Erinnerung

Schleiferfest erzählt von jahrhundertealter Tradition

Wipperkotten nach der Flut weitgehend wiederhergestellt.

Von Holger Hoeck

Im gemütlichen Tempo leistet das große Wasserrad seinen Dienst, während aus mehreren Räumen ein Rattern und Schleifgeräusche zu vernehmen sind. Familie Hoßbach aus Leichlingen staunt nicht schlecht über die unterschiedliche Dimensionen annehmenden Holzscheiben, die, versehen mit einem Lederriemen, zu „Pliestscheiben“ werden. „Die Pliestscheibe ist eine Hartholzscheibe, auf der sich der Riemen befindet, der zuvor mit Polierpaste versehen wird. Mit dem Pliesten erhalten hochwertige Klingen ihren Feinschliff. Der Unterschied zur Billigware ist diesen Klingen auf jeden Fall anzumerken, und daher greifen insbesondere Profiköche und Friseure auf sie zurück“, klärt Reinhard Schrage, Vorsitzender des Fördervereins Schleiferei Wipperkotten auf.

Im Normalfall lädt der Verein einmal pro Jahreszeit zum Schleiferfest in den letzten original erhaltenen Solinger Schleifkotten an der Wupper ein, um den Gästen die historische Wasserkraftanlage, Maschinen, Materialien wie auch die Kunst des Schleifens näher zu bringen. Viele Besucher nutzten das jüngste Fest aber auch, um ihre mitgebrachten Schneidwaren von den fachkundigen Ehrenamtlern schärfen zu lassen. „Neben den Einnahmen an den Verpflegungsständen kommt auch der Erlös unseres Schneidwarenverkaufs dem Erhalt des Schleifkottens zugute, denn es handelt sich hier um den letzten, noch mit Wasserkraft angetriebenen Schleifkotten. Die Messer werden dabei von einigen unserer ehrenamtlichen Aktiven selbst produziert“, betont Schrage.

Wie die anderen rund 100 Vereinsmitglieder ist auch der Vorsitzende froh, dass der Ur-Zustand des Kottens nach dem letztjährigen Hochwasser weitgehend wieder hergestellt werden konnte. „Wir danken daher allen Helfern wie Freiwilligen, die mit angepackt hatten, damit wir dieses industrielle Kulturdenkmal der Öffentlichkeit wieder in gutem Zustand präsentieren können.“

Verein beklagt, dass nur wenige Solinger die Anlage kennen

Erstmals 1605 erwähnt, besteht die Anlage aus zwei Gebäuden. Sowohl der Außenkotten am Ufer als auch der Innenkotten verfügen über ein eigenes Wasserrad auf einer Achse. Reinhard Schrage ärgert sich, dass die historische Anlage indes nur wenigen Solinger Bürgern bekannt ist. „Sie hätte ein größeres Interesse zweifellos verdient, zumal die Klingenproduktion in Solingen schon seit über 1000 Jahren Tradition ist. Wir hoffen, mit unserem Engagement einen Beitrag zum Erhalt des alten Handwerks für die Nachwelt leisten zu können.“

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