Tag des Waldes

Aufforstung: Schüler pflanzen junge Bäume in Gräfrath

Die Schüler Elias Ventrella und Adam Gaaim setzen mit Emil Kluge vom Stadtdienst Natur Jungbäume in Gräfrath. 60 000 Stück pflanzt die Stadt bis Ende April. Foto: Michael Schütz
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Die Schüler Elias Ventrella und Adam Gaaim setzen mit Emil Kluge vom Stadtdienst Natur Jungbäume in Gräfrath. 60.000 Stück pflanzt die Stadt bis Ende April.

Auf einem kahlen Hang im Gräfrather Wald nahe der Straße Oben zum Holz wuselten am Montag Schulkinder der Grundschule Gerberstraße und solche der Realschule Vogelsang eifrig herum.

Von Philipp Müller

Solingen. Unter Anleitung der Mitarbeiter des Stadtdienstes Natur und Umwelt setzten sie 800 neue Bäume. Der Termin war gut gewählt. Nicht nur die Sonne strahlte, es war auch noch der „Tag des Waldes“. Am Montag begann die Stadt so damit, bis Ende April rund 60.000 Jungbäume in die Erde zu bringen.

Drei sehr trockene Jahre von 2018 bis 2020 hatten dem Wald stark zugesetzt. Tausende Bäume mussten gefällt werden. Meist traf es Nadelgehölze. Denn stehen diese zu trocken, werden sie von Borkenkäfern angegriffen. So mussten im vergangenen Jahr etwa im Bereich Müngsten oder auch in Gräfrath ganze Flächen radikal von toten und kranken Bäumen befreit werden. 25 Hektar betrage die gerodete Fläche insgesamt, schätzt der Abteilungsleiter Wald und Forst, Markus Schlösser. Weitere 25 Hektar müssten noch von toten Bäumen befreit werden.

Kahl bleiben die Flächen nicht. Für die Verwaltung gilt schon länger die Marschroute, den Stadtwald mit standortgerechten, klimastabilen Baumarten (siehe unten) zu revitalisieren. Vor allem in den Stadtteilen Gräfrath, Widdert, Aufderhöhe und Burg ist jetzt das Ziel, durch die neuen Bäume einen widerstandsfähigeren Mischwald mit größerer Artenvielfalt entstehen zu lassen.

Benjamin Klask, für das Gräfrather Gebiet bei der Stadt zuständig, erklärt, dass die 60.000 Bäume vorab ausgeschrieben wurden. Jetzt kommen sie in die Erde. Finanziert wird das zum Teil auch durch die Aktion „Blauer Wald“, die der Solinger Unternehmer Georg Meyer ins Leben gerufen hatte. Er erhielt gestern von den Grundschülern der Gerberstraße symbolisch einen Scheck über 800 Euro. Der Erlös stammt aus einem Weihnachtsbasar. An der Realschule Vogelsang wurden vergangenes Jahr 3000 Euro mit einem Sponsorenlauf gesammelt.

Mit dem Betrag lassen sich etwa 1000 Bäume finanzieren. Denn auf 3,50 Euro taxiert Markus Schlösser die Kosten pro Baum. Eingesetzt werden in Gräfrath auch Mittel der Bezirksvertretung. Und so freute sich Bezirksbürgermeisterin Dr. Ruth Fischer-Bieniek (Grüne) vor Ort über den Einsatz der jungen Waldarbeiterinnen und Waldarbeiter.

Uschi Neef von der Leitung des Angebots Offener Ganztag an der Schule Gerberstraße, Schulleiterin Birgit Schoel von der Realschule Vogelsang und ihre Konrektorin Petra Klenzner versicherten, sich auch regelmäßig um die jungen Bäume zu kümmern. Da sind vor allem vereinzelt Kirschbäume, dazu Traubeneichen, Hainbuchen und Linden, berichtete Klask. Alles Bäume, die heimisch sind und doch gut mit Trockenheit zurechtkommen.

„Die Setzlinge müssen jetzt beobachtet werden“, erklärte Markus Schlösser. Alle zwölf Meter kommt ein Jungbaum in die Erde. Der Abstand ist so gewählt, dass sie später in ausgewachsenem Zustand nebeneinanderstehen können, ergänzte Benjamin Klask. Gibt es viel Wildverbiss, werden die Pflanzen mit Drahtgeflechten geschützt oder bekommen ein biologisches Mittel, dass den Tieren so schlecht schmeckt, dass sie „vergrämt“ werden.

„Im Herbst folgen weitere 100.000 Bäume.“

Andreas Budde, Umweltdezernent

Doch mit der Frühjahrspflanzung ist es nicht getan. Planungs- und Umweltdezernent Andreas Budde (parteilos) kündigte an: „Im Herbst folgen weitere 100.000 Bäume.“ Die Ausschreibung dafür laufe. Förderanträge seien bereits gestellt – und auch weiteres Geld von Georg Meyer, der auch „Klima-Schorsch“ genannt wird, können einfließen. Bisher hat er 35.000 Euro eingesammelt. Da fehlt noch was. Er hat sich allein für 100.000 neue Bäume starkgemacht und sucht weitere Spender für den „Blauen Wald“.

Stadt forstet eigene Wälder auf

Im ersten Pflanzzeitraum des Jahres 2022 werden zunächst 60.000 neue Bäume gepflanzt, erklärt die Stadt. Dies erfolgt mit Forstwirten des Stadtdienstes Natur und Umwelt, aber auch mit dem Einsatz von Fachunternehmen. Weitere Pflanzaktionen mit Bürgerinnen und Bürgern sind geplant. Gepflanzt werden klimaresistentere Baumarten und -sorten wie Traubeneiche, Kirsche, Erle, aber auch die Rotbuche gehört dazu. Privatpersonen erhalten weiter für ihre Grundstücke kostenlos Bäume.

Weitere Infos dazu finden Sie hier.

Auch interessant: Neuer Plan für den alten Bahnhof in Gräfrath

Standpunkt: Gemeinsam für die Natur

Ein Kommentar von Philipp Müller

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Es ging am Tag des Waldes nicht mehr nur um praktischen Naturschutz. Es ging mit dem Start der Pflanzung von 60 000 Jungbäumen schon darum, die Natur überhaupt zu retten. Kahl und ungeschützt liegen viele Hänge in Solingen vor unseren Augen. Macht man da nichts, werden sie veröden. Es ist schön zu sehen, dass wir Solingerinnen und Solinger offensichtlich immer noch ein inniges Verhältnis zu unseren Wäldern und Bäumen haben. Und die nächste Generation ist auch mit viel Begeisterung dabei. Doch die Erfolge werden sehr lange nicht sichtbar sein. Dort, wo die Kettensäge schon zugeschlagen hatte oder noch zuschlägt, da wird es bis zu 30 Jahre dauern, bis man überhaupt wieder von Wald reden kann. Anders als bei den Straßenbäumen kommen kleine Setzlinge in den Boden – alles andere wäre auch nicht zu finanzieren. Wichtig ist, in den kommenden Jahren nicht nachzulassen, die Jungbäume zu kontrollieren. Und alle, die den Wald in der Freizeit nutzen, sollten das sehr bewusst und schonend machen.

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