Corona-Krise

Schulen stehen vor schwierigem Start

Dirk Braun, Leiter der Gesamtschule Höhscheid, hat mit seinem Team Hinweisschilder zur Maskenpflicht aufgehängt. Foto: Michael Schütz
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Dirk Braun, Leiter der Gesamtschule Höhscheid, hat mit seinem Team Hinweisschilder zur Maskenpflicht aufgehängt.

Ab Mittwoch gilt für Schüler ab Klasse fünf Maskenpflicht auch im Unterricht.

  • Das neue Schuljahr startet auch in Solingen unter erschwerten Bedingungen.
  • Ab Klasse 5 herrscht Maskenpflicht im Unterricht.
  • Eine Mutter hat einen offenen Brief geschrieben. Sie kritisiert die Maskenpflicht.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Es ist ein Start, der so viel Organisation wie nie erfordert: Am Mittwoch beginnt das neue Schuljahr – wegen der Corona-Pandemie mit verschärften Bedingungen. So gilt vorläufig bis Ende August eine Maskenpflicht auf dem Schulgelände, ab Klasse 5 sogar im Unterricht – was manche Eltern kritisch sehen. Die Schulen bereiten sich seit Tagen, zum Teil Wochen auf den Unterrichtsbeginn vor. Die Situation sei mit besonderer Verantwortung verbunden, sagt Alexander Lübeck, Leiter des Humboldtgymnasiums.

Maskenpflicht: Die weiterführenden Schulen müssen die Maskenpflicht auch im Unterricht umsetzen. Doch die Hitze bleibt vorerst. „Ich glaube, wir müssen da vielleicht mit Hitzefrei flexibel sein“, sagt Dirk Braun, Leiter der Gesamtschule Höhscheid. Joachim Blümer, Rektor der Theodor-Heuss-Schule (THS) und Sprecher der Solinger Realschulen, rät seinem Kollegium zu Pragmatismus: „Die Maskenpflicht muss nach bestem Wissen und Gewissen mit pädagogischer Verantwortung umgesetzt werden. Wir wissen natürlich noch nicht, wie das bei über 30 Grad geht.“ Wenn die Hitze den Kindern zu sehr zusetze, könnte der Lehrer mit der Klasse zum Beispiel auf den Schulhof gehen. Humboldtdirektor Lübeck schlägt vor, dass Schüler bei Kreislaufproblemen sich mit dem erforderlichen Mindestabstand zu anderen ans offene Fenster setzen könnten.

„Wir werden sehen, ob das durchzuhalten ist.“

Grundschulsprecherin Petra Ehrenfeld zur Maskenpflicht

Grundschulen: An Grundschulen muss auf dem Schulgelände ein Mund-Nase-Maske getragen werden. Das heißt: Auch auf dem Schulhof müssen Kinder mit Maske herumlaufen. Angesichts der aktuellen Temperaturen sei das in ihrem Kollegium sehr kontrovers diskutiert worden, sagt Petra Ehrenfeld, Rektorin der Grundschule Meigen und eine der Solinger Grundschulsprecher. „Wir werden sehen, ob das durchzuhalten ist, Wenn uns die Kinder aus den Schuhen kippen, müssen wir reagieren. Dann kann die Lehrkraft entscheiden, von der Pflicht phasenweise abzuweichen.“ Das Prinzip getrennter Gruppen gilt auch in der offenen Ganztagsbetreuung. Innerhalb einer Gruppe dürfe wie im Unterricht die Maske am Platz abgesetzt werden, auf dem Schulhof und auf den Verkehrswegen sei sie zu tragen.

Busse: Die weiterführenden Schulen haben sich untereinander und mit der Stadt Solingen als Schulträger abgestimmt. So soll durch gestaffelte Anfangs- und Schlusszeiten das Schüleraufkommen in den Bussen entzerrt werden. Zum Beispiel starten die Klassen des Humboldtgymnasiums um 8.15 und 8.30 Uhr, zeitversetzt zur Albert-Schweitzer-Realschule, erklärt Alexander Lübeck. „Wo es möglich ist, sollten Schüler zu Fuß oder mit dem Rad kommen.“ Elterntaxis wollen die Schulen nicht.

Trennung: Schüler verschiedener Jahrgänge sollen sich nicht „mischen“. An den Schulen gibt es deshalb versetzte Pausenzeiten. Die THS setzt vor allem bei den jüngeren Schülern auf eine enge Begleitung. Joachim Blümer: „Die 5er lassen wir nicht alleine durch die Gegend laufen.“ Das reicht vom betreuten Mittagessen bis zu AGs, die nur für einen Jahrgang stattfinden. Die Gesamtschule Höhscheid nutze ihre Lernbüros nur noch im Klassenverband, sagt Dirk Braun. Wahlpflichtunterricht gebe es innerhalb eines Jahrgangs.

Sportunterricht: Bis zu den Herbstferien soll Sportunterricht im Freien stattfinden.

