Winter

Schlechtes Wetter? Gutes Wetter? So wirkt sich das aktuelle Wetter aus

Grauer Himmel und Regen an der Lacher Straße: Die Böden im Bergischen sind inzwischen wieder gut durchfeuchtet. Foto: Christian Beier
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Grauer Himmel und Regen an der Lacher Straße: Die Böden im Bergischen sind inzwischen wieder gut durchfeuchtet.

Kaum Sonne, viel Regen: Das hat Auswirkungen auf Mensch und Natur in Solingen.

Von Simone Theyßen-Speich, Philipp Müller, Kristin Dowe und Björn Boch

Solingen. Als ob die Corona-Pandemie mit ihren Sorgen um Gesundheit, den Kontaktbeschränkungen und wirtschaftlichen Problemen nicht schon schlimm genug wäre, drückt seit Beginn des Jahres auch das Wetter auf die Stimmung. Nieselregen wechselt sich mit Schauern ab, dunkle Wolken lassen die Tage oft nicht richtig hell werden. Das hat Auswirkungen – auf die Natur wie auf den Menschen.

In der Praxis von Dr. Birgit Kracke, niedergelassene Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, fange derzeit fast jedes Gespräch gleich an: „Corona und dann noch das Wetter . . .“. Die Lust, nach draußen zu gehen und frische Luft zu schnappen, halte sich in Grenzen, „mindestens jeder fünfte Patient sagt, dass es ihm wegen des Wetters schlecht gehe“, so die Ärztin.

Das sei nicht nur ein Empfinden, „den Menschen geht es wirklich schlechter, denn das Wetter hat Einfluss auf die Hormone“. Im Winter sei der Körper ohnehin träger, brauche im Schnitt eine Stunde mehr Schlaf als im Sommer. „Wenn das Wetter nicht geeignet ist, uns etwa zum Rausgehen zu animieren, gehen Stoffwechsel und Laune runter“, so Kracke. „Im Regen gehen meist nur Hundebesitzer raus, und die sind nachgewiesen gesünder.“

„Besonders wichtig ist viel Tageslicht in der Mittagszeit.“

Dr. Birgit Kracke

Spazieren oder Joggen führe zur Ausschüttung positiver Hormone. „Besonders wichtig ist es, möglichst viel Tageslicht in der Mittagszeit zu bekommen, denn viele Menschen haben im Winter Vitamin-D-Mangel.“ Ersatz durch Tabletten sei nur die zweite Wahl, denn das Sonnenlicht führe auch zur Ausschüttung von anderen positiven Hormonen.

Zudem baue Bewegung Stresshormone ab. Bei der Behandlung von Depressionen werde beispielsweise oft Lichttherapie eingesetzt. Gegen den Winter- und Schlechtwetter-Blues helfe vielen auch privat eine Tageslichtlampe. „Die sollte mindestens 10.000 Lux haben und morgens immer zur gleichen Zeit genutzt werden.“

Fachhändler Ralf Kohns, Inhaber von Expert Schultes, hat nicht beobachtet, dass Tageslichtlampen vermehrt gekauft werden – im Gegenteil, es gebe kaum Nachfrage. „Was wir im Moment beobachten, sind deutlich mehr Käufe von TV-Geräten. Und Kaffeevollautomaten haben Hochsaison.“ Eine Abschottung, für die Forscher den Begriff „Cocooning“ entwickelt haben.

Neben Licht und Bewegung ist eine gesunde Ernährung wichtig – mit Vitaminen und Ballaststoffen. „So werden im Darm Bakterien produziert, die für die Immunabwehr und zur Produktion antidepressiv wirkender Hormone wichtig sind.“ Dr. Birgit Kracke warnt davor, ohne Rücksprache mit dem Arzt frei verkäufliche pflanzliche Antidepressiva wie Johanniskraut zu nehmen. „Das kann auch in kleiner Dosierung Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben.“

Sonnenstudios: Kurzurlaub auf der Sonnenbank jetzt mit 2G

Dass sich die Menschen nach Sonne und Wärme sehnen, merkt auch Brigitte Heinz, Inhaberin des Sonnenstudios Ayk auf der Bergstraße. „Die Leute gönnen sich den Kurzurlaub zwischendurch“, erklärt sie, obwohl die Sonnenstudio-Hochsaison meist ab April beginne. Aber angesichts des düsteren Wetters und der allgemeinen Lage bräuchten viele das auch jetzt. Seit Donnerstag gelte in den Sonnenstudios jetzt 2G statt der strengeren 2G-plus-Regel.

Landwirte: Das Wetter hat seine guten Seiten

Einer der wenigen, die sich in diesen Tagen nicht über das Wetter beschweren, ist Landwirt Karl-Otto Dickhoven, Sprecher der Ortsbauernschaft Solingen. „Für uns gibt es keinen Grund zur Klage. Auch die Bewölkung tut der Ernte gut, da durch das dunklere Wetter die Vegetation noch zurückbleibt.“ Dies sei ein positiver Effekt, da der Februar erfahrungsgemäß frostig werden und die Ernte gefährden könne, wenn das Pflanzenwachstum zu weit fortgeschritten sei.

Boomers: Auch der Ohligser Heide tut der Regen mehr als gut

Zufrieden schaut auch Dr. Jan Boomers auf den Regen. Aber aus anderem Grund: „Das hat in der Tat den positiven Effekt, dass sich die Wasserspeicher im Bergischen Land wieder gut aufgefüllt haben und ausreichend pflanzenverfügbares Wasser im Boden ist.“ Gut erkennbar sei das an Stillgewässern oder dem Grundwasserspiegel in der Ohligser Heide. Doch eine Sicherheit für die Pflanzenwelt bedeutet das nicht: Im Dürrejahr 2018 sei die Natur ähnlich feucht gestartet, dann habe es aber monatelang nicht geregnet und es sei sehr heiß gewesen. Bleibe der Sommer 2022 normal, sei aber alles im Lot.

Freude über schlechtes Wetter herrscht sonst meist bei Kinobetreibern. Allerdings überwiegt dort derzeit die Unsicherheit rund um Corona. Sehr erfolgreich seien James Bond und Spiderman gewesen – unabhängig von Wetter oder Pandemie. „Ein trübes Wetter spielt uns natürlich immer in die Karten, dies ist aber nur ein zusätzlicher Faktor“, so Frank Lichtenberg, Assistent der Geschäftsführung im Lumen.

Hintergrund: Das ist „Cocooning“

Als „Cocooning“ (hergeleitet vom Insekten-Kokon) wird der Rückzug aus der Umwelt in das eigene Zuhause bezeichnet – das Wetter hat daran allerdings nur temporären Anteil. In der Regel wird die Außenwelt als zu komplex oder bedrohlich empfunden – was wiederum durch Corona verstärkt wird. So ist bereits das Kunstwort „Cor-Cooning“ entstanden.

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