Wichtige Hürde geschafft

Welterbe: Müngstener Brücke ist der einzige Vorschlag aus NRW

Hat eine weitere Hürde genommen: die Müngstener Brücke und ihre Bewerbung für die Unesco-Weltkulturerbe-Liste. Foto: Christian Beier
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Hat eine weitere Hürde genommen: die Müngstener Brücke und ihre Bewerbung für die Unesco-Weltkulturerbe-Liste.

Das Land NRW hat die Bewerbung der „Europäischen Großbrücken des 19. Jahrhunderts“ an den Bund gemeldet. Das Bergisches Bauwerk setzte sich in einem Jury-Prozess durch.

Ministerin Ina Scharrenbach (Mi.) überbrachte die frohe Kunde aus Düsseldorf. Im Hintergrund ist das historische Bauteil der Müngstener Brücke zu sehen, das Werner Lübberink (r.) an die bergischen Oberbürgermeister Uwe Schneidewind (Wuppertal), Burkhard Mast-Weisz (Remscheid) und Tim Kurzbach (Solingen), v.l., übergab.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Die Müngstener Brücke hat einen weiteren Schritt Richtung Welterbe gemacht: Das Land NRW hat das Bauwerk, das in diesem Jahr seinen 125. Geburtstag feiert, für die bundesdeutsche Vorschlagsliste zukünftiger Welterbestätten gemeldet. Als einzigen Vorschlag aus Nordrhein-Westfalen. NRW-Heimat-Ministerin Ina Scharrenbach war am Freitag persönlich zur Brücke gekommen, um die gute Nachricht zu überbringen.

„Wir sind stolz darauf, dass wir in Nordrhein-Westfalen dieses beeindruckende und international bedeutende Bauwerk haben“, betonte Scharrenbach – und erinnerte an die Geschichte der Brücke, an ihre Bedeutung für die Beziehungen im Bergischen und an die innovativen Methoden, mit denen sie einst gebaut worden war. All das habe dazu geführt, dass sich die Müngstener Brücke in einem Jury-Prozess NRW-intern durchgesetzt habe. Ihr Fazit: „Sie ist gefühlt schon Welterbe.“

Unesco-Welterbe: Land schlägt Müngstener Brücke vor

Doch der Weg bis zum echten Welterbe-Titel sei noch weit, mahnte Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach. Der Prozess werde Jahre dauern, auch weil es nun gelte, sich unter den Vorschlägen aller 16 Bundesländer zu behaupten. „Doch wie so oft ist auch hier der Weg das Ziel“, sagte Kurzbach. „Es wäre ja fast schade, wenn wir morgen schon unser Ziel erreichen würden.“ Schließlich sei der Bewerbungsprozess auch durch den regen Austausch mit den europäischen Partnern geprägt. Die Müngstener Brücke bewirbt sich in einem Verbund von sechs großen Bogenbrücken aus dem 19. Jahrhundert als Unesco-Welterbe, zusammen mit je zwei Brücken aus Frankreich und Portugal und einer weiteren aus Italien. Dazu sind internationale Treffen und Workshops geplant. Unter anderem auch zum Jubiläum der Müngstener Brücke im August im Bergischen.

Zudem sollen in allen beteiligten Städten Fördervereine und schließlich eine gemeinsame Stiftung mit Sitz in Solingen gegründet werden, um das Vorhaben zu unterstützten, erklärte Remscheids Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz: „Wir werden auch Geld sammeln müssen.“ Denn die Bewerbung werde in den kommenden Jahren wohl einen siebenstelligen Betrag kosten, unter anderem für Gutachten. „Aber das ist gut investiertes Geld“, so Mast-Weisz. Denn die Müngstener Brücke sei nicht nur wichtig für die Identität im Bergischen und für die Pendler in der Region, sondern locke längst auch Touristen an. Und als Welterbe vermutlich sogar noch mehr.

Deutsche Bahn schenkt ein historisches Bauteil

Neben den bergischen Großstädten und nun auch der Landesregierung unterstützt auch die Besitzerin der Brücke, die Deutsche Bahn, die Bewerbung. Um das Verfahren weiter zu begleiten, schenkte die Bahn nun dem Förderverein Welterbe Müngstener Brücke ein historisches Bauteil. Werner Lübberink, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn in NRW, überreichte das letzte der ehemals 62 Stahlelemente, die vor der Sanierung die Fahrbahn der Brücke bildeten. Das acht mal acht Meter große Element soll zukünftig vor Ort ausgestellt werden, so dass sich Besucher ein Bild von der Konstruktion des Bauwerks machen können.

Die Sanierungsarbeiten seien nach rund acht Jahren nahezu abgeschlossen, berichtet Projektleiter Hans Günter Gewehr: „Wir müssen nur noch einige Korrosionsschutzarbeiten vornehmen.“ Danach werde das Baufeld nahe des Schaberger Bahnhofs geräumt. Und das historische Brückenelement anstelle der Baucontainer aufgestellt. Die Stadt Solingen werde dann für Parkplätze sorgen, so Gewehr.

Auch für die Vereinskasse gab es etwas: Die Deepwood GmbH, die hinter der Touristenattraktion Brückensteig steckt, führt für jedes verkaufte Ticket zwei Euro an den Förderverein ab. Die ersten 20 000 Euro wurden nun übergeben. Die Nachfrage nach den Klettertouren sei hoch, berichten die Macher. Nach der Winterpause soll es Anfang März damit weiter gehen.