Digitalisierung: Um Kinder aus bedürftigen Familien mit Laptops und anderen Endgeräten zu versorgen, wurden Fördergelder bereitgestellt. Diese sind jedoch vielfach noch nicht eingetroffen. So warte die Gesamtschule Höhscheid auf 220 Endgeräte, sagt Dirk Braun.

Einschätzung: Mit „gemischten Gefühlen“ sieht Alexander Lübeck dem Schuljahr entgegen. „Ich hoffe, dass der Start gelingt.“ Für die Schüler sei es wichtig, dass es nach einem „verkorksten Schuljahr“ nun neu losgehe, betont Joachim Blümer. „Bildung ist ein hohes Gut, und die Schule liefert auch Sozialkompetenz.“ Er rät dazu, gelassen zu bleiben. Die Lehrer freuten sich auf das neue Schuljahr, berichtet auch Petra Ehrenfeld. An ihrer Schule kehrten alle in den Präsenzunterricht zurück. „Aber es bleiben Bedenken.“

Der Schulstart wird ein Balanceakt: Jens Merten, Vorsitzender des Solinger VBE, spricht im Interview über die Rückkehr in die Schulen unter Corona-Bedingungen.

Maskenverweigerer sollen sofort zahlen: NRW plant Bußgeld in Höhe von 150 Euro bei Verstößen in Bus und Bahn. Die Verkehrsbetriebe begrüßen die Regelung.

In unserem Live-Blog finden Sie aktuelle Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Solingen.

Hygiene

Das NRW-Schulministerium schreibt vor, dass eine regelmäßige und wirksame Durchlüftung der Unterrichtsräume sicherzustellen sei. Räume, in denen dies nicht möglich ist, sind für den Unterricht nicht zugelassen. Für die Schüler gilt, dass sie sich die Hände waschen müssen, wenn sie den Klassenraum betreten. Oberstufenschüler müssen das häufiger tun, da sie im Kurssystem regelmäßig die Räume wechseln.

Mutter kritisiert Maskenpflicht

Appell: „Kinder brauchen Sauerstoff“

Sechs Stunden Unterricht und länger mit Mund-Nase-Maske: Das NRW-Schulministerium hat entschieden, dass Schüler ab Jahrgangsstufe 5 den Schutz auch am Sitzplatz tragen müssen. Eine Solinger Mutter hat sich nun in einem offenen Brief an den Leiter des Humboldtgymnasiums, Alexander Lübeck, an Vertreter der Ratsfraktionen und an einige Oberbürgermeister-Kandidaten gewandt. Sie fordert, die Bestimmungen für die Maskenpflicht anzupassen: „Kinder brauchen Sauerstoff!“

Sie sei entsetzt von der Umsetzung der Vorgaben, schreibt Silke Hartkopf, deren Tochter künftig die fünfte Jahrgangsstufe am Humboldtgymnasium besucht. „Das Mindeste sind festgelegte Atempausen ohne Masken, die die Kinder brauchen!“ Hartkopf verweist darauf, dass mit Maske das Atmen schwerer falle, der Sauerstoff weniger werde, die Konzentration sinke und die Belastung steige. Die Schule müsse die Regelungen umgehend im Sinne der Kinder korrigieren und kreative Lösungen finden, fordert sie. 

Laut NRW-Schulministerium „kann die Schule vom Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung zumindest zeitweise oder für bestimmte Unterrichtseinheiten absehen“, wenn das mit den pädagogischen Erfordernissen und Zielsetzungen der Unterrichtserteilung und der sonstigen schulischen Arbeit nicht vereinbar sei. Dann müsse jedoch die Abstandsregel beachtet werden. Ausnahmen seien auch aus medizinischen Gründen möglich. asc

Standpunkt: Pragmatisch bleiben

Von Anja Kriskofski

anja.kriskofski@solinger-tageblatt.de

Zum Schulbeginn startet der Hochsommer so richtig durch. Ausgerechnet jetzt. Denn für Schüler ab Klasse 5 heißt das ab morgen: Sie müssen stundenlang Mund-Nase-Maske tragen – bei Temperaturen über 30 Grad. Das ist eine enorme Belastung, wie inzwischen jeder von uns weiß. Die kommenden Tage werden zeigen, ob sich die Vorgaben des Schulministeriums so umsetzen lassen, wie sie auf dem Papier stehen. Die pragmatische Herangehensweise, für die Solinger Schulleiter wie Joachim Blümer und Petra Ehrenfeld plädieren, dürfte der richtige Weg sein. 

Kein Lehrer wird auf den Mundschutz bestehen, wenn ein Schüler wegen Kreislaufproblemen aus den Latschen zu kippen droht, oder Grundschulkinder erschöpft auf dem Schulhof in einer Ecke sitzen. Ausnahmen von der Maskenpflicht aus gesundheitlichen – und anderen – Gründen lässt das NRW-Schulministerium ja ausdrücklich zu. Wichtig ist vor allem, dass die Schulen jetzt mit einem Modell ins neue Schuljahr starten, das dem Regelbetrieb zumindest nahekommt. Nach einem schulisch verkorksten Frühjahr und Frühsommer haben die Schüler ein Recht darauf.

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