Schnittert

Raubmord: Lebenslange Haftstrafe für 47-Jährigen

Der Angeklagte erklärte in seinem Schlusswort, er halte eine lebenslange Freiheitsstrafe selbst für angemessen. Archivfoto: to
+
Der Angeklagte erklärte in seinem Schlusswort, er halte eine lebenslange Freiheitsstrafe selbst für angemessen.

Das Landgericht Wuppertal sprach am Freitag das Urteil gegen einen 47-Jährigen, der eine Solinger Seniorin getötet hat.

Solingen. Nach den Plädoyers am Donnerstag war das Urteil im Wesentlichen zu erwarten – jetzt haben die Angehörigen des Opfers Gewissheit: Wegen Mordes und räuberischen Diebstahls mit Todesfolge verurteilte das Landgericht Wuppertal am Freitag einen 47-jährigen Solinger zu einer lebenslangen Haftstrafe. Weiterhin wurde die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet – die Möglichkeit einer späteren Sicherungsverwahrung nach Ablauf des Maßregelvollzugs behielt das Gericht sich ausdrücklich vor.

Die Kammer sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte im Februar vergangenen Jahres eine 76 Jahre alte Solingerin in ihrem Wohnhaus in der Hofschaft Schnittert gewaltsam getötet hat, indem er sie mit einem schweren Stein erschlug. Der bereits erheblich wegen Eigentums- und Drogendelikten vorbestrafte 47-Jährige war an jenem Tag für Gelegenheitsdiebstähle in Solingen unterwegs, um damit seine Kokainsucht zu finanzieren.

„Sie müssen an sich arbeiten, sonst sehen wir für Sie schwarz.“

Jürgen Kötter, Vorsitzender Richter

Da die Solingerin sich gerade im Garten aufhielt und den Schlüssel zur Wohnungstür offenbar steckengelassen hatte, gelang es dem Täter, ins Haus einzudringen und zunächst ihr Schlafzimmer nach Wertsachen zu durchsuchen. Dabei überraschte sie den Täter schließlich und versuchte, ihn aufzuhalten. Es kam zum Kampfgeschehen, in dessen Verlauf der Angeklagte eine Plastiktüte, in der sich der Stein befand, auf den Kopf seines Opfers schleuderte und auf die am Boden liegende Frau einschlug. „Trotz des grausamen Geschehens hatte der Angeklagte noch die Stirn, die Beute zusammenzuraffen“, rügte der Vorsitzende Richter Jürgen Kötter. Diese versetzte der 47-Jährige auch gleich nach der Tat bei einem Juwelier in Wuppertal.

Gleichzeitig lobte Kötter die „sorgfältige und akribische“ Ermittlungsarbeit der Polizei. So sei es auch anhand geringfügiger DNA-Spuren gelungen, den Täter zu identifizieren. Dieser hatte die Tat erst gegen Ende der Verhandlung gestanden und der Kammer zunächst eine falsche Version der Geschichte mit zwei angeblichen Mittätern aufgetischt, die für die Tötung der Frau verantwortlich gewesen sein sollten. Erst später legte er ein umfassendes Geständnis ab, in dem er die alleinige Schuld auf sich nahm, als das Gericht ihn mit der Unhaltbarkeit seiner Aussagen konfrontierte.

Rückblickend habe der 47-Jährige in seinem Leben „nicht viel auf die Kette bekommen“, konstatierte Kötter. Zum einen habe sicherlich eine schwierige Kindheit mit einem alkohol-und gewaltaffinen Vater sowie verschiedenen Heimaufenthalten das Leben des Angeklagten geprägt. Dieser habe sich allerdings auch immer „weggeduckt, wenn es ernst wurde“. Eine Angststörung habe seine Drogensucht begünstigt, die immer stärker ins Geld gegangen sei.

Derweil habe die Solingerin sich in ihrer Nachbarschaft in einer ländlich geprägten Ecke Solingens, der Hofschaft Schnittert, sicher gefühlt, resümierte der Vorsitzende. „Da musste man nicht alles verrammeln.“ Die verwitwete Seniorin sei beliebt gewesen und habe ein aktives Leben geführt.

In Bezug auf seinen bevorstehenden Entzug liege noch ein langer Weg vor dem Angeklagten, befand Kötter. Die Voraussetzungen für eine spätere Sicherungsverwahrung lägen grundsätzlich vor. „Die Beweislast kehrt sich dann um“, erklärte er – der Angeklagte müsse in der Maßregel über die Jahre zeigen, dass eine Gefährlichkeit nicht mehr besteht. Er habe mit seinem Bekenntnis zur Tat „eine Tür aufgestoßen, um eventuell irgendwann noch mal ein selbstbestimmtes Leben führen zu können“, so der Vorsitzende und appellierte: Sie „müssen an sich arbeiten. Sonst sehen wir für Sie schwarz.“

Unser Artikel vom 11. März

Solingen. Für den 47-jährigen Angeklagten, der im Februar vergangenen Jahres eine 76-jährige Solingerin in ihrem Wohnhaus in der Hofschaft Schnittert ermordet haben soll, läuft es auf eine lebenslange Freiheitsstrafe hinaus. In diesem Punkt waren sich die Vertreter von Staatsanwaltschaft und Verteidigung am Verhandlungstag am Donnerstag vor dem Landgericht Wuppertal einig. Unterschiedliche Sichtweisen des Geschehens gab es dennoch, als die Plädoyers in der Sache ergingen.

