Fragen und Antworten zum „königlichen Spiel“

Schachspiel fordert beide Gehirnhälften

Im Schachzentrum trainieren jeden Freitag Kinder und Jugendliche: (v.l.) Max, Aanad, Deya, Ferdinand, Oliver Kniest, Sarah, Helmut Busse und Batuhan.
+
Im Schachzentrum trainieren jeden Freitag Kinder und Jugendliche: (v.l.) Max, Aanad, Deya, Ferdinand, Oliver Kniest, Sarah, Helmut Busse und Batuhan.

Die Schachgesellschaft Solingen ist erfolgreich in der 1. Bundesliga und setzt viel Wert auf die Nachwuchsförderung.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Das „königliche Spiel“ wird Schach nicht nur deshalb genannt, weil es letztendlich um den König geht, den es Matt zu setzen gilt, sondern auch aufgrund der hohen Komplexität des Brettspiels, das als Sportart eingestuft ist. Oliver Kniest, 1. Vorsitzender der Schachgesellschaft Solingen, erklärt, wie positiv sich das Spiel auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen auswirken kann.

Welche Angebote gibt es im Schachzentrum Solingen an der Birkerstraße?

Das Schachzentrum ist nicht auf bestimmte Altersgruppen festgelegt. Freitags ab 17 Uhr ist regelmäßig das Jugendtraining, dabei sind die Jüngsten fünf Jahre alt und noch im Kindergartenalter. „Das geht dann hoch bis 18 Jahre“, so Kniest. Im Training wird versucht, die Spieler nach Alter aber auch nach Spielstärke und Erfahrung in Gruppen zusammenzufassen. „Im Gegensatz zu anderen Sportarten ist das Alter beim Schach aber nur eine untergeordnete Komponente“, so Kniest.

Wie viele Kinder und Jugendliche sind dort aktiv?

Insgesamt sind etwas über 40 Kinder und Jugendliche im Verein aktiv, also mehr als ein Drittel der insgesamt 150 Mitglieder. „Wir haben eine erfolgreiche Mädchenabteilung, aber einen deutlichen Überschuss an Jungen“, weist Kniest auf ein Phänomen der Sportart hin. „Der Deutsche Schachbund hat eine schlechtere Frauenquote als der Deutsche Boxverband.“ Aber in allen Bereichen können die Solinger Erfolge vorweisen. „Solingen war bis vor zwei Jahren Deutscher Rekordmeister, die Herren waren schon zwölfmal Deutscher Meister. Wir spielen bei den Herren, den Damen und den Jugendlichen in der Bundesliga“, betont der Vorsitzende nicht nur die Breitensport- sondern auch die Spitzensport-Förderung. Ein Jugendlicher ist aktuell Jugend-Europameister.

Ab welchem Alter macht es Sinn, Schach zu erlernen?

Möglich sei das durchaus ab dem Kindergartenalter, die meisten Kinder fangen mit dem Schachspielen aber im Grundschulalter an.

Geht es um das Spiel mit einem realen Gegner oder macht auch Schach am Computer Sinn?

„Im Verein legen wir besonderen Wert auf das Miteinander als soziale Komponente“, so Oliver Kniest. Beim Schachspiel sei es wichtig, zu lernen, dass man gewinnen aber auch verlieren kann. Anders als in anderen Sportarten habe man keine Ausrede, kann es nicht auf den Schiedsrichter oder das Wetter schieben. „Diese Komponente kommt besonders gut raus, wenn man gegen einen Gegner spielt.“ Auch bei den gemeinsamen Fahrten zu Turnieren stehe der Gruppengedanke im Vordergrund. Gerade nach der Pandemie haben wir viele Kinder, die kommen und im Verein mitspielen möchten.

Wie hilft Schach bei der kognitiven Entwicklung?

Schach hat viele kognitive Komponenten. Gerade bei Kindern werde auf spielerische Art und Weise Konzentrationsfähigkeit geschult. „Man muss still sein und sich auf eine Sache konzentrieren. Das ist eine Entschleunigung im Vergleich zu Computer-Programmen.“ Das Spiel schule auch die Problemlösungskompetenz, da man bei jedem einzelnen Zug eine Entscheidung treffen muss, die man dann verantworten muss, weil sie die eigene Stellung positiv oder negativ beeinfluss.

Bei einem Wettkampf hat man zudem nur bestimmte Bedenkzeit – bei Turnierpartien pro Zug im Schnitt 3 Minuten, beim Blitzschach nur 5 Minuten für die gesamte Partie. „Man hat also auch nicht ewig Zeit, zu grübeln.“ Wenn man beim Schach Züge vorausdenkt, muss man gut visualisieren können, man trainiert das räumliche Vorstellungsvermögen. „Es gibt Studien, die belegen, dass man beim Schachspielen beide Gehirnhälften benutzt, die logisch-mathematische und die räumlich-kreative.“ Zudem wird das Gedächtnis trainiert. Für ältere Menschen ist das Schachspiel langfristig auch eine sehr gute Vorbeugung, um Demenz zu verhindern.

Infos

Verein: Die SG spielt in der Schachbundesliga und ist neben dem Hamburger SK der einzige Verein, der der 1. Bundesliga seit deren Einführung 1980 angehört.

Training: Jugendtraining freitags ab 17 Uhr, Birkerstraße 31.

www.schachgesellschaft.de

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Borbet schließt Standort in Solingen
Borbet schließt Standort in Solingen
Borbet schließt Standort in Solingen
Schlägerei auf Feier: 17-Jähriger schwer verletzt
Schlägerei auf Feier: 17-Jähriger schwer verletzt
Schlägerei auf Feier: 17-Jähriger schwer verletzt
St. Lukas Klinik: „Abriss ist wohl die einzige Alternative“
St. Lukas Klinik: „Abriss ist wohl die einzige Alternative“
St. Lukas Klinik: „Abriss ist wohl die einzige Alternative“
Diskussion über Chancen für den Standort Solingen
Diskussion über Chancen für den Standort Solingen
Diskussion über Chancen für den Standort Solingen

Kommentare