Bürgerpreis 2019

Rebecca Höttges rettet Lebensmittel

Rebecca Höttges sammelt überschüssige Ware ein und verteilt sie an Menschen in Not. Foto: Christian Beier
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Rebecca Höttges sammelt überschüssige Ware ein und verteilt sie an Menschen in Not.

Vor vier Jahren initiierte die Solingerin den Verein Foodsaving. Damit ist sie für den Bürgerpreis nominiert.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Wenn um 18 Uhr die Verteilung der Lebensmittel beginnt, begegnen sich viele unterschiedliche Menschen im Foodsaving-Laden am Werwolf: Arbeitslose stehen neben Alleinerziehenden mit Kinderwagen, Rechtsanwälte neben Studenten.

„Wir verkaufen unsere Tüten für einen Euro an jeden, der möchte – und der Inhalt ist dann kostenlos“, erläutert Rebecca Höttges das Verteil-Prinzip. Mit diesem Geldbetrag finanziert der Verein –der sich vor zwei Jahren durch die Tatkraft engagierter Helfer gegründet hat – den Lieferwagen mit Anhänger, mit dem die kooperierenden Läden angefahren werden. Und das Ladenlokal, in dem früher – immer noch am Eingang sichtbar – einmal „Stoff Lange“ zuhause war. Regeln, wie oft jeder kommen darf oder erforderliche Berechtigungsscheine gibt es nicht.

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Entstanden ist das Ganze als Rebecca Höttges vor Jahren bewusst den Inhalt einer Mietshaus-Mülltonne in Augenschein nahm. „Da war so viel weggeworfen, was man ohne Weiteres noch hätte verwenden können“, erinnert sie sich. „Ein für mich völlig absurder Anblick.“ Rebecca Höttges hat noch die Erzählungen ihrer Oma im Ohr, die von Not und Hunger handelten. Ein „Aha-Effekt“ also, der sie auf den Plan rief und „machen“ ließ: Zunächst waren nur ein bis zwei Händler dabei, später gaben ihr drei Händler Restbestände, die dann weitergereicht wurden.

Abstimmung zum Bürgerpreis 2019 beginnt

Haiat Chanfouh engagiert sich für Flüchtlinge. © Christian Beier
Rebecca Höttges von der Initiative Foodsaving. © Christian Beier
Richard Ritterbusch macht sich stark für die Gemeinde. © Christian Beier
Andreas Griese kümmert sich um behinderte Menschen. © Christian Beier
Dr. Frank Lungenstraß setzt sich für das Galileum ein. © Christian Beier

Eine kurze Zusammenarbeit mit den Maltesern, dann eine Übergangslösung bei der Flüchtlingshilfe Ufergarten, inzwischen das eigene Ladenlokal. Ein Non-Food-Bereich ist dazu gekommen, der ebenfalls zur Finanzierung der (fast) kostenlosen Lebensmittel-Verteilung beiträgt. Eine Kooperation mit einem Großdiscounter macht das möglich.

Weiteres ist geplant: Der hintere Bereich des Ladenlokals soll langfristig eine Gastronomie–Bewirtung ermöglichen. „Vielleicht einen kostenlosen Eintopf oder so“, überlegt Rebecca laut. 80 Mitglieder verzeichnet Foodsaving inzwischen: 50 davon sind ständig im Einsatz. Sie holen ab, sortieren, räumen ein und verteilen.

Neben der Ware sind vor allem persönliche Gespräche wichtig

„Eine wunderbare Truppe“, schwärmt Rebecca Höttges vom Arbeitsklima. „Alle sind enorm motiviert und so sind wir im Laufe der Zeit tatsächlich zu Freunden geworden.“ Eine Atmosphäre, die auch die Kunden spüren, denn neben den Waren bekommen sie oft ein mitfühlendes Gespräch, gute Ratschläge – im Notfall auch Hausbesuche. „Zum Beispiel in Notunterkünfte von Obdachlosen liefern wir regelmäßig“, sagt die 35-jährige Chefin, die mitunter staunend vor dem steht, was „vor vier Jahren bei uns auf dem Hof mit ein paar Kisten begonnen hat“.

ABSTIMMEN

COUPON Die schriftlichen Kandidaten-Vorschläge können ab sofort mit diesem Coupon in der Geschäftsstelle des ST (Mummstraße 9) und in allen Geschäftsstellen der Stadt-Sparkasse abgegeben werden. Dieser Coupon erscheint natürlich in den nächsten Tagen auch nochmals in allen Ausgaben, in denen die jeweiligen Porträts der Kandidaten erscheinen. Einsendeschluss ist der 28. Juni.

PER E-MAIL Wer möchte, kann den Namen seines Favoriten aber auch mailen. Unter allen Abstimmungsteilnehmern werden drei Hofgarten-Gutscheine im Wert von je 50 Euro verlost.

redaktion@solinger-tageblatt.de

Nicht nur sie steht mehr denn je hinter dem, was ihren Tag ausfüllt: Auch ihre Mannschaft, zu der auch ihre Familie mit Mann und vier Kindern im Alter von fünf bis 14 Jahren gehört, ist mit Leib und Seele bei der Sache. Es gehe um viel mehr, als darum Essen umzuverteilen. Es zählen auch die Geschichten und Schicksale der Menschen. „Fast jeder hat etwas zu erzählen und der intensive Kontakt zu Menschen erfüllt zutiefst.“ So ist der Laden längst auch zu einem Treffpunkt geworden, in dem kommuniziert wird.

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