nicht einmal ein Achtel der Schülerschaft. „Im Schichtbetrieb können wir zwei Jahrgänge an einem Tag unterrichten.“ Denn man müsse auch noch die Notbetreuung von Schülern weiter sichern. Zudem muss sich Schaumlöffel auch mit der Realschule Vogelsang eng abstimmen, die sich im gleichen Gebäude befindet.

Ulrich Nachtkamp, Leiter des Gymnasiums Schwertstraße, hält eine Art „Hybridunterricht“ für möglich. Eine Gruppe Schüler werde in der Schule unterrichtet, für den Rest der Klasse werde die Stunde per Videostream nach Hause übertragen. „Aber wir müssen prüfen, was realisierbar ist.“

An den Grundschulen in NRW sollen in der kommenden Woche zunächst die vierten Klassen zurückkehren. So lautet bislang die Ansage aus Düsseldorf. Gleichzeitig müsse aber die Notbetreuung weiter gesichert werden, die an Grundschulen viel stärker genutzt werde als an weiterführenden Schulen, erklärt Sabine Riffi, Rektorin der Grundschule Uhlandstraße. „Allein dafür brauchen wir schon fünf Räume, und die Zahl der betreuten Kinder steigt.“ Wenn die Schüler an die Schule zurückkehren, werde es erst einmal um eines gehen: „Wir wollen die Kinder auffangen. Wir werden viel darüber sprechen, wie es ihnen in den vergangenen Wochen ergangen ist.“ 

LERNEN AUF DISTANZ

Auch wenn Schüler stundenweise wieder Unterricht in der Schule haben: Die meiste Zeit müssen Schüler weiterhin zu Hause lernen. Viele Schulen probieren Videokonferenzen für einzelne Stunden aus, sogar an der Grundschule, wie Rektorin Sabine Riffi berichtet. Unterricht über Videokonferenz könne es nur geben, wenn alle Schüler daran teilnehmen können, sagt Peter Wirtz, Leiter der Friedrich-Albert-Lange-Schule. Sonst werden Aufgaben über Lernplattformen oder per E-Mail bereit gestellt. Das sorge in manchen Familien jedoch auch für Probleme, berichtet Riffi: „Nicht alle haben einen Drucker zu Hause.“ Deshalb würden Päckchen gepackt, die Familien in der Schule abholen können. Das wird auch an den weiterführenden Schulen praktiziert.

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In unserem Live-Blog finden Sie aktuelle Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Solingen.

Standpunkt: Sorgfalt vor Tempo

Von Anja Kriskofski

anja.kriskofski@solinger-tageblatt.de

Vor mehr als sechs Wochen ist mancher Schüler mit Elan ins „Homeschooling“, das Lernen zu Hause, gestartet. Doch inzwischen macht sich selbst bei den Motivierten Ermüdung breit. Es ist anstrengend, allein zu Hause ausgedruckte Arbeitsblätter zu bearbeiten, sich Lernvideos anzuschauen und Texte zu analysieren. Das belastet auch die Familien. Eltern fühlen sich als Hilfslehrer, viele scheitern an der Aufgabe, ihren Kindern zu helfen. Dass jeder Schüler vor den Sommerferien nun zumindest stundenweise in der Schule unterrichtet werden soll, ist deshalb ein Lichtblick. Die Schulleitungen brauchen jedoch Zeit, um das vorzubereiten. 

Nach derzeitigem Stand sollen am 4. Mai die vierten Klassen in die Grundschulen zurückkehren. Doch noch haben weder Schulen noch Schulträger genaue Vorgaben aus Düsseldorf bekommen, wie das aussehen soll. Das kann nicht sein! Angesichts der Infektionsgefahr muss Sorgfalt vor Tempo gehen. Die Schulen müssen zudem den Spagat schaffen, kleine Gruppen vor Ort zu unterrichten und gleichzeitig Schüler zu Hause bei der Stange zu halten. Es bleibt viel zu tun..

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