Regionenschreiber Tilmann Strasser „belauscht“ die Solinger

Der 37-jährige Tilmann Strasser kommt gebürtig aus München – nun erforschte er die Eigenheiten der Solinger. Foto: Rouven Böttner
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Der 37-jährige Tilmann Strasser kommt gebürtig aus München – nun erforschte er die Eigenheiten der Solinger.

Autor amüsieret das Publikum in Gräfrath mit seinen Beobachtungen über bergische Eigenarten

Von Jutta Schreiber-Lenz

Mit „Bergisch Babel“ hatte Tilmann Strasser den Abend überschrieben, zu dem er als Regionenschreiber eingeladen hatte, um das Ergebnis seiner Arbeit aus dem letzten Monat zu präsentieren. Den September verbrachte der Autor nämlich im Bergischen Städtedreieck mit Schwerpunkt in Solingen, um im Supermarkt, in Fußgängerzonen, an der Tankstelle oder einer Würstchenbude zuzuhören, worüber und in welcher Wortwahl sich Einheimische hier so unterhalten: „Ein Regionenschreiber kann sich von verschieden Seiten dem Gebiet nähern, über das er in der Art eines mittelalterlichen Stadtschreibers etwas schriftlich aufzeichnet“, erläuterte der Literat zunächst seinem neugierigen Publikum. Er habe die Art gewählt, den Fokus auf die Bewohner zu legen, ihnen zuzuhören – „die Leute zu belauschen“. Dabei ergaben sich vergnügliche, oft kuriose, mitunter auch rätselhafte Dialoge, die Strasser zu munteren und unterhaltsamen Miniaturen verarbeitet hat und nun unterhaltsam und amüsant mit seinem Auditorium teilte.

Auf der kleinen Bühne im Gräfrather Kammerspielchen entstand eine intime Wohnzimmer-Atmosphäre. Gerne hatten sich die Zuhörer von den gekonnt und bewusst gesetzten Formulierungen des Verbal-Meisters bei dessen Einleitung einstimmen lassen.

Die authentisch wiedergegebenen Situationen honorierten sie mit Schmunzlern und streckenweise auch lauten Lachern. Übrigens lausche der Regionenschreiber grundsätzlich immer nur so lange unbemerkt einem Gespräch, bis er sicher war, dass sich das tatsächlich als „Stoff“ für seine Zwecke eigne, erklärte Strasser nachdrücklich. „Dann frage ich, ob mein Zuhören okay ist. Und natürlich lasse ich mir meine anschließend entstandenen Texte von den jeweiligen Leuten absegnen.“

Wichtig sei ihm ausdrücklich, dass es nicht darum gehe, jemanden bloßzustellen oder sich über Dialekte lustig zu machen. Im Gegenteil gehe es darum, dem Menschenschlag einer Region „ehrlichen Respekt“ zu zollen. Die Idee, als Regionenschreiber unterwegs zu sein, ergab sich schon im letzten Jahr.

Regionenschreiber dank Stipendium

Strasser hatte sich erfolgreich für ein Stipendium als Regionenschreiber beim Literatur-Residenzprogramm der zehn Kulturregionen in NRW beworben. „Durch Corona war die ursprünglich dafür vorgesehene Zeitspanne nicht nutzbar, also habe ich das Ganze erst jetzt umsetzen können.“

Zwischendurch gab es kleine Limericks zu hören: Fünfzeiler, in denen der Autor kalauernd verschiedene Orte des Bergischen charakterisierte.

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