Müngstener Brücke

Oberbürgermeister: „Wir lassen uns den Skywalk nicht kaputtreden“

Im Juli 2020 präsentierten die Stadtoberhäupter Burkhard Mast-Weisz, Tim Kurzbach und der Remscheider Landtagsabgeordnete Sven Wolf (v.l.) ihre Idee für die Müngstener Brücke. Archivfoto: Christian Beier
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Im Juli 2020 präsentierten die Stadtoberhäupter Burkhard Mast-Weisz, Tim Kurzbach und der Remscheider Landtagsabgeordnete Sven Wolf (v.l.) ihre Idee für die Müngstener Brücke.

Oberbürgermeister weisen Kritik am Rad- und Wanderweg in der Müngstener Brücke zurück.

Remscheid/Solingen. Burkhard Mast-Weisz und Tim Kurzbach bleiben dabei: Die Müngstener Brücke soll einen Skywalk erhalten. Widerstand, wie er sich am Montag im ST artikulierte, zum Trotz. „Wir lassen uns“, sagen die beiden SPD-Oberbürgermeister von Remscheid und Solingen, „das Projekt nicht von vorne herein kaputtreden.“

Wie berichtet, machen Anwohner auf Solinger und Remscheider Seite Front gegen den Fuß- und Radweg, der in gut 100 Meter Höhe durch die Brücke verlaufen und die beiden Städte miteinander verbinden soll. Sie befürchten, dass der Skywalk zur neuen Touristenattraktion wird. Von 1,3 Millionen Besuchern und mehr im Jahr ist die Rede. Befürchtet wird eine deutliche Zunahme des Besucherverkehrs mit allen negativen Folgen für Natur und Landschaft.

In Remscheid ist die Idee für den Skywalk geboren worden. Das lässt manchen Gegner des Projekts Zusammenhänge erahnen. „Das Projekt ist der Ersatz für das möglicherweise nie zu realisierende DOC“, hieß es am Wochenende bei einem Treffen von Anwohnern und Naturschutzgruppen am Solinger Bahnhof Schaberg.

Skywalk und DOC haben nichts miteinander zu tun

„Das hat mir glatt die Schuhe ausgezogen“, erklärt der Remscheider Oberbürgermeister auf Nachfrage des ST und verweist einen Zusammenhang zwischen dem Skywalk und dem bei Gericht liegenden Lenneper Designer Outlet Center ins Reich der Märchen und Mythen.

Gleichwohl: „Wir werden uns mit allen Sorgen der Menschen befassen“, versprach Burkhard Mast-Weisz: „Das haben wir den Anwohnern zugesichert. Wir nehmen ihre Kritik ernst.“

Drei Prämissen sollen gelten für die Realisierung des Projekts. Die Umweltverträglichkeit sei eines davon, sagen die beiden Stadtoberhäupter. Zudem dürfe der Skywalk, der rund sieben Meter unterhalb des Schienenstranges verlaufen soll, die Aufnahme in die Welterbeliste der Vereinten Nationen nicht gefährden. Und: Die Bahn AG muss mit dem Skywalk einverstanden sein. Sie ist Eigentümerin der Müngstener Brücke.

Die Bahn hüllt sich dazu bislang in Schweigen. Allerdings warten auch die Städte noch auf die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie. Sie soll unter anderem aufzeigen, welche Schutzmaßnahmen für die Fußgänger und Radfahrer ergriffen werden müssten. Mit Ergebnissen ist erst 2022 zu rechnen. Eins ist den Stadtoberhäuptern derweil wichtig: „Wir planen einen Rad- und Wanderweg, der unsere Städte verbinden soll. Wir planen keinen Hotspot des Massentourismus’ mit Millionen Besuchern.“

Die Müngstener Brücke soll Weltkulturerbe werden.

Standpunkt: Vertrauenssache Skywalk

Kommentar von Philipp Müller

philipp.mueller@ solinger-tageblatt.de

Noch ist der Skywalk kaum mehr als ein Traum – beziehungsweise ein Schreckgespenst. Und doch wird bereits über die Rad- und Wanderverbindung durch die Müngstener Brücke zwischen Remscheid und Solingen gestritten, als käme die Eröffnung rechtzeitig zum Weihnachtsfest. Das Christkind wäre die Deutsche Bahn. Doch sie muss als Eigentümer den Wunschzetteln aus dem Bergischen erst zustimmen. Und deren Wunschideen sind höchstens als grobe Skizze zu erkennen. Die Bürgerinnen und Bürger auf beiden Seiten der Wupper haben natürlich ein feines Näschen: Denn was grundsätzlich für gut befunden wird, das kommt in der Kommunalpolitik oft. Da gilt es jetzt, dass die beiden Rathäuser um Vertrauen werben: Der Naturschutz steht oben an. Der Schutz der unmittelbaren Anwohner ist entscheidend. Das Vertrauen ist aber schnell verspielt. Wenn die beiden Stadtoberhäupter sagen, sie planten den Skywalk nicht für den Massentourismus, dann ist das nicht realistisch. Wird die Brücke Welterbe, werden die Massen bestimmt kommen. Das will genau geplant sein.

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