Attacken auf Helfer nehmen zu

Respekt gegenüber Einsatzkräften schwindet

Immer wieder kommt es vor, dass Autofahrer versuchen, an Absperrungen vorbeizufahren, wie hier an der Kreuzung Werwolf.
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Immer wieder kommt es vor, dass Autofahrer versuchen, an Absperrungen vorbeizufahren, wie hier an der Kreuzung Werwolf.

Polizeibeamte und Feuerwehrleute werden im Dienst immer häufiger beschimpft oder gar körperlich angegriffen.

Von Kristin Dowe

Beschimpfungen, Spucken, Treten und Beißen – Polizisten müssen sich im Einsatz heutzutage so einiges gefallen lassen. Auch im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Wuppertal mit seinen Städten Solingen, Wuppertal und Remscheid ist die Zahl der Fälle von Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte seit 2013 jedes Jahr kontinuierlich gestiegen: Wurden 2012 noch 1039 solcher Fälle dokumentiert, hatte die Polizei Wuppertal 1537 tätliche Übergriffe auf Beamte im Jahr 2017 zu verzeichnen. „Die Zahl für das vergangene Jahr ist noch nicht genau erfasst, dürfte aber in etwa ähnlich hoch sein“, berichtet Polizeisprecher Stefan Weiand und stellt fest: „Der Ton gegenüber der Polizei ist insgesamt schärfer geworden.“

Ein Paradebeispiel führt Weiand aus der Silvesternacht in Solingen an: Jugendliche hatten an der Dorper Straße Böller auf vorbeifahrende Fahrzeuge geworfen. Als Polizeibeamte die Gruppe zur Rede stellen wollten, verschwanden die Jugendlichen in einem Haus. „Vor der Tür hatte sich dann eine Front von 15 bis 20 Personen gebildet, die versuchten, die Polizei daran zu hindern, das Haus zu betreten“, berichtet Weiand. Erst als weitere Kräfte hinzugezogen wurden, konnte die Situation geklärt werden. „Der Kollege ist bei dem Einsatz verletzt worden. Auf die Beteiligten kommt nun ein Verfahren wegen versuchter Gefangenenbefreiung zu“, so Weiand.

Vor allem bei Fußballspielen und Demonstrationen gehe es zuweilen raubeinig zur Sache. Ein Phänomen, das Björn Lüdtke, stellvertretender Kreisvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) für das Bergische Land, nur bestätigen kann: „Die Hemmschwelle, sich über polizeiliche Weisungen hinwegzusetzen, ist gesunken. Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem.“

Erschwerend hinzu komme bei Konfliktsituationen, dass manche Bürger nicht nur gewalttätig reagieren, sondern polizeiliche Maßnahmen mit dem Smartphone fotografieren oder filmen – sei es aus blankem Voyeurismus oder mit dem Ziel, das Material später im Netz zu veröffentlichen und als Druckmittel gegen die Polizei einsetzen zu können. „Als erfahrener Polizist lasse ich mich davon nicht beeindrucken und setze eine Maßnahme konsequent um. Ein Kollege, der gerade von der Polizeischule kommt, lässt sich da schon eher verunsichern“, fürchtet der Gewerkschafter.

Autofahrer ignorieren bei Unfällen polizeiliche Absperrungen

Nicht nur bei Auseinandersetzungen mit vornehmlich polizeibekanntem Klientel, sondern auch bei Verkehrsunfällen überschreitet mancher Bürger buchstäblich Grenzen: So auch in der vergangenen Woche, als es an der Kreuzung Werwolf zu einem schweren Verkehrsunfall mit drei Verletzten gekommen war. Ein Leser des Solinger Tageblattes (Name ist der Redaktion bekannt) hatte die Situation beobachtet und sich an die Redaktion gewandt: „Die Rettungskräfte waren noch mitten auf der Straße mit der Versorgung der Verletzten beschäftigt, als mindestens drei Autos einfach an der Absperrung vorbeigefahren sind“, empört sich der Mann. „So etwas Dreistes habe ich selten gesehen.“ Belangt worden seien die Fahrer nicht, wofür der Leser Verständnis hat: „Die Polizei hat in einer solchen Situation Wichtigeres zu tun, als auch noch ein Strafverfahren einzuleiten.“

ATTACKEN AUF HELFER NEHMEN ZU

STUDIE Die Ruhr-Universität Bochum hat im Jahr 2017 eine Studie über Gewalt gegen Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst durchgeführt. Von 810 Befragten in Nordrhein-Westfalen gaben rund 13 Prozent an, im vergangenen Jahr Gewalt bei einem Einsatz erfahren zu haben. 60 Prozent wurden in dem Zeitraum beleidigt oder bedroht.

KAMPAGNE Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft in Solingen hat eine Kampagne mit dem Titel „Respekt? Ja, bitte!“ ins Leben gerufen und unter anderem einen Kurzfilm über das Thema gedreht, um auf die Problematik aufmerksam zu machen. Weitere Informationen über die Gewerkschaft gibt es online unter

https://dfeug.de/

Beleidigungen oder gar körperliche Angriffe auf Polizeibeamte würden derweil konsequent geahndet, heißt es bei der Polizei. Dabei werden nicht nur Polizeibeamte, sondern auch Feuerwehrleute und Rettungssanitäter immer häufiger bei Einsätzen behindert, beobachtet auch Ingo Schäfer, Vorsitzender der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft, die ihren Sitz in Solingen hat. „Die Kollegen berichten häufiger, dass sie bei einem Einsatz aggressiv angegangen wurden. So etwas ist schwer auszuhalten.“

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