Ab Mittwoch

Schulklassen halbieren: Schulministerium prüft Solinger Modell

Ministerin Gebauer prüft das Vorgehen von OB Kurzbach. Archivfoto: cb
+
Ministerin Gebauer prüft das Vorgehen von OB Kurzbach (Archivfoto).

Ab Mittwoch sollen in den weiterführenden Solinger Schulen die Klassen halbiert werden. Das Schulministerium prüft das noch. SPD-Fraktionschef Kutschaty will einen sofortigen Schulgipfel.

Von Olaf Kupfer

Der SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty drängt noch für diese kommende Woche auf einen Schulgipfel im NRW-Landtag. Anlass für Kutschaty ist das Vorgehen der Stadt Solingen, Schulklassen an weiterführenden Schulen auf eigenes Betreiben per Allgemeinverfügung der Stadt ab kommenden Mittwoch zu trennen und Präsenzunterricht nunmehr im wöchentlichen Wechsel anzubieten. Der Grund für diese Maßnahme: Der Corona-Inzidenzwert in Solingen ist mit derzeit 206 hoch – und war zuvor noch höher. „Wir sind den Schulen sehr dankbar, dass sie diesen Weg gemeinsam mit uns gehen und damit landesweit Neuland betreten“, sagte Solingens Oberbürgermsieter Tim Kurzbach (SPD). Ausgenommen seien Grund- und Förderschulen sowie Abschlussklassen der Sekundarstufen I und II.

Das Schulministerium hatte gegenüber der „Rheinischen Post“ am Freitag mitgeteilt, man prüfe, „ob und inwieweit das Vorgehen der Stadt Solingen den rechtlichen Vorgaben entspricht und aufgrund des Infektionsgeschehens an den Schulen angemessen ist“. Weitere Fragen dieser Redaktion zum weiteren Vorgehen und möglicher nrw-weiter Verfügungen in Schulfragen ließ das Schulministerium bis zum Sonntagabend unbeantwortet

SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty fordert derweil einen sofortigen Schulgipfelim NRW-Landtag. „Solingen hat nur das getan, was in dieser Situation unvermeidbar war. Die Stadt musste die Reißleine ziehen, weil die Landesregierung den Corona-Zug ungebremst auf die Schulen zusteuern lässt. Dabei werden die Kommunen völlig allein gelassen“, sagte Kutschaty dieser Zeitung. Das Beispiel zeige, „wie groß der Handlungsdruck vor Ort ist.“

Solinger Sonderweg: Es gibt immer noch keinen Plan B vom Land NRW

Es gibt immer noch keinen Plan B vom Land, die Schulministerin setzt allein auf das Prinzip Hoffnung. Das hat die Träger und Schulen in diese missliche Lage gebracht. Deshalb müssen sie jetzt auf eigene Faust handeln und improvisieren.“ Städte wie Solingen sollten „in dieser Ausnahmesituation wenigstens die nötige Rückendeckung von der Ministerin bekommen“. Kutschaty fordert seit Wochen einen Schulgipfel über alle Fraktionen. Jetzt will er offenbar den öffentlichen Druck erhöhen. „Frau Gebauer sollte deshalb noch in dieser Woche zum Schulgipfel einladen. Es ist schon zu viel Zeit verloren gegangen“, sagte Kutschaty. Der SPD-Politiker schlug „Schichtbetrieb für den Präsenzunterricht, gestaffelte Anfangszeiten und angepasste Fahrpläne“ vor

.Die Verfügung der Stadt Solingen soll bis Ende November gelten. Konkret werden Klassen- oder Kursgruppen abwechselnd in der Schule unterrichtet. Die jeweils andere Hälfte arbeitet eigenständig von zu Hause. „Den Schulen ist freigestellt, ob die beiden Gruppen wochen- oder tageweise wechseln“, heißt es. 

Unser Bericht vom 31.10.: Schüler sollen zur Hälfte digital lernen – Schulministerium meldet Vorbehalt an

Von Simone Theyßen-Speich

In den weiterführenden Schulen in Remscheid gilt wieder eine Maskenpflicht. Zudem soll ab kommenden Mittwoch an den weiterführenden Schulen die Zahl der Präsenz-Schüler halbiert werden (Archivfoto).

