Neumarkt

Rund 400 Solinger gedenken der fünf toten Kinder

Viele Teilnehmer der Gedenkminuten legten auf dem Neumarkt Kerzen und Blumen nieder.
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Viele Teilnehmer der Gedenkminuten legten auf dem Neumarkt Kerzen und Blumen nieder.

Bündnis Bunt statt Braun lud zu Trauerminuten auf den Neumarkt

Von Andreas Tews

Solingen. Dass die Solinger gerade in schweren Stunden zusammenhalten, brachten rund 400 Trauernde am Freitag auf dem Neumarkt zum Ausdruck. Sie gedachten der fünf Opfer der Tragödie von der Hasselstraße bei 20 stillen Gedenkminuten. „Heute trauern und schweigen wir“, erklärte Erik Pieck vom Bündnis „Solingen ist bunt statt braun“, das zu der Zusammenkunft aufgerufen hatte.

Nicht nur die Menschen von der Hasseldelle seien von der Tragödie tief getroffen, sagte Oberbürgermeister Tim Kurzbach und fügte hinzu: „Wir trauern zusammen. Es tut noch weh, und es ist unfassbar.“ Er dankte den vielen Solingern, die am Vorabend als Zeichen des Mitgefühls Kerzen in die Fenster ihrer Wohnungen und Häuser gestellt hatten.

Kerzen und Blumen hatten auch viele der Trauernden am Freitag zum Neumarkt mitgebracht. Sie legten diese auf den Stufen des Platzes nieder. Vielen war die Trauer und das Entsetzen über die Geschehnisse vom Donnerstag anzusehen.

Als Zeichen der Trauer hatten die im Stadtrat vertretenen Parteien ihre für am Freitag und Samstag geplanten Wahlkampfaktionen abgesagt. Die AfD hingegen hielt wenige Stunden vor dem Gedenken ebenfalls auf dem Neumarkt eine Kundgebung mit drei Rednern – unter anderem mit dem Europaabgeordneten Guido Reil – und etwa 20 Teilnehmern ab. Begleitet wurde diese von etwa einem Dutzend Gegnern der rechtspopulistischen Partei und einem auffälligen Polizeiaufgebot mit mindestens zehn Einsatzwagen.

Das Bündnis „Bunt statt braun“ hatte ursprünglich für den späten Nachmittag zu einer Anti-AfD-Kundgebung eingeladen. Wegen der Tragödie von der Hasseldelle sagten die Aktiven der Initiative diese aber ab und luden stattdessen zu den Gedenkminuten ein. Der neue Titel der Veranstaltung lautete „Solingen hält zusammen – in stiller Trauer“.

Den Wahlkampfverzicht der meisten Parteien werteten Erik Pieck, Hans-Werner Bertl und Daniela Tobias als Sprecher des Bündnisses positiv. „Auch wir sehen, dass jetzt nicht die Zeit für viele Worte ist, sondern für stille Trauer. Wir dürfen nicht in Konkurrenz zum Gedenken stehen.“

Besonders emotional wurde es für viele Trauernde auf dem Neumarkt, als der Merscheider Gesangsverein das Lied „Die Rose“ (Original: „The Rose“) anstimmte, das mit tröstenden Zeilen endet:

„Wenn Du denkst, Du bist verlassen / und kein Weg führt aus der Nacht. / Fängst Du an, die Welt zu hassen, / die nur and’re glücklich macht. / Doch vergiss nicht, an dem Zweig dort, / der im Schnee beinah’ erfror, / blüht im Frühjahr eine Rose, / so schön wie nie zuvor.“

Standpunkt

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de

Ein Kommentar von Björn Boch

Dass am Freitag rund 400 Menschen auf den Neumarkt kamen, um der fünf toten Kinder zu gedenken, lässt erahnen, wie schwer die Tat den Menschen zusetzt. Zu unbegreiflich sind die Tat selbst und die Umstände, die zu ihr geführt haben müssen. Wenige Tage vor der Wahl sollte eigentlich die Zukunft der Stadt im Mittelpunkt stehen – stattdessen muss nun die Gegenwart bewältigt werden. Die Parteien im Solinger Rat haben mit der fraktionsübergreifenden Wahlkampf-Pause schnell und klug reagiert. Niemand will in den Verdacht geraten, eine Tragödie für parteipolitische Zwecke zu missbrauchen. Zwar gab es von Politikern viele Posts in den sozialen Netzwerken. Doch es wurde auch dort der persönlichen Trauer Raum gegeben. Politische Pressemitteilungen zu der Tat sucht man vergebens. Das ist, genau wie die gemeinsame Trauer der 400 Menschen, ein beeindruckendes Zeichen.

Die unrühmliche Ausnahme bildet die Solinger AfD, die wenige Stunden vor dem Gedenken der Solinger am Neumarkt eine Wahlkampfveranstaltung abhielt. Weiter entfernt vom Puls der Stadt kann man kaum sein.

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