Prozess

Schnittert: Sohn fand erschlagene Mutter in ihrem Haus

Der Tatverdächtige soll im Februar 2020 die Seniorin in ihrem Haus ermordet haben. Archivfoto: Tim Oelbermann
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Der Tatverdächtige soll im Februar 2020 die Seniorin in ihrem Haus ermordet haben.

Prozess um einen Raubmord verläuft vor dem Wuppertaler Landgericht emotional.

Von Dirk Lotze

Solingen. Der tödliche Angriff auf eine 76 Jahre alte Seniorin im Februar 2020 hatte Solingen entsetzt. Der Prozess vor dem Landgericht in Wuppertal verläuft emotional. Als erste Zeugen hörten die Richter am gestrigen Dienstag die hinterbliebenen, erwachsenen Kinder des Opfers. Der 46 Jahre alte Sohn hatte die erschlagene Mutter im Flur hinter der Eingangstür ihres Einfamilienhauses gefunden. Er hatte für einen Routinebesuch vorbeisehen wollen.

Dem 47 Jahre alten Angeklagten aus Solingen wirft die Staatsanwaltschaft Raubmord vor. Der Mann gilt als drogenkrank. Die Seniorin habe ihn womöglich beim Diebstahl in ihrem Haus überrascht, nachdem er sich Zugang verschafft hatte. Ihm sei es mutmaßlich darum gegangen, seine Sucht zu finanzieren.

Solingen: Seniorin war Mittelpunkt der Familie

Gerichtsmediziner gehen vorläufig davon aus, dass die Frau mindestens elf schwere Schläge mit einem kantigen Gegenstand gegen den Kopf erlitt. Verschwunden ist Schmuck aus dem Schlafzimmer der Seniorin, berichtete eine Tochter (55). Der Wert: wohl eher gering. „Das waren alles Erinnerungsstücke“, kommentierte die Zeugin. Die Mutter habe von Witwenrente gelebt. Das Haus: laut Beschreibung älteren Datums, mit einem Anbau. Kein Ort, an dem man eine reiche Person vermuten würde. Der Angeklagte hat angekündigt, sich zu den Vorwürfen später zu äußern. Die Zeugenaussagen der Angehörigen hörte er mit gesenktem Kopf.

Der 46 Jahre alte Sohn der Seniorin rang während seiner Aussage sichtlich um Zurückhaltung. Fragen der Richter nach Einzelheiten zur Haustür und zum Flur beantwortete er noch scheinbar ruhig. Ein Stein habe im Flur gelegen. Er habe geschaut, ob die Mutter womöglich noch lebte und sich kurz neben die Leiche gelegt: „Sie war kalt und steif“.

Ob ihm etwas aufgefallen wäre, fragte der vorsitzende Richter. Die Antwort: „Ich erinnere mich, wie der Kopf meiner Mutter ausgesehen hat. Aber das brauche ich wohl nicht zu beschreiben, oder?“ Aus dem Sohn brach es dann schließlich doch heraus – als er die Mutter beschreiben sollte: „Sie war eine ganz einfache Person, die nie Schwierigkeiten hatte. Sie war Uroma und Oma und der Mittelpunkt der Familie.“ Und, sichtlich auf den Angeklagten bezogen: „Wenn er sie nach dem Geld gefragt hätte, dann hätte sie es ihm einfach gegeben. Da bin ich mir sicher.“

Das Gericht hat Fortsetzungstermine zunächst bis Ende Februar 2021 bestimmt.

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