Vielzahl an Fällen

Schulen in Solingen informieren über Quarantäne

Dr. Annette Heibges leitet das Gesundheitsamt. Archivfoto: cb
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Dr. Annette Heibges leitet das Gesundheitsamt.

Wegen der Vielzahl der Fälle nimmt das Gesundheitsamt nicht mehr Kontakt zu einzelnen Schülern auf.

Von Björn Boch

Das Solinger Gesundheitsamt nimmt aufgrund der Vielzahl von Fällen an den Schulen in der Klingenstadt keinen Kontakt mehr zu einzelnen Schülern und Lehrern auf, die als Kontaktpersonen in Quarantäne müssen. Das erklärte die Leiterin des Gesundheitsamts, Dr. Annette Heibges, im Gespräch mit dem ST. „Das Vorgehen war gut, so lange die Zahlen beherrschbar waren. Derzeit ist das aber nicht mehr zu leisten“, betonte Heibges. Allein vorige Woche seien 35 von 42 Schulen in irgendeiner Form vom Virus betroffen gewesen. Daher übernehmen die Schulen die Information.

Vor dem starken Anstieg der Zahlen wurde im Falle einer Corona-Infektion an einer Schule eine Liste durch die Schule selbst angefertigt. Das Gesundheitsamt hat dann alle Schüler und Lehrer angerufen und sie über die Quarantäne informiert. Jede betroffene Person bekam auch eine eigene Quarantäneverfügung.

Dieses Verfahren ist nun umgestellt worden: Gibt es jetzt einen Fall in der Schule, erstellt die Schule eine Liste mit Betroffenen und bespricht mit dem Gesundheitsamt, ob die Klasse oder der Kurs in Quarantäne muss oder nicht. „In einer Grundschule wird das sicher der Fall sein, da es keine Maskenpflicht gibt. Ist ein Sportkurs betroffen, gibt es sicher auch Quarantäne. Aber in einem Französischkurs kann es sein, dass das nicht notwendig ist“, erklärt Heibges.

„Wir haben ein neues System und ein neues Team, das sich einspielen muss. Wir werden bereits schneller.“
Dr. Annette Heibges, Leiterin des Gesundheitsamts

Für die Betroffenen gibt es zunächst eine schnelle Erstinformation durch die Schule, in der Eltern gebeten werden, ihr Kind zu Hause zu lassen, bis der Fall im Detail untersucht ist. Das Gesundheitsamt klärt in der Zwischenzeit mit dem infizierten Kind und dessen Eltern, wann es tatsächlich in der Schule war und in welchem Zeitraum es höchstwahrscheinlich infektiös war. „Zum positiv getesteten Kind nehmen wir auf jeden Fall Kontakt auf und nehmen die privaten Kontakte natürlich auch in Quarantäne“, erklärt Heibges.

Ist dann geklärt, zu welchen Lehrern und Mitschülern das Kind relevanten Kontakt hatte, folgt auf die Erstinformation durch die Schule eine Allgemeinverfügung des Gesundheitsamtes, welche Klassen, Kurse oder Gruppen in Quarantäne müssen. Auch diese Allgemeinverfügung wird aber nicht mehr persönlich zugestellt, sondern durch die Schule verteilt. Außerdem wird sie im Amtsblatt der Stadt Solingen veröffentlicht.

Parallel werden die Schülerlisten in die Datenbank des Gesundheitsamtes eingespielt. „Dann können wir zum Beispiel feststellen, wenn Kinder oder Lehrer, die bereits in Quarantäne sind, positiv getestet wurden“, erklärt Heibges.

Das erste Informationsschreiben, das von der Schule verschickt werde, ist laut Annette Heibges gerade noch einmal angepasst worden – offensichtlich sei nicht klar gewesen, dass das Gesundheitsamt Schüler nicht mehr einzeln kontaktiere. Auch der Zusammenhang zwischen Informationsschreiben und späterer Allgemeinverfügung für die Quarantäne werde näher erläutert.

Als Ziel für das Zeitfenster zwischen den beiden Schreiben hat sich das Team des Gesundheitsamtes „ein, zwei Tage“ gesetzt. „Fälle, in denen die Quarantäneanordnung fünf, sechs Tage gedauert hat, bedauern wir. Dieser Zeitraum ist indiskutabel. Aber wir haben ein neues System und ein neues Team, das sich einspielen muss. Wir werden bereits schneller“, verspricht Heibges.

Einen solchen Fall der Verzögerung hatte es Anfang November an der Grundschule Meigen gegeben, die zum ersten Mal von einem Corona-Fall betroffen war. Die Meldung über ein positiv getestetes Kind erreichte die Schule am 5. November, die offizielle Quarantäneverfügung erst eine Woche später. „Natürlich war das unbefriedigend für uns und die Eltern“, erklärt Schulleiterin Petra Ehrenfeld, die aber Verständnis für das Gesundheitsamt zeigt. „Das Amt hat sich entschuldigt für die Verzögerung. Da gibt es derzeit eine hohe Belastung.“

Die Eltern seien direkt nach Bekanntwerden des Falls informiert worden, erklärt Ehrenfeld. Dazu diente unter anderem das Informationsblatt der Stadt mit Verhaltenstipps, bis die offizielle Quarantäneanordnung eintrifft. „Wir haben die Eltern in unserem Schreiben darauf hingewiesen, dass sie ihr Kind bitte zu Hause lassen sollen. Das waren Empfehlungen für ein freiwilliges Verhalten, weil wir nicht berechtigt sind, Quarantäne anzuordnen“, so Ehrenfeld. Die Schule habe an das Verantwortungsbewusstsein der Eltern appelliert. Man könne nicht sagen, dass die Eltern gar nicht informiert waren. Es fehlte aber die offizielle Anordnung der Stadt.

Dass die Quarantäneanordnung erst am 12. November eintraf, sei eine zu lange Zeitspanne, erklärt Ehrenfeld. Zumal für einige Kinder in diesem Schreiben Quarantäne bis zum 10. November angeordnet wurde, das Schreiben also bereits bei der Zustellung überholt war. Petra Ehrenfeld ist aber optimistisch, dass sich die Lage verbessern wird. Das Gesundheitsamt habe eine spezielle Abteilung für Schulen und Kitas eingerichtet. „Das finde ich sehr gut, das war überfällig. Aufgrund eines infizierten Kindes waren bei uns 44 Familien betroffen“, erklärt Ehrenfeld. Das zeige, wie wichtig es sei, Fälle in Schulen und Kitas schnell zu klären.

Kontaktverfolgung

Das Kontaktverfolgungs-Team im Gesundheitsamt besteht aus rund 150 Personen – darunter sind Verwaltungsmitarbeiter, Bundeswehrsoldaten und Arbeitskräfte einer Zeitarbeitsfirma. Vorbereitungen für eine weitere Aufstockung sind getroffen.

In unserem Live-Blog finden Sie alle Informationen rund um das Coronavirus in Solingen. Der Blog wird laufend aktualisiert.

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