Romea und Julio sind interaktive Browserfiguren

Regisseur Andreas Schäfer und Sonja Baumhauer, Leiterin des Kulturmanagements, stellen das neue Konzept vor. Foto: Christian Beier
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Regisseur Andreas Schäfer und Sonja Baumhauer, Leiterin des Kulturmanagements, stellen das neue Konzept vor. Foto: Christian Beier

Kulturmanagement integriert das preisgekrönte digitale Spielkonzept von Regisseur Andreas Schäfer in seine Neuausrichtung

Von Jutta Schreiber-Lenz

Romeo und Julia: Wer kennt es nicht, das wohl berühmteste Theater-Liebespaar, das schließlich im doppelten Tod endet, weil Loyalitätszwänge ihrer miteinander verfeindeten Familien kein Happy End zuließen. Bei Andreas Schäfer, Solinger Regisseur und Autor, wird aus Shakespeares Renaissance-Tragödie ein interaktives Browser-Spiel am Rechner. Das ist demnächst auf der Internetseite des Kulturmanagements herunterladbar.

„Man kann wahlweise in eine der beiden Figuren schlüpfen und muss versuchen, sich gegen Vorurteile, Schubladendenken, Anfeindungen oder andere Widerstände der ,verflixten Familien‘ (so der Untertitel des Spiels) zu behaupten“, erklärt Schäfer, der für dieses Konzept vom NRW-Kultursekretariat mit einem Preis ausgezeichnet wurde. Er habe sich mit dem Spielentwicklungsstudio CrystalMesh einen pfiffigen Gestaltungspartner mit ins Boot geholt, der seine Idee, eine Brücke vom klassischen Theaterstoff in die moderne Zeit zu schlagen, gut umgesetzt habe.

Optisch durch Kleidung und Frisuren offensichtlich dem 15. Jahrhundert zugehörig, müssen sich „Romea und Julio“ im Spiel des aktuellen Themas der Diversität stellen. Zum Beispiel der Aufgabe, ihre Familien mit gleichgeschlechtlicher Liebe zu konfrontieren oder dem eigenen Wunsch, das Geschlecht zu verändern. Die jeweiligen Entscheidungen der Figuren beeinflussen dann den Spielverlauf: Jeder Spieler kommt folglich zu jeweils seinem individuellen Finale.

Solinger Stück gehört zu den landesweit fünf Prämierten

Eine „Brücke“ schlägt Schäfer mit diesem Spiel auch vom klassischen Theater zur digitalen Dramaturgie und folgte damit exakt der Vorgabe des NRW Kultursekretariats (NRWKS). Das hatte im Mai mit einem „Open Call“ Theatermacher und Digitalexperten eingeladen, förderfähige Konzepte für digitale Erzähl-Dramaturgien und Performance-Entwürfe zu entwickeln. Der virtuelle Raum sollte in die Performance-Künste konsequent einbezogen werden.

60 Vorschläge waren eingereicht worden. Andreas Schäfer gehört mit seinem „Romea und Julio“ zu den fünf Prämierten. „Was hier in der Corona-Zeit entstanden ist, soll als Beginn einer Weiterentwicklung im Kulturangebot von Solingen verstanden werden“, sagte Sonja Baumhauer, seit dem Frühling neue Leiterin des Solinger Kulturmanagements und offen für neue Wege und Konzepte. Neben klassischen Aufführungen wolle sie gerne verstärkt auch interaktive Formate anbieten. „Nicht nur konsumieren, sondern in Dialog treten.“ Theater als Teil einer demokratischen Gesellschaft solle ja nicht nur „verkünden“, sondern zum Denken und Diskutieren anregen. „Für die junge Generation gehören digitale Elemente völlig selbstverständlich zum Leben – und damit auch zur Kunst, da wird es höchste Zeit, Schnittmengen zu suchen. Theater soll ja auch die Lebenswelt der jüngeren Generation abbilden.“

NRW Kultursekretariat

Förderung: Das NRW Kultursekretariat (NRWKS) ist eine öffentlich-rechtliche Kulturförderinitiative von 21 Städten mit Theatern oder Orchestern und des Landschaftsverbands in Nordrhein-Westfalen. Solingen ist seit Anfang des Jahres Mitglied. Andreas Schäfer hatte dabei auch schon die Regie und Leitung bei internationalen Theater- und Kunstevents.

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