Weitgehend unstrittig ist der Ablauf der Tat: So war der erheblich vorbestrafte Angeklagte am Tattag mit dem Auto in der Hofschaft Schnittert unterwegs, um zur Finanzierung seiner Sucht Gelegenheitsdiebstähle zu begehen. Die Seniorin hielt sich gerade im Garten auf, als der Beschuldigte durch die Wohnungstür ins Haus gelangte – bewaffnet mit einem schweren Stein, den er in einer Plastiktüte transportierte. Als die Solingerin ihn dabei ertappte, wie er die Schränke in ihrer Wohnung nach Schmuck und Bargeld durchwühlte, so die Rekonstruktion der Ermittler, kam es zu einem Kampf. Dabei schleuderte der Angeklagte die Tüte mit dem Stein gegen den Kopf der Solingerin, die daraufhin zusammenbrach. Auch als sie schon am Boden lag, soll er noch auf sie eingetreten und schließlich die Flucht ergriffen haben. Die Beute versetzte er unmittelbar nach der Tat bei einem Juwelier, um sich von dem Geld Drogen zu beschaffen.

Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt erkannte im Handeln des Angeklagten die beiden Mordmerkmale der Verdeckungs- und Ermöglichungsabsicht. So habe der Drogenabhängige, dessen volle Schuldfähigkeit im Verfahren durch einen psychiatrischen Sachverständigen festgestellt wurde, die Solingerin getötet, um den Raub zu verdecken und zu verhindern, dass sein Opfer sich Hilfe holt. Die Ermöglichungsabsicht bestehe darin, dass der Angeklagte sich durch die Tat die Beute aneignen wollte. Eine Vertreterin der Nebenklage sah außerdem noch das Mordmerkmal der Habgier als erfüllt an. Generell reicht die Feststellung eines einzigen Mordmerkmals aus, um wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt zu werden.

Raubmord in Schnittert: Vertreterin der Nebenklage bezweifelt Therapiefähigkeit

Diese beantragte die Staatsanwaltschaft und forderte zudem, eine Sicherungsverwahrung im Urteil vorzubehalten. Wenn der Beschuldigte seine Haftstrafe verbüßt hat, würde dann noch einmal geprüft, ob eine nachträgliche Sicherungsverwahrung notwendig ist. Skeptisch zeigte sich Kaune-Gebhardt in Bezug auf die Möglichkeit, den Angeklagten in einer Entziehungsanstalt unterzubringen. „Die Erfolgsaussichten dafür sind äußerst unklar.“ Dem schloss sich die Vertreterin der Nebenklage an, die dem Täter angesichts seiner bisherigen kriminellen Vergangenheit ein „hohes Rückfallrisiko“ bescheinigte. Durch sein spätes Geständnis und vorherige Falschangaben in der Verhandlung habe er die Angehörigen des Opfers unnötig belastet.

Verteidiger Marc Françoise appellierte hingegen an die Kammer, seinem Mandanten eine Therapie zu ermöglichen. Dieser entschuldigte sich in seinem Schlusswort indirekt für die Tat; er halte eine lebenslange Freiheitsstrafe selbst für angemessen. Gleichzeitig wolle er den Drogen endgültig abschwören. „Ich kann und will nicht mehr so weiterleben.“ Ein Urteil wird am Freitag erwartet.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Drei Raubüberfälle in Gräfrath, Ohligs und Mitte
Drei Raubüberfälle in Gräfrath, Ohligs und Mitte
Drei Raubüberfälle in Gräfrath, Ohligs und Mitte
Unfall in Stöcken verursacht Verkehrschaos - Zwei Verletzte
Unfall in Stöcken verursacht Verkehrschaos - Zwei Verletzte
Unfall in Stöcken verursacht Verkehrschaos - Zwei Verletzte
Nicole Müller macht Gassigehen zu ihrem Beruf
Nicole Müller macht Gassigehen zu ihrem Beruf
Nicole Müller macht Gassigehen zu ihrem Beruf
28 Raser pro Tag: Stadt will am Werwolf blitzen
28 Raser pro Tag: Stadt will am Werwolf blitzen
28 Raser pro Tag: Stadt will am Werwolf blitzen

Kommentare