Schlimmster Pädagogenmangel seit Jahrzehnten

Schulen brauchen Hilfe von Quereinsteigern

Lehrer
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Kultusministerkonferenz - Lehrer und Schüler

Verband Bildung und Erziehung fordert fundierte Qualifizierung für die Lehrer. Gesamtzahl liegt nicht vor.

Von Simone Theyßen-Speich

Lehrer werden vor allen Dingen an den Grund- und Förderschulen händeringend gesucht. Um Unterricht sicherzustellen, müssen auch die Solinger Schulen auf Quer- oder Seiteneinsteiger als Lehrer zurückgreifen.

Der Verband Bildung und Erziehung sieht diese Entwicklung mit Sorge. „Gerade an den Grundschulen wurden auf Vertretungsstellen jetzt vermehrt Studenten eingestellt, an anderen Schulformen sind Stellen unbesetzt geblieben“, kritisierte Jens Merten, Vorsitzender des VBE-Solingen.

Die Situation sei an größeren Schulsystemen besser zu kompensieren als an den zahlenmäßig überschaubaren Grundschulen. Besonders betroffen vom Lehrermangel sei dort das Gemeinsame Lernen (Inklusion). Durch Krankheiten, Elternzeiten und unbesetzte Stellen liege die Besetzungsquote zum Teil bei unter 50 Prozent.

Im Grundschulbereich gebe es Schulen mit teilweise 35 Prozent „nicht ausgebildetem Personal“. „Das bedeutet im Gegenzug, dass 65 Prozent des Kollegiums wesentlich mehr Belastung haben“, kritisiert Jens Merten. Denn beispielsweise können Klassenleitungen aus pädagogischen Gründen nicht in die Hände einer Vertretungskraft gelegt werden. Außerdem sollen die Korrekturfächer Mathe, Deutsch und Englisch möglichst bei den darin ausgebildeten Kräften liegen.

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Sabine Riffi, Sprecherin der Solinger Grundschulen, schätzt, dass es im Schnitt zwei bis drei dieser sogenannten Nicht-Erfüller, also Lehrer, die nicht die Voraussetzung des 1. und 2. Staatsexamens erfüllen, pro Schule gibt. „Genaue Zahlen liegen der Stadt nicht vor, da die Einstellungen über die einzelnen Schulen und das Land laufen“, erklärt Stadt-Sprecherin Sabine Rische.

Meist gibt es nur befristete Verträge

In der Regel müssen sich die Betroffenen von einem Jahres- oder Halbjahresvertrag zum nächsten hangeln. Die Schulleiter dürfen Seiteneinsteiger nämlich nur dann einstellen, wenn es keine regulären Grundschullehrer für die Stelle gibt. Die Bewerber sollten das zu unterrichtende Fach studiert haben, bei Stellen in der Sekundarstufe II auf Master-Niveau.

Zudem werden die Quereinsteiger qualifiziert. „Zusätzlich sollten Seiteneinsteiger auch berufsbegleitend qualifiziert werden“, befürchtet Merten sonst Nachteile für die betroffenen Kollegen und die Schüler.

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