Bundestagswahl 2021

Sänger setzen auf eine stabile Wirtschaft

Großes Interesse an der aktuellen Politik bekunden die Sänger des Chors der Bergischen. Wir haben sie bei einer Probe im Helga-Leister-Haus besucht. Foto: Philipp Müller
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Großes Interesse an der aktuellen Politik bekunden die Sänger des Chors der Bergischen. Wir haben sie bei einer Probe im Helga-Leister-Haus besucht.

Mitglieder des Chors der Bergischen wollen alle zur Wahl gehen.

Von Philipp Müller

Solingen. Politikverdrossenheit ist bei den Mitgliedern des Bergischen Männerchors Solingen von 1801 ein Fremdwort. Auf die Frage beim Besuch im Helga-Leister-Haus, ob die Politik den Senioren noch etwas geben könne, oder ob sie sich dafür vielleicht nicht mehr interessieren, kommt als Reaktion eher Entrüstung. Natürlich sei Politik wichtig, heißt es einstimmig.

„Die 30 Prozent, die nicht wählen, sind nicht hier“, beteuert einer der Sänger. Was sie wählen, verraten sie dagegen nicht alle. Muss nicht, es herrscht ja Wahlgeheimnis. Spitzbübisch kommt dann aber doch eine „Wahlempfehlung“: „Wer mir verspricht, dass ich noch sechs oder acht Jahre lebe, den wähle ich.“

Doch es darf bei den gestandenen Männern auch durchaus tiefgründig zugehen, wenn sie über Politik sprechen. Uli Goeres vom Vorstandsteam der Bergischen sagt: „Viel fokussiert sich auf die Spitzenkandidaten. Eine redet schnell, einer legt sich nicht fest und der Dritte hat eine ruhige Art.“ Dann nickt er und alle wissen, dass er Olaf Scholz von der SPD meint und für sich als Favoriten sieht. „Die Raute vor der Wahl kann er schon.“

Doch konservativ denkende Wähler gibt es unter den Sängern natürlich auch. „Ich bin ein Mann der Mitte“, sagt etwa Paul Wobst. Der frühere Unternehmer verweist darauf, dass es vor allem um die Wirtschaft geht. Sie müsse stabil bleiben, sonst könne man sich die ganzen neuen Projekte auch nicht leisten. Unternehmerkollege Peter Unshelm sieht das auch so. Und der Schwertfeger argumentiert scharf wie seine Klingen: „Es kann nicht sein, dass die Großunternehmen keine Steuern bezahlen. Das machen sie dann in Übersee, aber nicht bei uns.“

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Wie Wobst schaut er auf das Große und Ganze, was jetzt etwa in Sachen Klimaschutz anstehen wird. „Es muss alles bezahlbar sein. Und das bezahlt am Ende immer der Mittelstand.“ Er verweist auch darauf, dass die Volkswirtschaft dazu eine starke Industrie brauche, die ebenfalls oft vom Mittelstand und dessen Familien geprägt sei.

„Es kann nicht sein, dass die großen Unternehmen keine Steuern bezahlen.“

Peter Unshelm, Sänger und Stahlwaren-Unternehmer

Den Wahlkampf verfolgen die Sänger alle. Aber es wird auch Kritik laut. So verweist einer der Bergischen darauf, dass nach seiner Meinung die Kandidaten zu sehr im Mittelpunkt stehen und die Programme kaum. Da bekommt er Zustimmung aus der Runde.

Auf die Anfangsfrage zurückkommend, ob die Herren im Alter überhaupt noch Sinn für Politik haben, hatte Uli Goeres fast eine philosophische Antwort: „Wenn man keine Erwartungen mehr hat, geht man nicht mehr wählen.“ Die Bergischen haben Erwartungen – und wie.

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