Saftige Rechnung

Rentner soll 400 Euro für Strom nachzahlen

Rolf Stutenbecker traute seinen Augen nicht, als er die Post der Stadtwerke Solingen öffnete. Foto: Michael Schütz
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Rolf Stutenbecker traute seinen Augen nicht, als er die Post der Stadtwerke Solingen öffnete.

Stadtwerke schätzen Elektrizitätsverbrauch – Ablesen war wegen Corona ausgesetzt.

Von Philipp Müller

Solingen. Rolf Stutenbecker traute seinen Augen nicht, als er die Post der Stadtwerke Solingen öffnete. Er erhielt eine Stromrechnung mit rund 400 Euro Nachzahlung und eine um fast 100 Prozent erhöhte Vorauszahlung. Eine Rückfrage im Service-Center der SWS ergab, dass der Zählerstand maschinell geschätzt worden, ein Ablesen des Zählerstands wegen Corona nicht möglich gewesen sei. Inzwischen hat er den aktuellen Zählerstand übermittelt. Damit werde er auch zeitnah eine neue Rechnung und Festsetzung der Vorauszahlung erhalten, versichert SWS-Sprecherin Lisa Nohl. Die Nachzahlung sei heftig und ungewöhnlich hoch, daher werde man sich jetzt beeilen, das Problem aus der Welt zu schaffen.

Für den 72-jährigen Rentner, der in der neugebauten Siedlung des Spar- und Bauverein am Wasserturm lebt, ist die Sache damit aber nicht vom Tisch. Denn er hat Fragen. Es seien in dem Neubau digitale Zähler eingebaut worden, könne man die nicht aus der Ferne, quasi „per Knopfdruck“ auslesen? Lisa Nohl erklärt, dass das nicht so einfach sei: „Die digitalen Zähler, also die modernen Messeinrichtungen vor Ort, haben diese Funktion nicht, sie sollen dem Kunden mehr Transparenz über seinen eigenen Stromverbrauch geben. Entsprechend heißt digitaler Zähler nicht automatisch: Ablesung aus der Ferne.“

„Wir sind bemüht, eine hohe Quote an Ablesungen zu erreichen.“

Lisa Nohl, SWS-Sprecherin

Erst ab einem Jahresverbrauch von mehr als 6000 kWh müssten digitale Zähler überhaupt fernausgelesen werden, was aber die weit überwiegende Anzahl der Kunden gar nicht betreffe. „Dieser Rollout steht auch mangels Verfügbarkeit der Geräte in Gänze noch aus.“

Daher werde ein Zählerstand geschätzt, treffe man den Kunden nicht an oder führe man die Ablesung vor Ort nicht durch. Das sei durch Corona zwischenzeitlich der Fall gewesen, aber das Ableseteam sei wieder unterwegs.

Nur in rund drei Prozent der Fälle komme es überhaupt zu Schätzungen. Dies liege an der Vorgehensweise, erklärt Lisa Nohl: „Die Netze Solingen führen mehrere Ableseversuche durch und – sollten diese erfolglos bleiben – wird eine Karte zur Selbstablesung hinterlassen.“ Sollte trotz dieser Maßnahmen am Ende dennoch kein Zählerstand vorliegen, erfolge eine Schätzung des Zählerstandes, der als solcher in der Rechnung ausgewiesen werde. Dass die Stadtwerke den Verbrauch schätzen dürfen, habe rechtliche Gründe.

Gemäß der von der Bundesnetzagentur festgelegten Geschäftsprozesse zur Kundenbelieferung mit Elektrizität und Gas erfolge die Schätzung bis zum 28. Tag nach dem Sollablesedatum, sagt Nohl. „Das versuchen wir aber durch die oben genannten Maßnahmen zu verhindern.“

Doch was kann ein SWS-Kunde tun, wenn er geschätzt wird? Zunächst einmal gelte dies, erklärt die SWS-Pressesprecherin: „Die Netze Solingen sind verpflichtet, die von der Bundesnetzagentur vorgegebenen Regelungen, wie oben beschrieben umzusetzen. Gleichzeitig sind wir aber immer bemüht, eine höchstmögliche Quote der durchgeführten Ablesung zu erreichen und somit die Anzahl der erforderlichen Schätzungen gering zu halten.“ Das werde man nach der Corona-Ablese-Unterbrechung auch wieder erreichen können.

Ansonsten sei es richtig, wie sich Rolf Stutenbecker jetzt verhalten habe, ergänzt Lisa Nohl. Die Kontaktaufnahme zum Servicecenter der SWS sei der erste Weg. Mit einem dabei korrekt übermittelten Zählerstand könnten ihre Kollegen dann zeitnah eine passende Abrechnung erstellen. Auf die hofft jetzt auch Stutenbecker, denn er müsse mit seiner Rente scharf kalkulieren.

Kontakt zu den Stadtwerken

Das Servicecenter kann zu den üblichen Öffnungszeiten an der Beethovenstraße 210 besucht werden. Kontakt: Tel. 0800 2345 344.

Geöffnet ist Montag bis Donnerstag zwischen 8 und 15 Uhr, am von Freitag 8 bis 12 Uhr. „Ein persönliches Gespräch ist ausschließlich mit Maske möglich“, erklärt Karin Krause, die Leiterin der Kundeberatung bei den Stadtwerken.

Von einer Wasserknappheit sei Solingen zwar noch ein gutes Stück entfernt, versichert Norbert Feldmann. Die Stadtwerke bereiten sich nach Angaben ihres Hauptabteilungsleiters Wassermanagement aber auf einen möglichen trockenen Sommer vor.

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