ST vor Ort

Schmidt: „Ich bin vielleicht etwas zu direkt“

Bezirksbürgermeister Richard Schmidt im Livestream zur Stadtteilserie mit ST-Redakteur Philipp Müller. Foto: Moritz Alex
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Bezirksbürgermeister Richard Schmidt im Livestream zur Stadtteilserie mit ST-Redakteur Philipp Müller.

Noch-Bezirksbürgermeister Richard Schmidt im ST-Livestream.

Von Timo Lemmer

Solingen. Bürgersprechstunde 2.0: Weil die Corona-Situation es erforderlich gemacht hat, verlegte das Tageblatt zum ersten Mal eine Auflage des beliebten „ST vor Ort“ ins Internet. Die Fragerunde mit Richard Schmidt, Bezirksbürgermeister für Mitte und SPD-Kandidat in der Hasseldelle für den kommenden Stadtrat, wurde live auf der Facebook-Seite des Verlages gestreamt und ist dort nun auch im Nachhinein abrufbar. Fazit: Ob analog oder digital, Schmidt ist ein Mann der klaren Worte.

ST-Redakteur Philipp Müller gönnte Schmidt in der ungewohnten Situation, live aus dem Verlagshaus heraus Rede und Antwort im Netz zu stehen, eine Aufwärmphase und fragte zunächst nach den Aufgaben einer Bezirksvertretung (BV). Aber Schmidt war schnell auf Betriebstemperatur.

Der Idee, die der Gründung von Bezirksvertretungen vorangegangen war – näher am Bürger zu sein –, kann Schmidt nämlich eine Menge abgewinnen. Und so war, als der Austausch zu den aktuellen Themen umschwenkte, schnell zu spüren, dass Schmidt verärgert ist. Verärgert darüber, dass ein vermeintlich kleines Thema, konkret die Umsetzung eines Zebrasteifens vor der Seniorenresidenz „Am Kirschbaumer Hof“, etliche Jahre gedauert hatte.

Bereits 2015 war das Thema im ST aufgebracht worden, danach breit von der Bezirksvertretung diskutiert und auch beschlossen worden – aufgebracht wurde der Zebrastreifen aber erst vor wenigen Tagen. Es sei „auch für uns als BV unverständlich“, warum das solange gedauert habe, sagte Schmidt. Man solle schon zusehen, dass Beschlüsse der BV gleichwertig mit städtischen Projekten umgesetzt würden.

Daraus lässt sich das große Ganze Ableiten. Schmidt erachtet es als „moralische Verpflichtung“ für den Bürger einzutreten. Der habe den Politikern schließlich das Vertrauen geschenkt. Und die hatten nun mal schon vor vielen Jahren klargemacht, dass eine Querungshilfe vonnöten ist. Für Schmidt also unverständlich und ärgerlich, wenn eine Maßnahme solange dauert. Das vertritt Schmidt mit Vehemenz, mit entschlossenem Auftreten - und das lässt ihn immer wieder auch anecken. Er weiß das: „Ich bin vielleicht etwas zu direkt“, sagt er.

„Der Wohnwert in der Innenstadt muss wieder da sein.“

Richard Schmidt

In Sitzungen der BV ärgere er sich schon mal wie Rumpelstilzchen, weiß Schmidt. Er will damit aber auch dem Vorwurf entgegentreten, Bezirksvertretungen seien „zahnlose Tiger“. Es läge letztlich in der Hand des Bezirksbürgermeisters, seine BV lautstark zu vertreten: „Es kommt darauf an, wie man das Amt ausfüllt.“ Schmidt jedenfalls tut das mit Nachdruck für seinen Stadtteil.

Er freut sich über das Konzept City 2030, pocht auf mehr Wohnraum: „Der Wohnwert in der Innenstadt muss wieder da sein.“ Wichtiges Instrument dabei sei die Förderung von kulturellem Leben. Abseits der Hauptachse hat er zudem „seine Hasseldelle“ besonders im Blick. Die sei deutlich besser als der Ruf, der ihr „fälschlicherweise immer noch“ vorauseilt: Der entspräche nicht mehr der Realität.

Die Facebook-Nutzer wurden derweil dazu aufgerufen, den Fragekatalog des ST-Redakteurs live zu ergänzen - wie es auch im Vorfeld schon per Mail möglich war. Das wird auch für die kommenden Ausgaben gelten, denn, so Müller zum Abschluss mit Blick auf die Corona-Lage: Es wird voraussichtlich weitere Livestreams geben.

Zur Person

Richard Schmidt ist seit 2011 Bezirksbürgermeister von Solingen-Mitte. Der 60-Jährige, dessen Geburtstag kommende Woche ansteht, wird bei der Wahl am 13. September 2020 nicht erneut für die BV kandidieren. Stattdessen strebt er in der Hasseldelle ein Mandat für den Stadtrat an. „Mitte verliert mich ja nicht“, sagt er. „Für die Kommunalpolitik muss man auch schon mal ein alter Hase sein, um zu bestehen. Mich reizt die neue Aufgabe.“

Schmidt treibt die Idee voran, dass Schausteller auch in Solingen – wie beispielsweise schon in Bonn – die Möglichkeit erhalten „dezentral Stände zu betreiben“.

Wohnen in Mitte: Experten sehen beim Thema Immobilien im Stadtteil Mitte vor allem zwei Probleme, die unmittelbar zusammenhängen.

Acht Wochen lang widmet sich das Tageblatt den Zentren der Stadt. ST vor Ort beleuchtet Solingens Stadtteile.

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