Hintergrund

Die Müngstener Brücke ist eine von mehr als 25 000 Eisenbahnbrücken im Besitz der Deutschen Bahn – aber eben auch eine besondere. Das am 15. Juni 1897 als Kaiser-Wilhelm-Brücke eröffnete Bauwerk galt seinerzeit als technisches Meisterwerk. Und bis heute als höchste Stahl-Eisenbahnbrücke Deutschlands. Vor allem für die Verbindung zwischen Remscheid und Solingen war und ist ihre Bedeutung enorm: Bis zur Eröffnung der Brücke betrug der Schienenweg zwischen den rund acht Kilometer entfernt liegenden Städten 42 Kilometer.Ein Skywalk ist im Gespräch - stößt aber auf Gegenwind.

Unser Bericht vom 14 Januar, 14.14 Uhr

Solingen/Remscheid. Hoher Besuch aus Düsseldorf: Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, ist am Freitag nach Solingen gekommen, um den drei bergischen Oberbürgermeistern und der Deutschen Bahn in NRW die gute Nachricht noch einmal ganz persönlich zu überbringen: Das Land Nordrhein-Westfalen hat die serielle, transnationale Bewerbung „Europäische Großbrücken des 19. Jahrhunderts“ zur Fortschreibung der bundesdeutschen Vorschlagsliste zukünftiger Welterbestätten an den Bund gemeldet – als einzigen Vorschlag aus NRW. Im Welterbe-Verfahren hat die Bewerbung der Müngstener Brücke in internationaler Gemeinschaft mit den Brücken Ponte Maria Pia und Ponte Dom Luis I. in Portugal, dem Garabit-Viadukt und dem Viaduc du Viaur in Frankreich und der Ponte San Michele in Italien damit eine erste wichtige Hürde genommen.

„Brücken verbinden zwei Seiten miteinander. Die Müngstener Brücke geht weit darüber hinaus: sie verbindet nicht nur die drei bergischen Städte, sondern diese auch mit unseren europäischen Partnern in Frankreich, Italien und Portugal“, hob die Ministerin hervor. „Wir sind stolz darauf, dass wir in Nordrhein-Westfalen dieses beeindruckende und international bedeutende Bauwerk haben und hoffen zusammen mit allen Beteiligten, dass wir gemeinsam den Weg zum UNESCO Welterbe weiterhin erfolgreich beschreiten werden.“

„Wir freuen uns sehr über das Vertrauen, das die Landesregierung in unsere Bewerbung setzt. Das zeigt: Wir haben alles richtig gemacht und damit überzeugt. Nun gehen wir mit ganzer Kraft weiter im Prozess, vor Ort und in Abstimmung mit unseren internationalen Partnern. Wir ziehen alle an einem Strang“, betonte Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach. Und er fügt hinzu: „Gemeinsam werden wir auch feiern. In diesem Jahr wird die Müngstener Brücke 125 Jahre alt. Sie ist ein beeindruckendes Monument der Ingenieurbaukunst und lässt jeden, der sie betrachtet, staunen. Bei einem Fest Ende August werden wir sie gebührend in Szene setzen.“

Remscheids Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz erläuterte die nächsten konkreten Arbeitsschritte. „Jetzt geht es vor allem darum, eine tragfähige Finanzstruktur zu entwickeln.“ Ziel sei eine Stiftung, die den europäischen Welterbeprozess unterstützt und begleitet. „Dazu werden in allen europäischen Partnerländern Fördervereine gegründet, die zunächst im eigenen Land Finanzmittel beschaffen, Freunde und Förderer gewinnen und etwa Veranstaltungen organisieren.“ Mast-Weisz wies darauf hin, dass der Förderverein „Welterbe Müngstener Brücke“ bereits im vergangenen März gegründet wurde. Zum Vorstand gehören die drei bergischen Oberbürgermeister sowie Werner Lübberink, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn in NRW. Im Namen des Vorstands überreichte der Vorsitzende Tim Kurzbach der Ministerin bei ihrem Besuch einen Ehrenpreis.

Wuppertals Oberbürgermeister Uwe Schneidewind wies darauf hin, dass man mit den Betreibern des Brückensteigs bereits einen wichtigen Förderer gewonnen habe: „Von jeder Eintrittskarte fließen zwei Euro an den Förderverein. 20.000 Euro konnten jetzt übergeben werden.“ Schneidewind betonte noch einmal den verbindenden europäischen Gedanken, der die Welterbe-Bewerbung prägt. „Wir haben ein gemeinsames Ziel und bündeln unsere Kräfte. Auf unserem Weg sind aus Partnern längst Freunde geworden.“

Werner Lübberink erklärte noch einmal mit Nachdruck: „Die Deutsche Bahn ist überzeugt von der WelterbeBewerbung. Wir wollen den Prozess zum Erfolg führen, gemeinsam mit unseren Partnern im Städtedreieck und auf internationalem Parkett.“ Die Deutsche Bahn habe sich deshalb auch entschieden, dem Förderverein ein originales Bauteil der Müngstener Brücke zu spenden. Im Namen der DB dankte er dem Verein für die Entscheidung, das Bauteil dauerhaft am Bahnhof Schaberg zu präsentieren und der Stadt Solingen, das Gelände unmittelbar an der Müngstener Brücke zur Verfügung zu stellen. Das Bauteil erlaube einen neuen und ganz nahen Blick auf die Architektur und vermittle Wissen zur Konstruktion. Dieser „Bildungsaspekt“ sei im Welterbeprogramm der UNESCO von großer Bedeutung und spiele deshalb auch im Bewerbungsverfahren eine wichtige Rolle

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