Prozess

Raub auf Discounter: Solinger müssen ins Jugendgefängnis

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Das Landgericht in Wuppertal.

Zwei 16- und 19-Jährige stehen wegen Ladenraubs vor Gericht.

Von Dirk Lotze

Solingen. Zwei 16 und 19 Jahre alte Angeklagte aus Solingen müssen wegen eines Ladenüberfalls mit vorgehaltenem Messer in Jugendhaft, als letztes Mittel der Erziehung. Sie hatten gestanden, am 27. Juni 2020 einen Discounter-Markt an der Schützenstraße beraubt zu haben. Ein Kassierer hatte ihnen kurz vor Ladenschluss 1150 Euro aus der Kasse ausgehändigt, nachdem der Jüngere gefordert hatte: „Mach’ die Kasse auf!“ Das Urteil des Landgerichts Wuppertal ist noch angreifbar.

Der 16-Jährige wurde früher zeitweise als Intensivtäter geführt. Er muss für vier Jahre und drei Monate in Haft. Eingerechnet sind weitere Urteile wegen Serieneinbrüchen in Solinger Schulen und wegen eines Straßenraubs. Die Strafe für den 19-Jährigen beträgt drei Jahre, ebenfalls nach Jugendrecht. Der Vorsitzende Richter verdeutlichte: „Die Angeklagten haben gut daran getan, Geständnisse abzulegen.“ Sonst wäre das Urteil deutlich schärfer ausgefallen.

Beide Angeklagte wurden kurz nach der Tat von Polizisten gestellt. Das Amtsgericht hatte gegen den Jüngeren gerade sechs Wochen zuvor eine Chance auf Bewährung ausgesetzt und Rückkehr in die Haft angeordnet: Er hatte Schulunterricht versäumt, den das Gericht angeordnet hatte. Die Beute bleibt verschwunden, ebenso das Tatmesser: Der 16-Jährige hatte am vergangenen Mittwoch Polizisten zu dem Versteck geführt, an einer efeubewachsenen Mauer. Es fanden sich dort aber nur noch eine Sporthose und ein Kapuzen-shirt von ihm. In der Nähe lag noch eine Flasche Brandbeschleuniger: Laut den Angeklagten wollten sie die Tatkleidung ursprünglich verbrennen.

Solingen: Gefundene Beute muss abgegeben werden

Die Angeklagten bleiben in Haft, bis ihr Urteil rechtskräftig wird. Während der Urteilsbegründung durch den Vorsitzenden Richter stürmte ein Bruder des 19-Jährigen sichtlich wütend aus dem Saal, drehte sich zum Anwalt des Bruders um und rief: „Bei Gott, ich werde auf Dich warten!“

Das Gericht geht davon aus, dass Unbekannte die Beute an sich genommen haben. Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert stellte auf ST-Anfrage klar: Einen solchen Fund muss man abgeben, sonst macht man sich strafbar. Wenn das nun nachträglich geschehe, könne die Person allerdings noch begründet darauf hoffen, dass das Verfahren wegen geringer Schuld eingestellt wird. Baumert: „Eins ist klar: Das Geld steht den Geschädigten zu, nicht den Tätern und nicht jemandem, der es findet.“

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