Solingen. Bei der Bekämpfung der hohen Corona-Infektionszahlen will man in Solingen nicht nur auf die bundesweiten Regeln und den Teil-Lockdown ab Montag setzen. Der Krisenstab der Stadt hat zusätzliche eigene Maßnahmen beschlossen. So wird es eine Reduzierung der Klassengrößen an den weiterführenden Schulen geben. Außerdem treten Regeln wie die Einschränkung von Feiern und von Sportangeboten in Solingen nicht erst am Montag, sondern schon vorgezogen seit Mitternacht in Kraft.

Im Zentrum aller Bemühungen stehe, Ansteckungen zu vermeiden, indem man die Kontakte reduziert, betonte Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) Freitagvormittag bei einer Pressekonferenz im Stadttheater, die auch ins Internet übertragen wurde. Auf der anderen Seite solle aber gerade der Betrieb in den Schulen und Kitas weiterlaufen. „Deshalb haben wir uns für den außergewöhnlichen Schritt entschieden, als Stadt eine Allgemeinverfügung für die Solinger Schulen zu erlassen“, erklärte die Schuldezernentin Dagmar Becker (Grüne). Die neuen Regeln seien in enger Abstimmung mit allen Schulen getroffen worden.

Solingen: Ab kommenden Mittwoch nur noch halbe Klassen in der Schule

So wird ab kommenden Mittwoch an den weiterführenden Schulen die Zahl der Präsenz-Schüler halbiert. Das gilt bis Ende November. Konkret werden Klassen- oder Kursgruppen abwechselnd in der Schule unterrichtet. Die jeweils andere Hälfte arbeitet eigenständig von zu Hause. „Den Schulen ist freigestellt, ob die beiden Gruppen wochen- oder tageweise wechseln“, so Becker.

Die Stadtspitze sowie Vertreter des Gesundheitsamtes, der Kliniken und der niedergelassenen Ärzte stellten das gemeinsame Konzept zur Bekämpfung der Pandemie im Theater vor.

Ausgenommen von dieser Regelung sind die Grundschulen und die Förderschulen. „In diesen Schulformen gibt es einen hohen Betreuungsbedarf“, erklärt Becker. Auch an den weiterführenden Schulen sollen die prüfungsrelevanten Jahrgänge 10 (vor der Fachoberschulreife) sowie Q1 und Q2, bei denen die Punkte für das Abitur zählen, von der Regelung ausgenommen und weiterhin durchgehend in den Schulen unterrichtet werden.

„Wir sind den Schulen sehr dankbar, dass sie diesen Weg gemeinsam mit uns gehen und damit landesweit Neuland betreten“, betont Tim Kurzbach. Mittlerweile seien 3500 iPads an bedürftige Schüler ausgegeben, 1700 der Geräte haben einen direkten Internetzugang. „Damit sind wir digital gut aufgestellt“, betont Becker. Sie verweist zudem auf die Konzepte für Homeschooling (Lernen zu Hause), die mittlerweile an den Schulen entwickelt worden seien. Das alles käme den Schülern an den jeweiligen Tagen zugute.

„Wir müssen alles tun, um die Kurve für Solingen zu brechen.“ 

Oberbürgermeister Tim Kurzbach

Becker appelliert an die Grund- und Förderschulen, möglichst auch dort eine Mund-Nase-Maske zu tragen: „Eine Verpflichtung ist es in diesen Schulformen, anders als bei den weiterführenden Schulen, allerdings nicht.“ Um Schülerkontakte auch auf dem Weg zur Schule zu reduzieren, werden 15 zusätzliche Schulbusse in den Stoßzeiten morgens und nachmittags eingesetzt, skizzierte der Planungsdezernent Hartmut Hoferichter (parteilos) weitere Maßnahmen.

