Nach Flut in Leichlingen

Rathaus sieht sich als Partner der betroffenen Bürger

Bürgermeister Frank Steffes berichtet, dass die Folgen der Flut noch lange nicht beseitigt sind

Von Philipp Müller

Leichlingen. Für den Leichlinger Bürgermeister Frank Steffes (SPD) herrscht im Rathaus doppelt eine Art Ausnahmezustand. Das Gebäude selbst wurde Opfer der Flut, es muss saniert werden. Und jetzt brauchen viele Bürger der Nachbarstadt Solingensreichlich konkrete Hilfen. In vielen der rund 1000 betroffenen Häuser fehlt zum Beispiel die Heizung. Die Beantragung aus dem Aufbaufonds 2021 von Land und Bund ist so komplex, dass das viele nicht allein bewältigt bekommen und an die Türe des Rathauses klopfen.

Ihnen allen wollen Steffes und seine Mitarbeiter mit einer dafür aufgebauten Beratungsstelle helfen. Nicht ganz einfach sei das, erklärt er. Viele Schreibtische seien nicht besetzt, weil schlichtweg Personal fehle und sich niemand auf die offenen Stellen bewirbt. Er zieht einen Vergleich: „In großen Rathäusern wie Köln machen viele eine Aufgabe. Bei uns machen eine oder einer viele Aufgaben.“ Doch die Motivation im Haus sei groß, sagt er. Und die Herausforderungen sind riesig, die das „Jahrtausendhochwasser“ stellt.

Bürgermeister Frank Steffes klagt, dass ihm Personal für die Hilfe für die Opfer des Hochwassers fehlt. Noch sind nicht alle Schäden bekannt und auf Euro und Cent beziffert.

Steffes zählt auf. Schulen sind betroffen, etwa das Schulzentrum am Hammer und die Sporthalle. Die Sportanlage Balker Aue wurde ebenfalls zerstört. Sie wurde zum Lager für den Müll, den Schrott und die Hinterlassenschaften des Hochwassers. Dreimal musste ein Berg von 65 Metern Länge, 15 Metern Breite und 10 Metern Höhe abgefahren werden. Zusammen habe das rund 25 000 Kubikmeter ausgemacht, die nur bundesweit entsorgt werden konnten, weil die nahe Müllverbrennungsanlage in Leverkusen das nicht gepackt habe.

Dann nennt er noch die Realschulsporthalle, die kaputt ist, das historische Rathaus sei überschwemmt worden, das Erdgeschoss der Hauptschule sei Opfer der Wupperfluten gewesen – und schließlich nennt Steffes noch die Aula des Gymnasiums, die „abgesoffen“ ist. Er muss ein bisschen Luft holen, denn die Liste ist länger. Das Jugendzentrum hat es getroffen. Wenn die Sportplätze an der Balker Aue nicht mehr Müllkippe sind, brauchen sie auch eine Generalsanierung nebst der Gebäude dort.

Teile des Stadtlebens und der Sport kamen zum Erliegen

Das alles hat Auswirkungen auf das Stadtleben. Kultur geht ohne die Aula kaum. Schul- und Vereinssport sind nur eingeschränkt möglich. Das alte Hallenbad kann auch nicht genutzt werden. Er zuckt mit den Schultern und sagt: „Wir können nicht schwimmen.“

Noch gibt es auch viele Unbekannte. Im Moment sehe es noch so aus, als ob die meisten Straßen das Hochwasser gut überstanden hätten. „Wir wissen aber nicht, ob es Unterspülungen gab, die wir noch nicht sehen können.“

Am Ende ist er aber zuversichtlich, dass die im Hochwasser geborene und enge Gemeinschaft der Leichlinger die Schäden auch beseitigt bekommt. Aber alles werde dauern: Es gibt kaum verfügbare Handwerker, die Stadt müsse für die eigenen Schäden europaweit ausschreiben, um die Aufträge für die Schulen und auch das Rathaus zu vergeben. Das Betongebäude möchte er gerne im Bestand sanieren und nicht auf einen Neubau setzen. Entsprechend haben Fachfirmen damit begonnen, den Keller und die Technik wieder instandzusetzen.

Wenn er jetzt auf die Flut zurückblickt, dann macht Steffes dies auch mit Sicht auf die Zukunft. Er sei dankbar über die Hilfe aus der Nachbarstadt Solingen direkt nach dem Ereignis. Gemeinsam müsse nun der bessere Hochwasserschutz mit dem Wupperverband geplant werden. Wo können Bachtäler so gestaltet werden, dass sie mehr Wasser zurückhalten? Wie können Anlieger ihre Häuser so schützen, dass sie der nächsten Flut trotzen? Was geht technisch beim Hochwasserschutz? Das beschäftigt Steffes und die Leichlinger parallel zum Wiederaufbau.

Rubriklistenbild: © Michael Schütz

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