Kreissängervereinigung

Sänger müssen nach Corona ihre Stimmen neu ausbilden

Seit 25 Jahren leisten Andreas Imgrund (l.) und Jürgen Gerhards Vorstandsarbeit in Chören und in der Kreissängervereinigung. Foto: Michael Schütz
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Seit 25 Jahren leisten Andreas Imgrund (l.) und Jürgen Gerhards Vorstandsarbeit in Chören und in der Kreissängervereinigung.

Solinger Chorszene blickt auf 75 Jahre Kreissängervereinigung zurück.

Von Philipp Müller

Im Jahr 1946, Solingen war in weiten Teilen immer noch von den Folgen des Zweiten Weltkriegs geprägt, wurde schon wieder im Verein gesungen. Das war der Grund, den Dachverband der Kreissängervereinigung zu gründen, erzählt Andreas Imgrund. Er ist heute Vorsitzender der Vereinigung, die seit 2016 auch Sänger und Sängerinnen aus Wuppertal betreut.

Damals vor 75 Jahren hätten die Briten als Besatzungsmacht die Erlaubnis erteilt, überhaupt wieder in Gemeinschaft proben zu dürfen. Der örtliche Verband wurde dann im Herbst 1946 formell gebildet. Bei dieser Geschichte hört auch Jürgen Gerhards im Helga-Leister-Haus zu, dem Ort, an dem viele Chöre heute proben beziehungsweise es unter den geltenden Coronabedingungen versuchen. Gerhards ist in diesem Jahr ebenfalls 75 Jahre alt geworden. Er kann als wichtige Person der Solinger Chorlandschaft aus früheren Zeiten berichten. 1963 schloss er sich dem ersten Chor an, wechselte 1975 zu den Meigenern. „Damals standen wir noch mit 140 Leuten auf der Bühne.“ Heute undenkbar, bedauern Imgrund und Gerhards. Nicht wegen Corona, sondern einfach deshalb, weil die Chöre diese Stärke schon lange nicht mehr haben. Deshalb ist ihr Blick in die Vergangenheit auch nostalgisch.

Anfang der 150er Jahre gab es 63 Chöre unter dem Dach der Kreissängervereinigung. Heute sind es noch vier Männerchöre, zwei Frauenchöre und drei gemischte Ensembles mit Vereinsstruktur. „Dazu kommen aber noch die Chöre der Bergischen Chorakademie“, erklärt Imgrund. Zu verstecken brauchen er und Gerhards sich aber sicher nicht.

Beide sind seit 25 Jahren auch in Vorständen von Chören und der Vereinigung aktiv. Sie setzen unter anderem auf das Internationale Bergische Chorfestival. Das soll 2023 wieder stattfinden und Chöre aus aller Welt in die Klingenstadt bringen. Das Festival wird heute unter dem Dach der Musikschule durchgeführt und geht auf die „Zentralstelle für den deutschsprachigen Chorgesang in der Welt“ zurück. Diese Zentralstelle, 1996 vom früheren Kulturamtsleiter Hans Demmer mit aus der Taufe gehoben, und das Festival blicken auch auf 25 Jahre zurück.

Chöre fangen fast wieder ganz von vorne an

Die Chorszene in Solingen müsse sich aktiv der Zukunft stellen, erklären Gerhards und Imgrund. So sei der Weg richtig, vom klassischen Vorstand aufs Team zu setzen. Das klappe bei den Wupperhofern gut, sagt Imgrund, die Arbeit verteile sich mittlerweile auf vielen Schultern. Ein Zurück in den Probenalltag sehen beide auch. Die meisten sind geimpft. Aber, erklärt Gerhards: „Die Stimmen sind eingerostet.“ Wenn man wisse, wer nach der langen Pause überhaupt wieder zurück in die Reihen der Chöre finde, „steht deshalb Stimmbildung an erster Stelle“, erläutert Andreas Imgrund. „Es ist fast ein Neubeginn wie 1946.“

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