Solinger Sonderweg: NRW-Schulministerium meldet Vorbehalt an

Das NRW-Schulministerium meldete einen Vorbehalt an: „Ob und inwieweit das Vorgehen der Stadt Solingen den rechtlichen Vorgaben entspricht und aufgrund des Infektionsgeschehens an den Schulen in Solingen angemessen ist, wird derzeit durch die zuständigen Behörden und Stellen des Landes geprüft, die dann rechtzeitig vor Inkrafttreten der Solinger Regelungen am Mittwoch entscheiden“, hieß es aus dem Schulministerium.

Der Schul-Schwimmunterricht soll stattfinden. Für die Öffentlichkeit bleiben die Schwimmbäder aber geschlossen. Und zwar nicht erst ab Montag, wie im Erlass des Bundes vorgegeben, sondern in Solingen schon ab dem heutigen Samstag. Auch die Einschränkung von Feiern, Halloween- oder St. Martins-Festen sowie das Verbot von Sportangeboten gilt schon ab heute. Für die Gastronomie bleibt es beim Lockdown ab Montag. „Wir müssen alles tun, um die Kurve für Solingen zu brechen, je eher, desto besser“, so Kurzbach. Er sei sich bewusst, wie schwer die Einschnitte seien. „Alles, was wir tun, wird Menschen belasten, aber alles, was wir nicht tun, wird Menschen gefährden. Darum ist jetzt die Verantwortung jedes Einzelnen gefragt.“

Mit Material von dpa

Ordnungsdezernent Jan Welzel skizzierte bei der Pressekonferenz drei wichtige Säulen der Pandemie-Bekämpfung:

  1. Bereitstellung von medizinischer Infrastruktur: Solinger Kliniken fahren die Zahl der Infektionsbetten wieder hoch.
  2. Nachverfolgung der Infektionsketten: 55 neue Helfer von Personaldienstleistern und Bundeswehr sollen das Gesundheitsamt unterstützen.
  3. Reduzierung von Kontakten und Kontrolle der Regeln – hier gibt es eine Übersicht für Solingen.

Standpunkt: Krise gemeinsam meistern

Von Simone Theyßen-Speich

simone.theyssen-speich@solinger-tageblatt.de

Auch wenn die Schulen in den vergangenen Wochen nicht zu den Hauptverbreitungsorten des Coronavirus zählten, tun Stadt und Schulleitungen gut daran, auch dort Kontakte einzuschränken. Damit Kinder das Virus nicht aus den Familien in die Klassen tragen. Damit Lehrkörper durch Infektionen oder Quarantäne nicht komplett ausgedünnt werden. Damit das System Schule weiterlaufen kann. In Zusammenarbeit von Schulverwaltung und Schulleitungen ist es gelungen, jetzt ein System zu entwickeln, um den schwierigen Balanceakt zu meistern zwischen maximalem Schutz und maximalem Präsenzunterricht für möglichst viele Kinder.

Gut, dass die rechtzeitig ausgegebenen iPads in einigen Familien zumindest das technische Problem des Homeschoolings lösen. Gut auch, dass viele Schulen das Konzept schon weiterentwickelt haben. Sie bilden Lern-Tandems aus jeweils einem Schüler, der gerade zu Hause lernt, und einem, der in der Schule ist. Gemeinsam die Krise zu meistern, das soll auch dabei im Mittelpunkt stehen. Bleibt die Hoffnung, dass all die Maßnahmen schnell Erfolg zeigen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Trinker tummeln sich auf Bahnhofstreppe in Ohligs
Trinker tummeln sich auf Bahnhofstreppe in Ohligs
Trinker tummeln sich auf Bahnhofstreppe in Ohligs
Neues Leben im Gewölbe der Christians-Villen
Neues Leben im Gewölbe der Christians-Villen
Neues Leben im Gewölbe der Christians-Villen
Solinger fährt mit 1,3 Promille durch Bergisch Gladbach
Solinger fährt mit 1,3 Promille durch Bergisch Gladbach
Solinger fährt mit 1,3 Promille durch Bergisch Gladbach
Jürgen Hardt verpasst Sitz im Bundestag
Jürgen Hardt verpasst Sitz im Bundestag
Jürgen Hardt verpasst Sitz im Bundestag

Kommentare