Was die Reformation und ein Virus gemeinsam haben

Superintendentin Dr. Ilka Werner begrüßte zu Beginn des Gottesdienstes die Gäste an den Rechnern daheim. Foto: Christian Beier
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Superintendentin Dr. Ilka Werner begrüßte zu Beginn des Gottesdienstes die Gäste an den Rechnern daheim. Foto: Christian Beier

Der Reformationsgottesdienst des Evangelischen Kirchenkreises kam als Livestream aus der Ohligser Stadtkirche

Von Jutta Schreiber-Lenz

Ohligs Die vom Reformator Martin Luther angemahnte und eingeforderte „Freiheit eines Christenmenschen“ mit einem ansteckenden Virus zu vergleichen, bot sich an in diesen Corona-Zeiten. „Virus Freiheit – Was macht den Unterschied“ war die Überschrift des Reformationsgottesdienstes des Evangelischen Kirchenkreises Solingen.

Der kam am Samstagabend als Streaming-Angebot aus der Stadtkirche Ohligs auf die Bildschirme der Gläubigen. Dies hatten die Verantwortlichen schon vor dem neuen „Lockdown light“ so beschlossen. Vor Ort in der Kirche waren folglich nur das Gestaltungsteam und die drei Pfarrer Luise Melchior (ehemals Ohligs), Christian Menge (Lutherkirche) und Thomas Schorsch (Gräfrath), denen Superintendentin Dr. Ilka Werner zum Silbernen beziehungsweise Goldenen Ordinationsjubiläum gratulierte. Kristina Ziegenbalg (Widdert) war nicht persönlich dabei.

Eingerahmt und immer wieder untermalt von berührender Musik und Gesang eines Trios um die Ohligser Kantorin Birgit Rhode, gelang es trotz der ungewöhnlichen Rahmenbedingungen, die Bedeutung des Reformationstages zu vermitteln. Mal rhythmischer und mitreißend, mal still und nachdenklich war die Auswahl der Stücke (hauptsächlich Gospel). „In your name“, „Freedom“ oder „Einer hat uns angesteckt“ kamen klangschön und emotional daher.

Sorgfältig mit Kerzen und farbigem Licht ausgeleuchtet, sollte der Kirchenraum Wohlfühlatmosphäre transportieren. Ohne direkten Dialog mit einem Auditorium und durch leichte Tonstörungen in der Übertragung, blieb das Ganze aber dennoch etwas hölzern, aller anerkennenswerten Bemühungen zum Trotz.

Ein launiges Anspiel mit Pfarrer Thomas Förster – als evangelischer Virologe „Professor Christian Tröster“ – ging dem Ansteckungsgeschehen des hartnäckigen Virus „Freiheit“ auf den Grund. In einer Kulisse, dem Setting der TV-Sendung „Hart aber fair“ nachempfunden, stellte er sich den Fragen von „Moderatorin Friederike Höroldt (Pfarrerin der Stadtkirchengemeinde Solingen-Mitte) und erklärte: Schon im antiken Ägypten seien rückwirkend Symptome wie Verantwortungsgefühl und eine eigene Meinung nachgewiesen worden. Aber vor allem vor 500 Jahren sei es dann zu einem Superspreading-Event gekommen, allgemein als Reformation bezeichnet. Warum dieses resistente Virus mal enorm viele Menschen und dann mal wieder lange Zeit sehr wenige infiziere, sei nicht bekannt. Eine große Diskutierfreudigkeit und die Bereitschaft zu fröhlichem Engagement für ein gutes Miteinander in einer Gesellschaft seien jedenfalls nachweisbar die am stärksten zu beobachtenden Auswirkungen einer Infektion mit dem Erreger „Freiheit“.

Gottes Gebote sind Regeln der Freiheit

Pfarrer Thomas Schorsch griff in seiner kurzen Predigt diese Gedanken auf. Gestützt auf den Text im Lukas-Evangelium über die Heilung der von einem bösen Geist gekrümmten Frau, zeigte er auf, dass „Freiheit“ gegen die „Geister“ Habgier, Neid und Eitelkeit schützt. „Die Freiheit, die Gott mir schenkt, schließt Rücksichtnahme, Verantwortung und Gewissen nicht aus, sondern im Gegenteil, sie sind Ausdruck seiner Freiheit. Und seine Gebote sind Regeln der Freiheit“. Wertschätzung, Sensibilität, Gastfreundschaft, Verzeihen können und Zugewandtheit seien die Werte, die Gottes „Freiheitsvirus“ in den Menschen freisetze.

Ein gesprochener und ein gesungener Segen und das „Vaterunser“ setzten einen nachdrücklichen Punkt hinter diesen besonderen Gottesdienst.

Tradition

Der 31. Oktober erinnert an die Veröffentlichung der 95 Thesen von Reformator Martin Luther an der Wittenberger Schlosskirche im Jahr 1517. Die Evangelische Kirche in Solingen feiert seit 2017 mit einem zentralen Gottesdienst, zu dem in den vergangenen Jahren mehrere Hundert Teilnehmer kamen. In diesem Jahr musste wegen der hohen Inzidenz-Werte im aktuellen Covid-19-Infektionsgeschehen alternativ geplant werden.

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